In Deutschland gibt es immer weniger Bierbrauereien: Im Jahr 2025 waren es laut neuen Zahlen des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden noch 1.415 – 53 weniger als im Vorjahr. Heruntergebrochen auf Bayern haben binnen eines Jahres 13 Brauereien den Betrieb eingestellt.
Anhaltender Abwärtstrend
Ein Bierland bleibt Bayern mit seinen jetzt 588 Braustätten zwar immer noch – auf den weiteren Plätzen folgen Baden-Württemberg mit 190 und Nordrhein-Westfalen mit 131. Doch die Entwicklung bereitet den Brauern Kopfzerbrechen. Bilden die neuen Zahlen doch einen längerfristigen Trend ab: 2019 hatte Bayern noch 60 Brauereien mehr, und auch damals war schon vom Brauereisterben die Rede. Die Statistiker führen die Entwicklung vor allem auf den geringeren Bierdurst zurück, der im Vergleich zu 2019 um 15,7 Prozent zurückging.
Existenzkämpfe hinter Erding und in Kaufbeuren
Zum Glück noch nicht in der "Todeszahl 13" enthalten sind die vielen, oft traditionsreichen und von Kennern hochgeschätzten Brauereien, die derzeit ums Überleben kämpfen. So wie der "Bräu z´Loh" nahe Dorfen im Landkreis Erding. Inhaberin Barbara Lohmeier fürchtet, dass der kleine Bräu seinen "Hundertsten" in zwei Jahren nicht mehr feiern kann, wie sie vor einiger Zeit im Rahmen der Münchner Runde erzählte. Sollte der alte Braukessel den Geist aufgeben und ein 80.000 Euro teurer neuer angeschafft werden müssen, wäre man wohl nicht mehr flüssig.
Noch tiefer im Existenzkampf steckt die Aktienbrauerei Kaufbeuren mit ihren 74 Mitarbeitern und über 700 Jahren Brautradition. Sie musste im Juni Insolvenz beantragen und nun – bei unverändert weiterlaufendem Betrieb – Immobilien veräußern und Investoren suchen.
Video: Münchner Runde - Familienbetrieb kämpft ums Überleben
Münchner Runde vom 22.05.2026: Was wird aus dem "Bräu z´Loh" bei Dorfen?
Demografischer Wandel: Wenn Biertrinker in Rente gehen
Die Ursachen für den sinkenden Absatz sind vielfältig – vom Wirtshaussterben auf dem Land über gestiegene Lohn- und Rohstoffkosten bei gleichzeitig preisbewussteren Konsumenten bis hin zu lokalen Besonderheiten. Der wichtigste Grund indes: der demografische Wandel.
Die vergleichsweise trinkfreudige Generation der in der Nachkriegszeit aufgewachsenen "Babyboomer" ist inzwischen in einem Alter, in dem viele bedachtsamer konsumieren. Die Jungen wiederum sprechen dem Bayerngold von Haus aus weniger zu.
Und das ist nicht nur der gewachsenen Konkurrenz durch wechselnde "Trendgetränke" wie etwa Alcopops zuzuschreiben. Während in den 1970er-Jahren noch 85 Prozent der jungen Männer zu den regelmäßigen Alkoholkonsumenten zählten, sind es heute nur noch 39 Prozent, so der Bayerische Brauerbund. Bei Frauen liegen die Zahlen noch einmal darunter.
Immerhin: Der Markt für Alkoholfreies schäumt
Was Gesundheitspolitiker freut, ist für die Brauwirtschaft ein Problem. Zwar entwickelte sich das Geschäft mit alkoholfreiem Bier 2025 ordentlich: Bayerns Brauer produzierten im vergangenen Jahr 2,5 Millionen Hektoliter, ein Plus von elfeinhalb Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch die Umsatzeinbrüche im Kerngeschäft kann das in der Regel nicht ausgleichen. Und ob der heiße Sommer 2026 die Nachfrage entscheidend steigern kann, bleibt abzuwarten. Die Bier-Bilanz der Fußball-WM liegt noch nicht vor - dürfte aber wegen des frühen Ausscheidens der deutschen Nationalmannschaft nicht besonders üppig ausgefallen sein.
Zwei Münchner Erfolgsgeschichten
Hopfen und Malz verloren also? Zum Glück gibt es im Brauwesen auch immer wieder erfolgreiche Neugründungen. In München feierten Ende Juli gleich zwei junge Brauereien einen runden Geburtstag: das Haderner Bräu und das Giesinger Bräu.
Die Haderner, als Familienbetrieb gegründet 2016, dürfen für sich in Anspruch nehmen, die erste zertifizierte Bio-Brauerei Münchens zu sein. Und sie brauen – bisher erfolgreich – an geschichtsträchtigem Ort, nämlich im Haderner Stürzerhof – dem Geburtsort des legendären Brauereigründers Joseph Pschorr.
Noch etwas bekannter ist das Giesinger Bräu, das bereits seit 20 Jahren braut – anfangs in einer Untergiesinger Doppelgarage, inzwischen in zwei Werken in Giesing und Milbertshofen. Demnächst wollen sich die selbstbewussten Nachwuchsbrauer sogar einen Zeltplatz auf dem Oktoberfest sichern – per Bürgerentscheid.
Die leichte Nervosität, die diese und andere Nachrichten bei den alteingesessenen Brauern hervorgerufen haben, zeigt freilich, dass nicht alles, was golden im Glas schimmert, noch ein dauerhaft glänzendes Geschäft ist.
Video: Der älteste Brauerlehrling Bayerns
Lebenslinien
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