Kontrovers – Die Story · Tränen, Tanzen, Tod · Alltag im Pflegeheim
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Nurys Ventura Ovalle im Gang eines Pflegeheims
Bildrechte: BR/Thaisa Osmani; Montage: BR
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Nurys Ventura Ovalle im Gang eines Pflegeheims

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Tränen, Tanzen, Tod – Alltag im Pflegeheim

Tränen, Tanzen, Tod – Alltag im Pflegeheim

Zwischen Demenz, schwerer Arbeit, Nähe und Tod: Was bedeutet Pflege wirklich? Kontrovers – Die Story begleitet eine Pflegerin und eine Betreuerin im Pflegeheim.

Über dieses Thema berichtet: Kontrovers am .

Wenn Nurys Ventura Ovalle morgens ihre Schicht beginnt, wird sie direkt dringend gebraucht. Die 46-Jährige ist Pflegefachhelferin im Caritas Altenheim Maria Eich in Krailling und arbeitet im Demenzbereich. Vorsichtig klopft sie an die Türen, bevor sie die Zimmer betritt. "Guten Morgen. Die Nurys ist da. Haben Sie gut geschlafen?" Sie hilft den Bewohnern beim Aufstehen, Anziehen, Haare kämmen. Manche müssen gewaschen werden, andere brauchen Hilfe beim Toilettengang. "Das geht auf die Knochen", erzählt sie.

Pflegerin: "Ich habe gedacht: Ich schaffe das nie"

Ventura Ovalle arbeitet seit 2024 im Altenheim der Caritas. Den Job habe sie ursprünglich mal angefangen, weil sie Geld brauchte. Die ersten Einblicke in die Branche waren hart. "Ich habe gedacht: Ich schaffe das nie", erinnert sie sich. Körperliche Arbeit, Überlastung, Personalmangel, die Nähe zum Tod – all das gehört zum Berufsalltag. "Aber plötzlich war ich da und nach einem halben Jahr konnte ich mir nichts Anderes vorstellen." Mittlerweile sieht sie in dem Job eine Art Berufung. "Menschlichkeit kann einem keine Schule beibringen. Das ist entweder angeboren oder nicht", sagt sie.

2049 könnten bis zu 690.000 Pflegekräfte fehlen

Der Bedarf an Arbeitskräften wie Nurys Ventura Ovalle steigt. Denn der Fachkräftemangel in der deutschen Pflege spitzt sich immer weiter zu – laut dem Statistischen Bundesamt könnten bis 2049 zwischen 280.000 und 690.000 Pflegekräfte fehlen. Aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeichnen schon jetzt das Bild einer angespannten Lage: Im Jahresdurchschnitt von 2024 waren dort rund 31.000 offene Stellen im Pflegebereich gemeldet.

Im Video: Tränen, Tanzen, Tod: Alltag im Pflegeheim

Alltagsbegleiterin fördert Senioren durch soziale Aktivitäten

Im Caritas Altenheim Maria Eich gibt es Platz für 163 Bewohnerinnen und Bewohner. Viele von ihnen brauchen nicht nur körperliche Pflege, sondern auch soziale Betreuung. Angela di Falco Curabba arbeitet seit 2020 als Alltagsbegleiterin in der Einrichtung. Mal tanzt sie mit den Bewohnern, mal spielt sie mit ihnen Spiele, die das Erinnerungsvermögen fördern sollen.

"Die Pflege ist fürs Körperliche da. Die haben keine Zeit, zu bleiben und mit den Bewohnern zu reden, wenn sie traurig sind." Alltagsbegleiterinnen seien für den Seelengeist da, sagt sie. "Ich glaube, man muss es echt mögen, diesen Job zu machen. Nur für Geld hätte das keinen Sinn."

"Dann bekomme ich so ein Lächeln und diese Dankbarkeit zurück"

Wenn man di Falco Curabba beim Umgang mit den teils Demenzkranken beobachtet, versteht man, wie sie das meint. Immer wieder gelingt es ihr, eine schöne Erinnerung aus dem Gedächtnis der Bewohnerinnen und Bewohner zu locken. Mal erzählen sie eine emotionale Geschichte, mal kommt plötzlich ein Scherz. Die Alltagsbegleiterin reagiert jedes Mal, als würde sie all das zum ersten Mal hören. "Dann bekomme ich so ein Lächeln und diese Dankbarkeit zurück und das gefällt mir", sagt sie. "Das tut auch mir ganz gut."

Hektik, Verweigerung, ein körperlicher Übergriff: "Nicht nur Gutes"

Doch das Reporterteam von Kontrovers – Die Story hat auch die harte Seite des Pflegealltags eingefangen. Immer wieder verweigern Bewohner das Essen, manche sind kaum noch ansprechbar, oftmals geht es hektisch zu. "Demenz kostet immer viel Kraft. Wir müssen anders umgehen mit diesen Menschen", sagt Pflegefachhelferin Nurys Ventura Ovalle. Sie erinnert sich daran, wie ein Bewohner sie mal geschlagen habe. "Der war Boxer und hat mich getroffen, so richtig hier", erzählt sie und deutet auf ihren Brustkorb. Trotz solcher Vorfälle hat Ventura Ovalle keinen Zweifel daran, dass sie den richtigen Beruf für sich gefunden hat.

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