Eine ausgebaute Toilette steht in einem Garten.
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Im Allgäu rüstet eine junge Freundesgruppe einen Hof auf Trockentrenntoiletten um.
Bildrechte: BR/Julia Rupprich
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Im Allgäu rüstet eine junge Freundesgruppe einen Hof auf Trockentrenntoiletten um.

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Toilette ohne Wasser? Wie das funktionieren kann

Toilette ohne Wasser? Wie das funktionieren kann

Im Allgäu stellt eine Gruppe junger Menschen einen Hof auf Trockentrenntoiletten um – und wollen aus ihren Ausscheidungen Dünger herstellen. Könnte das die Zukunft sein?

Über dieses Thema berichtet: UNKRAUT am .

Zoe Holzmann und Franz Sigl haben keine Lust mehr auf klassische Wassertoiletten. "Dann kommt hier Trinkwasser raus", sagt Franz Sigl in der Gästetoilette. "Und dann spülst du halt pro Haufen, oder auch nur wenn du pinkeln gehst, literweise Wasser runter. Ganz schöne Verschwendung eigentlich."

Für ihre WG mit bis zu acht Leuten, die sie hier auf einem alten Hof bei Aitrang im Allgäu gründen wollen, wollen sie auf Trockentrenntoiletten umstellen. Das bedeutet, dass der Urin abgeleitet wird und der Kot in einem extra Behälter landet. Für den Klogang braucht es kein Wasser mehr.

Nachfrage nach Trockentrenntoiletten ist da

Dieser Umstand macht Trockentrenntoiletten in vielen Bereichen interessant – Berghütten stellen vermehrt darauf um, denn wegen des wenigen Schnees im Winter sitzen die Hütten im Sommer oft auf dem Trockenen. In der Campingszene sind sie ohnehin schon verbreitet und manche Kommunen setzen bei öffentlichen Toiletten auf Modelle ohne Wasserspülung, weil sie überall aufgestellt werden können. Leipzig beispielsweise will das Angebot in diese Richtung auch weiter ausbauen.

Der Inhalt der Trockentrenntoiletten landet dann im Restmüll, wird also verbrannt. Franz und Zoe würden aber gern noch einen Schritt weitergehen. "Wir finden es cool, unsere Ausscheidungen weiterzuverwenden", sagt Franz. Sie würden gern den Kreislauf schließen, so nennen sie es.

Kot steckt voller Nährstoffe

Damit meint Franz, dass in menschlichem Kot wichtige Nährstoffe stecken. Über die Nahrung nimmt der Mensch beispielsweise Stickstoff oder Phosphor auf – beides wichtige Düngerbestandteile in der Landwirtschaft.

Deswegen wurde Klärschlamm früher auch einfach auf dem Feld ausgebracht. Mittlerweile wird das nur noch wenig gemacht, da in Klärschlamm auch Industriechemikalien und Schwermetalle stecken, die sich nicht im Erdreich anreichern sollten.

Der Inhalt der Trockentrenntoilette auf dem Allgäuer Hof soll weiterverwertet werden – durch Kompostierung soll Dünger daraus entstehen.

Franz arbeitet neben seinem Studium bei Finizio, einem der Vorreiter in Deutschland im Trockentrenntoilettengeschäft. In Eberswalde in Brandenburg betreibt die Firma eine Kompostierungsanlage für menschlichen Kot.

Kot zu Dünger kompostieren

Gemischt mit Stroh werden die Fäkalien in einem sogenannten Hygienisierungscontainer so weit erhitzt, dass Krankheitserreger absterben. Danach wird der Inhalt mit Grünschnitt und anderen Materialien als Kompost aufgesetzt und immer wieder gewendet. So entsteht ein Dünger, der ihren Tests nach, zusammen mit aufbereitetem Urin, ähnliche Düngeeigenschaften hat wie Mineraldünger.

Herkömmlicher Dünger beinhaltet oft in Marokko oder Russland abgebauten Phosphor – der ist zum einen endlich, zum anderen oft verunreinigt. Um unabhängiger von Importen zu werden, sollen größere Kläranlagen ab 2029 Phosphor aus Klärschlamm zurückgewinnen.

Politische Situation

Bei Finizio arbeiten sie an der gleichen Idee, aber ohne einen großtechnischen Rückgewinnungsprozess. Das Problem aus ihrer Sicht: Bisher ist es in Deutschland nicht zugelassen, menschliche Fäkalien auf Feldern auszubringen, da es Bedenken wegen Krankheitserregern gibt. Deswegen darf der hergestellte Dünger nur auf einem Testfeld ausgebracht werden, im Rahmen eines wissenschaftlich begleiteten Pilotprojekts.

Finizio verweist auf Studien die zeigen, dass der Dünger alle nötigen Grenzwerte einhält. Doch sowohl das Bundeslandwirtschaftsministerium, als auch das Bundesumweltministerium schreiben auf Anfrage darauf, dass es noch offene Fragen gebe.

Franz und Zoe hoffen, dass sich die politische Lage ändern wird – sie würden irgendwann gern eine Kompostierungsanlage für Süddeutschland betreiben.

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