Wenn Christoph Matthias und sein Pferd Brego an den Ackerfurchen entlanglaufen, klingt die Netzegge, ein landwirtschaftliches Bodenbearbeitungsgerät, nach lauter kleinen Glöckchen. Ansonsten ist es ziemlich still außerhalb des Dorfs Auernheim im südlichen Mittelfranken. Die Knoblauchtriebe auf dem Acker richten sich wieder auf, wenn die Egge drübergelaufen ist. Das Unkraut dagegen kann sich nicht festsetzen. Die Erde ist locker und feinkörnig. Für Landwirt Christoph Matthias ist das ein Ergebnis der Arbeit mit Pferden. "Bereits nach zwei Jahren sehen wir eine deutliche Verbesserung im Boden", sagt er.
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Schwere Böden werden locker und krümelig
Zwei Jahre schon bearbeitet Christoph Matthias die schweren Böden rund um den Wieshof mit seinem Ackergaul. Überall liegen Jurasteine herum. Vor zehn Jahren hatten die Vorgänger die Landwirtschaft aufgegeben. Der 34-jährige Landwirt aus dem Thüringer Wald begann auf dem Gelände mit dem Gemüseanbau. Statt mit tonnenschweren Harvestern holt er die Kohlköpfe mit der Kutsche vom Feld. Sein Pferd Brego hat er selbst ausgebildet. "Das ist ein schönes Arbeiten, ohne Lärm und Dieselgeruch", so Matthias. Das Tier denke inzwischen mit, etwa bei der Ernte. "Mit der Zeit hat er gelernt, wo die Kohlhaufen auf dem Acker sind, wird von selbst langsamer und bleibt dann stehen."
Tonnenweise Kohlköpfe, Karotten und Kartoffeln geerntet
Christoph Matthias und seine 28-jährige Partnerin Marlene Moersener beweisen, dass das Wirtschaften mit Pferden funktioniert. Tonnenweise Kohlköpfe, Zwiebeln, Karotten und Rote Bete haben sie im vergangenen Jahr geerntet. Insgesamt 60 Gemüsesorten bauen sie an, in unterschiedlichsten Unterarten. Mit den Blumen sind es 300 verschiedene Pflanzen. "Das ist Teil der Leidenschaft", sagt die studierte Biolandwirtin Moersener, "und auch Kulturgut: dass wir viele Sorten durch die Nutzung erhalten". In großen Kästen haben sie das Gemüse über den Winter in den alten Scheunen gelagert. Selbst jetzt, Anfang April, sind Rote Beete und Karotten noch erstaunlich saftig. "Der kalte Winter hat geholfen", sagt Matthias und lächelt zufrieden.
Ökologisch-solidarische Landwirtschaft im Kreislauf der Natur
Sie haben den Betrieb als solidarische Landwirtschaft aufgesetzt – 60 Mitglieder helfen regelmäßig mit und holen donnerstags ihren Anteil. Es gibt, was gerade reif is und im Winter, was im Vorjahr geerntet wurde, zum Beispiel Lauch, Sellerie, verschiedene rote und gelbe Rüben. "Das Gemüse schmeckt wie aus Omas Garten und hält ewig lang", sagt eine Kundin begeistert. Im Hofladen kann man am Donnerstagnachmittag einkaufen. Die Qualität sei außerordentlich, sagen die Kunden.
Pferde liefern kostenlosen Dünger und vermehren sich selbst
Christoph Matthias hat Erfahrung auf einem Pferdehof und bei der Interessengemeinschaft Zugpferde einige Fortbildungen absolviert. Er und seine Partnerin gehören zur anthroposophisch orientierten Gemeinschaft, die den Wieshof vor einigen Jahren gekauft hat. Sie arbeiten mit dem Kreislauf der Natur. Als Dünger verwenden sie kompostierten Pferdemist, den die vier hofeigenen Vierbeiner kostenlos abliefern. Außerdem können sich die Pferde selbst vermehren, sagt Matthias. "Wir können unsere Heutraktoren wieder nachziehen und haben damit eine gewisse Art von Unabhängigkeit."
Langfristiger Plan: Artenvielfalt mit Tieren
Ohne Mühe geht es allerdings nicht. Die beiden arbeiten an sieben Tagen pro Woche. Doch sie haben einen inspirierenden Plan: aus dem verlassenen Gehöft wieder einen Ort beispielhafter Artenvielfalt zu machen. Schon im nächsten Jahr wollen sie ihre Fläche von drei auf zwölf Hektar erweitern und weitere Nutztiere auf den Hof holen. Dabei wirtschaften sie wie im Freilandmuseum. Gerätschaften wie die Kartoffelwaschtrommel mit Kurbel kaufen sie gebraucht. Einen Kipplader hat sich der Landwirt selbst gebaut – alles für eine Zukunft ohne Lärm und Dieselgeruch. So bemerkenswert der Einsatz von Zugpferden in diesem Einzelfall ist, eignet sich diese Form der Bewirtschaftung natürlich nicht als übertragbares Modell für die moderne Landwirtschaft.
Disclaimer: Wir haben einen Hinweis ergänzt, dass es sich hier um ein Einzelbeispiel handelt.
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