Im November sind die Preise für Lebensmittel in Bayern im Vergleich zum Vorjahresmonat um rund 1,6 Prozent gestiegen. Das ist deutlich weniger als die gesamte Inflation: Die Preise für Waren und Dienstleistungen gingen in Bayern um rund 2,2 Prozent nach oben, berichtet das Bayerische Landesamt für Statistik in Fürth. Doch blickt man auf einzelne Lebensmittel ist klar: Die Schwankungen sind teilweise gigantisch.
Deutlichste Preissenkung: Kartoffeln (-25,3 %)
Die Preise für Kartoffeln sind in Bayern am deutlichsten gesunken, vergleicht man die Preise mit dem Vorjahr. Der Grund hierfür ist schnell genannt: Die deutsche Landwirtschaft rechnet für das aktuelle Jahr mit einer Rekordernte bei Kartoffeln. Ein hohes Angebot drückt die Preise, das freut den Geldbeutel.
Olivenöl (-22,5 %)
Auch beim Olivenöl gingen die Preise deutlich zurück – das liegt aber hauptsächlich an der Entspannung der Lage in den produzierenden Ländern. Besonders Spanien hatte jahrelang mit schlechten Ernten zu kämpfen, entsprechend stark waren die Preise damals gestiegen. Nachdem die vergangenen Monate aber wieder gute Erträge brachten, gingen die Preise im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurück.
Olivenöl ist also streng genommen nicht wirklich günstiger geworden – sondern es ist weniger extrem teuer. Im Vergleich zum Jahr 2020 zahlt man aktuell nämlich rund 60 Prozent drauf.
Butter (-21,5 %)
Neben Olivenöl ist auch Butter günstiger geworden. Zwei Gründe nennen die Statistiker für die gesunkenen Preise: Eine deutlich gesteigerte Produktion und ein hoher Fettgehalt in Milch aus Deutschland und der EU. Hinzu kommen die Rekordpreise für Butter im Vorjahr. Die sorgen dafür, dass die Statistik sehr gut aussieht und die Butterpreise im Vergleich zu anderen Lebensmitteln dieses Jahr deutlich gesunken sind.
Vergleicht man die Preissteigerungen nicht nur in Bayern, sondern in der gesamten Bundesrepublik, landet Butter sogar auf Platz eins der günstiger gewordenen Lebensmittel. Laut dem Bundesamt für Statistik ist der Preis deutschlandweit um 22 Prozent gesunken, bei Kartoffeln hingegen nur um 16,1 Prozent.
Weintrauben (-19,3 %)
Ebenfalls um rund 22 Prozent gesunken: die Preise für Weintrauben. Grund für den Preisrückgang sind zum einen eine lange Saison im Mittelmeerraum und zum anderen frühe Lieferungen aus Südafrika und Südamerika. Die sorgen dafür, dass die übliche Lücke zwischen den Lieferantenwechseln ausblieb – und die zugehörige Preissteigerung auch.
Eisbergsalat (-12,3 %)
Ähnlich wie bei den Kartoffeln in Deutschland sieht es bei Eisberg- und Kopfsalat in Spanien aus. Hier herrschen beste Anbaubedingungen, das Gemüse landet daher auf Platz fünf.
Deutlichste Erhöhung: Steinobstkonserven (+42,5 %)
Starke Wetterschwankungen und Pflanzenkrankheiten haben den Obstbäuerinnen und -bauern zu schaffen gemacht. Vor allem bei Kirschen, Pfirsichen, Nektarinen und Aprikosen gehen die Vorräte zur Neige. Auch bei Himbeeren, Heidelbeeren und Co. war die Ernte schlecht. Steinobst ist daher Spitzenreiter, Tiefkühlobst landet mit rund 27 Prozent ebenfalls in den Top fünf.
Tafelschokolade (+31,6 %) und Pralinen (+26,0 %)
Gestiegene Rohstoffpreise sind der Grund für den deutlichen Anstieg bei Tafelschokolade und Pralinen. Kakao wird an Terminbörsen gehandelt, Händler bestellen also langfristig und müssen daher früh die Preise festlegen. Da die Ernte im Vorjahr (2024) schlecht war, sind die Preise im aktuellen Jahr deutlich höher gewesen, auch wenn sich die Verfügbarkeit von Kakaobohnen eigentlich gebessert hat. Vor den Weihnachtstagen hatten Supermärkte massive Rabatte auf Schokolade gewährt, die sind in den aktuellen Daten allerdings noch nicht abgebildet.
Rinderhackfleisch (+27,6 %)
Immer mehr Rinderhöfe schließen, die Kosten für Energie, Löhne und Transport sind gestiegen. Das führt dazu, dass Rindfleisch deutlich teurer geworden ist.
Für eine mittelfristige Preissenkung auch bei Rindfleisch hätte das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den südamerikanischen Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay führen können. Doch nach heftigen, teils gewaltsamen Bauernprotesten in Brüssel wurde die für Mitte Dezember geplante Unterzeichnung des Abkommens verschoben. Die europäischen Landwirtinnen und Landwirte befürchteten massive Preissenkungen und weniger strenge Kontrollen für Lebensmittel.
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