24.07.2026, Bayern, Penzberg: Ein Schild mit dem Hinweis auf das Freitagsgebet steht am Ortseingang. Penzberg ergänzt Gottesdienst-Tafel am Ortseingang um einen Hinweis auf das Freitagsgebet des islamischen Forums. Foto: Lukas Barth-Tuttas/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
24.07.2026, Bayern, Penzberg: Ein Schild mit dem Hinweis auf das Freitagsgebet steht am Ortseingang. Penzberg ergänzt Gottesdienst-Tafel am Ortseingang um einen Hinweis auf das Freitagsgebet des islamischen Forums. Foto: Lukas Barth-Tuttas/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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"Typisch Penzberg": Neues Schild zeigt Moschee-Gebetszeit

"Typisch Penzberg": Neues Schild zeigt Moschee-Gebetszeit

In Penzberg weist erstmals ein Schild auf das muslimische Freitagsgebet hin. Während das auf Social Media für Debatten sorgt und das Schild bereits mit Farbe besprüht wurde, sehen viele Menschen vor Ort darin vor allem eines: alltägliche Vielfalt.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Am Ortseingang von Penzberg steht seit dieser Woche ein neues Verkehrsschild. Neben den Gottesdienstzeiten der katholischen und evangelischen Kirche weist es nun auch auf das muslimische Freitagsgebet hin. Nach Angaben des Penzberger Imams Benjamin Idriz ist eine solche Kombination bundesweit bislang einmalig. Drei weitere Schilder sollen in den kommenden Wochen folgen. Die Idee entstand gemeinsam mit Vertretern aller drei Religionsgemeinschaften und der Stadt. Aus Sicht von Bürgermeister Thomas Kopf (Penzberg MITEINANDER) ist das vor allem eines: "Typisch Penzberg".

Zuerst sollten verblichene Hinweisschilder für Gottesdienste nur ersetzt werden

Eigentlich habe man nur die alten, verblichenen Hinweisschilder ersetzen wollen, erzählt Kopf. Im Gespräch mit den katholischen und evangelischen Pfarrern sowie Imam Benjamin Idriz sei dann noch unter seinem CSU-Vorgänger der Vorschlag entstanden, auch das muslimische Freitagsgebet aufzunehmen. Die Stadt organisierte Herstellung und Aufstellung der Schilder, bezahlt werden sie von den drei Glaubensgemeinschaften.

Für den Bürgermeister war die Entscheidung deshalb keine Grundsatzfrage. In Penzberg lebten Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religionen seit Jahren zusammen. "Hier leben Menschen aus vielen Nationen und dementsprechend kommen auch viele Kulturen zusammen. Die Glaubensgemeinschaften praktizieren ein gepflegtes Miteinander. Deshalb war das aus meiner Sicht keine große Sache." Auch der katholische Pfarrer Bernhard Holz spricht von einer Selbstverständlichkeit. Für ihn und seinen evangelischen Kollegen sei es "keine Frage" gewesen, den Hinweis auf das Freitagsgebet mit aufzunehmen. Es sei kein Diskussionspunkt, sondern lediglich eine Frage der Umsetzung gewesen.

Im Schild für das Freitagsgebet sehen viele eine Gleichbehandlung

Dieser Eindruck spiegelt sich auch in Gesprächen mit Menschen in Penzberg wider. Viele begründen ihre Zustimmung mit Gleichbehandlung und Religionsfreiheit. "Warum sollte man die Moschee ausschließen?", sagt ein Passant gegenüber BR24. Eine andere Frau fasst ihre Haltung knapp zusammen: "Es ist ein Miteinander." Andere verweisen darauf, dass die Moschee längst zur Stadt gehöre und seit Jahren Teil des öffentlichen Lebens sei. Gleichzeitig kritisieren manche, dass so etwas in islamisch geprägten Ländern nicht möglich sei. Mehrere Befragte berichten zudem, dass ihnen das neue Schild zunächst gar nicht aufgefallen sei.

Imam Benjamin Idriz sieht das Schild vor allem als Einladung. Das Freitagsgebet und die Predigt fänden auf Deutsch statt und stünden allen Interessierten offen. Das neue Schild sei für ihn "ein Zeichen der Wertschätzung, der Gleichbehandlung der Religionsgemeinschaften und der gelebten Religionsfreiheit". Gerade in einer Zeit, in der Vorurteile, Hass und Polarisierung zunähmen, sende ein solches sichtbares Zeichen die Botschaft, "dass Menschen unterschiedlichen Glaubens selbstverständlich zu unserer Gesellschaft gehören und einander mit Respekt begegnen". Gerade Menschen mit Vorbehalten wolle man ermutigen, die Moschee kennenzulernen. Begegnungen bauten Ängste besser ab als Debatten.

Debatte im Netz deutlich kontroverser – Schild besprüht

Anders als in Penzberg selbst verläuft die Diskussion in den sozialen Medien. Dort wird das neue Schild überwiegend als Zeichen eines respektvollen Miteinanders begrüßt, teils aber auch kritisch gesehen. Einige Posts sind dezidiert islam- und muslimfeindlich. Manche Nutzer äußern Sorgen vor einer vermeintlichen Islamisierung oder verweisen auf die christliche Prägung Deutschlands. Andere fragen, ob dann nicht auch weitere Religionsgemeinschaften auf den Schildern vertreten sein müssten oder lehnen Hinweistafeln für Gottesdienste grundsätzlich ab.

Auch die Stadt bekam diese Debatte zu spüren. Den Facebook-Beitrag zum neuen Schild ließ sie zunächst online, deaktivierte später aber die Kommentarfunktion. Bürgermeister Kopf hat den Eindruck, dass viele kritische Stimmen gar nicht aus Penzberg stammen. "Ich kann nur jeden einladen: Kommen Sie nach Penzberg und erleben Sie selbst, wie unkompliziert das Zusammenleben vieler Kulturen und Religionen hier funktioniert."

In der Nacht auf Samstag wurde eines der neuen Hinweisschilder nun mit Farbe besprüht. Das bestätigte Imam Idriz BR24. "Es macht traurig. Nicht wegen der Farbe auf dem Schild, sondern weil Hass offenbar immer noch manche Herzen erreicht", so Idriz. Wer hinter der Schmiererei steckt, ist bislang nicht bekannt.

In der Nacht auf Samstag wurde das Schild mit den Zeiten für das Freitagsgebet beschmiert.
Bildrechte: Penzberger Moschee
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In der Nacht auf Samstag wurde das Schild mit den Zeiten für das Freitagsgebet beschmiert.

Ein Schild, das den Alltag in Penzberg widerspiegelt

Dass heute auch muslimische Gemeinden auf Gottesdiensttafeln an Ortseingängen hinweisen dürfen, ist rechtlich noch gar nicht so lange möglich. Während solche Schilder seit 1960 für die katholische und evangelische Kirche vorgesehen waren, weitete das Bundesverkehrsministerium die Regelung erst 2008 auf alle Religionsgemeinschaften aus.

Ob das Penzberger Beispiel Schule macht, ist offen. Für Pfarrer Bernhard Holz wäre das Entscheidende ohnehin etwas anderes: Menschen sollten miteinander ins Gespräch kommen. Wer das Zusammenleben in Penzberg erlebe, merke schnell, dass katholisch, evangelisch und muslimisch sich dort nicht ausschließen, sondern zur Stadt gehören.

Mit Informationen von dpa, KNA und epd

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