Jan Krögerrecklenfort und Melanie Kuhn haben das Vanlife – also das ständige Leben in einem Wohnmobil – probiert. Und es dann wieder gelassen. "Es ist nicht so romantisch, wie man sich das vorstellt", erzählt der 38‑Jährige. Zusammen mit seinem kleinen Sohn stapelt er Brennholz in einer Feuerschale. Sie wollen Stockbrot machen, in ihrem eigenen Garten in Massing in Niederbayern. Hier hat sich Jan mit seiner Familie in einem gemütlichen Holzhaus niedergelassen. Das große Zelt im Garten und der ältere Nissan Terrano mit Dachzelt zeugen von seiner Liebe zum Outdoor-Leben – das, was ihn eigentlich erst zum Vanlife gebracht hat.
Van gebaut, Wohnung gekündigt
Wenn er erzählt, hört man raus, dass er auch heute noch seinen Gefallen daran hat: Angespornt von einem Kumpel hatte er sich einen alten T4‑Bus zu einer fahrenden Wohnung umgebaut. Damit stand er dann in seiner alten Heimat in Baden-Württemberg mal auf Parkplätzen, mal am Straßenrand – und wenn er Lust hatte, immer dort, wo andere Urlaub machen. Diese Freiheit, die eigene Wohnung immer dabei zu haben, war für ihn der Reiz am Vanlife. "Die Reise selber im Van ist richtig cool. Man bekommt dann so ein Gefühl von 'Ich will das immer haben im Alltag'", sagt er.
Später, während der Corona-Pandemie, baut er sich einen Kleintransporter zu einem neuen Wohnmobil um. Tausend Stunden Arbeitszeit und 50.000 Euro steckt er in das Projekt, das er größtenteils alleine umsetzt. Den Fortschritt dokumentiert er auf seinem YouTube-Kanal.
Mit seiner neuen Freundin Melanie Kuhn unternimmt er dann viele Reisen – und als die beiden dann ein Kind bekommen, reisen sie in ihrer Elternzeit monatelang durch Südosteuropa, natürlich im Wohnmobil. "Irgendwann habe ich mich so erwischt, wie ich so rausgezoomt habe. Da lagen wir in Griechenland am Strand. Da habe ich mir gedacht, wir leben echt so einen klischeehaften Vanlife-Traum. Das war schon richtig schön”, erzählt Melanie Kuhn.
Die Nachteile des Vanlife
Aber hier zeigen sich dann auch die Schattenseiten: Das Leben in einem ausgebauten Camper wird nach ein paar Monaten mit Baby kompliziert. Alltägliches Ressourcenmanagement ist angesagt: Wo gibt es Wasser, wo gibt es Schatten, wo stellen wir das Wohnmobil hin? "Wir waren der Natur auch zeitweise sehr ausgeliefert", erzählt Melanie Kuhn.
Keine genauen Zahlen
In Deutschland leben immer mehr Menschen zumindest zeitweise in einem Wohnmobil, sagt der Caravaning-Industrie-Verband. Vor allem Rentner, aber auch jüngere Menschen, die von unterwegs arbeiten können. Genaue Zahlen gibt es aber nicht. Was man aber sagen kann: Die Zulassungszahlen für Wohnwagen und Wohnmobile sind stark gestiegen. In Deutschland waren 2026 insgesamt 1.046.383 Reisemobile und 786.212 Caravans zugelassen. Zum Vergleich: 2015 waren es noch 392.003 Reisemobile und 606.161 Caravans. In Bayern sind 191.169 Reisemobile und 117.113 Caravans zugelassen (Stichtag 01.01.2026). Damit liegt der Freistaat bundesweit auf Platz 2 – hinter NRW und vor Baden-Württemberg.
"Man muss sich trauen, den Schritt zu gehen"
Melanie und Martin Ebert sind noch voll im Vanlife: Vor drei Jahren haben sie ihr Haus im oberfränkischen Hallerndorf verkauft. Um sich für etwa 280.000 Euro ein Luxus-Wohnmobil zu kaufen, in dem sie jetzt leben. Bei ihnen sind die Lebensumstände anders als bei Jan und Melanie: Sie haben keine Kinder und können von unterwegs aus arbeiten. Melanie Ebert ist Coach und Autorin, Martin Ebert ist Berater. Da reichen auch die knapp 15 Quadratmeter, die ihr knapp 9 Meter langes Wohnmobil bietet.
Trotzdem müssen sie auch verzichten – denn all das, was in ihr Einfamilienhaus gepasst hat, konnten sie natürlich nicht mitnehmen. "Man muss sich trauen, den Schritt zu gehen. Man muss loslassen können. Was mich jetzt am glücklichsten macht: die Leichtigkeit. Am Anfang war schon schwer die Sachen loszulassen. Aber jetzt: Du hast nichts mehr, was dich bindet", erzählt Martin Ebert. Genau diese Freiheit schätzen die beiden. Ans Aufhören denken die beiden deshalb noch lange nicht.
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