Wenn der Leiter des Veterinäramts Landsberg am Lech seine Gummistiefel, den blauen Kittel und das Klemmbrett einpackt, heißt es: Tierschutzkontrolle. Bürgerinnen und Bürger können in Bayern beim Veterinäramt des jeweiligen Landratsamtes melden, wenn sie einen Missstand beobachten. Bei Dr. Michael Veith gehen zwei bis drei solcher Anzeigen wöchentlich ein. "Wir gehen jeder einzelnen für sich nach", sagt Veith auf dem Weg zu einem Hof.
- Zum Artikel: "Allgäuer Tierschutzskandal: Was sind die Folgen?"
"Der größte Teil der Landwirte macht einen guten Job"
Allein in Landsberg am Lech führe das Team um Dr. Veith 450 Kontrollen im Jahr durch, sagt der Veterinär. "Es gibt natürlich auch Situationen, wo es konfliktbehaftet ist", denn niemand lasse sich gerne kontrollieren.
Über die Jahre habe er sich ein dickes Fell zugelegt. "Es geht darum, dass wir für die Tiere was erreichen müssen." Das sei schließlich auch im Sinne der Landwirte.
Bayern: Hohe Zahl an landwirtschaftlichen Betrieben
Insgesamt gibt es in Bayern laut einer Agrarstatistikerhebung aus dem Jahr 2023 knapp 82.000 Betriebe. Rund zwei Drittel davon halten Tiere. "Der größte Teil der Landwirte macht einen guten Job", sagt Dr. Kai Braunmiller, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft für Fleischhygiene und Tierschutz Bayern. Aber: In jedem Berufsstand gebe es schwarze Schafe: "Das Ziel muss sein, diese schwarzen Schafe zu erkennen und zu schauen, was ist da los."
Das Problem: Schauspiel bei den Kontrollen?
Schwarze Schafe – wie den Milchviehbetrieb in Bad Grönenbach. Der Tierschutzskandal wird aktuell vor dem Landgericht Memmingen verhandelt. Bei großen Betrieben – wie dem im Allgäu – mit über 600 Tieren ist seit 2020 nicht mehr das Veterinäramt, sondern die Bayerische Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen zuständig.
Eine Konsequenz aus den mutmaßlichen Tierschutzverstößen, die schon 2019 bekannt wurden – doch 2025 tauchen wieder Videos der Soko Tierschutz auf. "Wenn man eine Kontrolle macht, kriegt man das Schauspiel, und wenn man geht, macht derjenige wieder das, was er vorher gemacht hat", sagt Dr. Braunmiller.
Die Forderung: Videoüberwachung und Anzeigepflicht
Wie können die Kontrollbehörden Verstöße schneller aufdecken? Dr. Braunmiller fordert bei "auffälligen Betrieben" eine Videoüberwachung. "Wenn der Landwirt sich rechtskonform verhält, sollte er damit kein Problem haben", fügt er an. Außerdem könnte eine Anzeigepflicht für Hofbesucher helfen. Das heißt, jeder, der an den Hof kommt und einen Verstoß beobachtet, müsste diesen melden.
Der Veterinär als Hilfestellung für die Landwirte
Und die Kontrollen? In Landsberg am Lech ist der Amtstierarzt bei Landwirt Martin Stangl angekommen. Heute geht es nicht um eine sogenannte anlassbezogene Kontrolle – der Landwirt ist vorgewarnt, weil der BR mit der Kamera dabei ist. Martin Stangl hält 62 Rinder und zwölf Schweine in Eching am Ammersee.
Dr. Veith geht mit dem Landwirt durch den Stall, prüft Futter, Einstreu und zum Beispiel die Sauberkeit der Tiere. Hat der Veterinär heute etwas zu beanstanden, berät er zunächst und gibt Zeit zum Nachbessern. Erst danach gibt es eine schriftliche Belehrung. Im schlimmsten Fall kann er ein Tierhaltungsverbot aussprechen. Bei Stangl ist jedoch alles vorbildlich: "Manchmal ist man auch ein bisschen betriebsblind. Ich sehe das Veterinäramt als Hilfestellung", sagt der Landwirt.
Mehr Kontrollen – oder effektivere?
Gut die Hälfte seiner Arbeitszeit verbringt Dr. Veith bei Betrieben seines Landkreises. "Es wird keinem helfen, noch mehr Kontrollen zu machen", meint er. Grundsätzlich würden genügend Kontrollen durchgeführt, "aber die könnte man an der ein oder anderen Stelle durchaus effektiver gestalten".
Schon heute müssen viele Höfe Daten sammeln, werden von Bio-Verbänden oder aufgrund spezieller Qualitätssiegel kontrolliert. Es gibt eine Vielzahl an Informationen, die helfen könnten, Auffälligkeiten auf Höfen früh zu erkennen. Doch bisher können Amtstierärzte nicht direkt auf die Daten zugreifen.
Im Video: Tierschutz – So könnten Betriebe effektiver kontrolliert werden
Der Leiter des Veterinäramts Landsberg am Lech, Dr. Michael Veith, führt Tierschutzkontrollen durch.
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