Ein Mittwochmorgen in der Münchner Großmarkthalle: Obst und Gemüse in allen Farben und Formen, dazwischen wuseln die Großhändler und ihre Angestellten. Hier merken sie sofort, wenn sich der Preis für Gurken oder Tomaten ändert.
Großhändler Daniel Schury kauft und verkauft hauptsächlich Gemüse. Seine Gurken bezieht er im Sommer aus Franken; jetzt, im Winter, kommen sie aus Spanien. Und sie waren in den vergangenen Wochen besonders teuer, sagt Schury, "witterungsbedingt" sei das gewesen "das Wetter war schlecht, viel Regen, kalt für ihre Verhältnisse". Außerdem hätten sie in Spanien diese Saison auch weniger Gurken angebaut als sonst. Das geringe Angebot habe den Preis in die Höhe getrieben.
Höhere Kosten für Obst und Gemüse wegen logistischen Aufwands
Dazu kommt, dass Gurken im Winter eigentlich immer teurer seien als im Sommer. Das liege unter anderem am logistischen Aufwand: "Im Sommer ist: Ich bestelle heute, habe es morgen eigentlich da. Aus Spanien haben sie drei Tage Vorlauf, aus Italien, Frankreich eigentlich zwei Tage …", sagt Daniel Schury. Man müsse "anders takten, anders planen". Und das schlage sich auch auf den Verkaufspreis nieder.
Es gibt auch ein paar Betriebe in Bayern, die das ganze Jahr über Gurken und Tomaten anbauen - im beheizten Gewächshaus. Aber auch das ist in dieser Jahreszeit mit hohen Kosten verbunden, sagt Fritz Boß, der im fränkischen Feulersdorf ganzjährig Gurken und Tomaten produziert. Höhere Kosten vor allem, weil Boß mehr Strom für die künstliche Belichtung brauche. Beziehungsweise mehr Gas, um diesen Strom bei sich zu produzieren. "Das muss natürlich bezahlt werden und wird umgelegt auf den Verkaufspreis."
Verbraucherzentralen besorgt über hohe Lebensmittelpreise
Diesen höheren Verkaufspreis spürt dann, am Ende der Wertschöpfungskette, auch der Verbraucher im Supermarkt. Die gestiegenen Lebensmittelkosten besorgen auch die Verbraucherzentralen, sagt Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern. Sie würden feststellen, "dass immer mehr Menschen in eine sogenannte Ernährungsarmut fallen. Dass sie sich also nicht mehr gesund ernähren können mit ihrem Budget."
Die Verbraucherzentralen versuchen zu unterstützen, indem sie unter anderem auf ihrer Website (externer Link) und bei Veranstaltungen darüber informieren, wie beim Einkauf von Obst und Gemüse Geld gespart werden kann. Zum Beispiel durch den Einkauf auf dem Wochenmarkt, wo das Obst und Gemüse aufgrund weniger Zwischenhändler oft günstiger ist, besonders zum Ende des Markttages. Außerdem bieten die Verbraucherzentralen auch Kochkurse an, bei denen die Teilnehmenden unter anderem dafür sensibilisiert werden, mit saisonalen und damit oft günstigeren Lebensmitteln zu kochen.
Höhere Kosten für Obst und Gemüse: Forderungen an die Politik
Aber auch die Politik müsse aktiver werden, sagt Daniela Krehl, und zum Beispiel bei der Preisgestaltung mehr Transparenz schaffen. Dafür sei wichtig, "dass wir eine Preisbeobachtungsstelle einrichten, bundesweit". Solche staatlichen Preisbeobachtungsstellen gibt es bereits in anderen europäischen Ländern. Sie erfassen, wer in der Wertschöpfungskette wie viel an einem Lebensmittel verdient. Denn besonders bei verarbeiteten Lebensmitteln sei das häufig eine "Blackbox".
Darüber hinaus fordern die Verbraucherzentralen eine staatliche Ernährungspauschale, die Menschen mit geringem Einkommen jährlich ausbezahlt wird. So soll sichergestellt werden, dass alle die Möglichkeit haben, sich gesund zu ernähren und damit weniger von den schwankenden Preisen abhängig sind.
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