Wie sehr die Situation auf dem Wohnungsmarkt Menschen zu schaffen macht, zeigt sich inzwischen auch bei Demonstrationen: Vor wenigen Monaten sind Tausende in München auf die Straße gegangen – unter dem Motto "Uns glangt's". Zentrale Forderung: mehr bezahlbare Wohnungen. Doch der Trend geht nach wie vor in eine andere Richtung. Das geht aus Zahlen der Bundesregierung hervor, die BR24 exklusiv vorliegen.
Neuvermietungen: Vier Prozent mehr pro Jahr
Demnach mussten Menschen auf Wohnungssuche in Bayern in den vergangenen zehn Jahren immer höhere Angebotsmieten hinnehmen. Diese stiegen pro Jahr im Schnitt um 4,3 Prozent – Neubau und Bestand zusammengenommen. Gemeint sind Mieten ohne Nebenkosten, wie sie in Online-Inseraten von mehr als 120 Immobilienportalen und Zeitungen aufgerufen werden. Andere Angebote etwa auf Wartelisten von Wohnungsunternehmen oder Maklern blieben unberücksichtigt – offenbar aus Praktikabilitätsgründen.
Der höchste Durchschnittspreis pro Quadratmeter bei Online-Inseraten war mit mehr als 21 Euro im vergangenen Jahr in der Stadt München fällig, gefolgt vom Landkreis München. Dort belief sich der Wert auf über 19 Euro. Auf Platz drei: der Kreis Starnberg mit fast 18 Euro pro Quadratmeter bei online inserierten Neuvermietungen. Auch die restlichen Kommunen auf der Top-10-Liste mit den höchsten Quadratmeterpreisen liegen in Oberbayern.
Linke sieht "handfeste Wohnungskrise"
Die Münchner Linken-Abgeordnete Nicole Gohlke hat die Daten bei der Bundesregierung angefragt. Sie sieht darin den Beleg für eine "handfeste Wohnungskrise". Dies sei "längst kein normaler Mietenanstieg mehr". Zudem müssten nicht nur Menschen in München "so extrem hohe Mieten zahlen", sondern auch anderswo in Bayern.
Tatsächlich wurde der stärkste Anstieg bei Neuvermietungen zuletzt für den Landkreis Bamberg verzeichnet. Hier legten die Angebotsmieten innerhalb eines Jahres um rund 25 Prozent zu – auf mehr als zwölf Euro pro Quadratmeter. Das zweitgrößte Plus war 2025 im Unterallgäu zu beobachten. Hier lag es bei über zehn Prozent. Den dritten Platz belegt die Stadt Fürth mit einem Anstieg von 9,7 Prozent.
Bundesregierung verweist auf Bau-Turbo und Mietpreisbremse
Die Linke spricht angesichts dieser Zahlen von politischem Versagen. Die Oppositionspartei fordert einen Mietendeckel und mehr Geld für sozialen Wohnungsbau. Dagegen zählt die Bundesregierung auf, was sie bereits angestoßen hat: Mit dem sogenannten Bau-Turbo will Schwarz-Rot Neubauten erleichtern. Die beschlossene Verlängerung der Mietpreisbremse zielt darauf ab, dass auf besonders angespannten Wohnungsmärkten die Preise bei Neuvermietungen nicht durch die Decke gehen.
Und gerade erst brachte die Regierung ein Update fürs Baugesetzbuch auf den Weg – auch dies mit dem Ziel, Vorschriften zu vereinfachen. Außerdem gibt der Bund nach eigenen Angaben mehr Geld für den sozialen Wohnungsbau: vier Milliarden Euro allein in diesem Jahr.
BR24 auf YouTube: Mieten in Bayern steigen ungebremst
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