Der Tag danach im Regensburger Westen: Zahlreiche Menschen sind zur Bankfiliale gekommen, um ihr Mitgefühl mit dem getöteten Bankmitarbeiter auszudrücken. Am Donnerstagnachmittag war der Mann mutmaßlich von einem später festgenommenen 20-jährigen Deutschen niedergestochen worden. Das Opfer sowie ein Ehepaar mit Kleinkind und ein Kundenberater konnten sich mit Hilfe von Polizeikräften nach draußen retten. Der Schwerverletzte wurde von Rettungskräften versorgt. Im Krankenhaus starb er aber an seinen Verletzungen.
Spuren von Gewalt in der Bank-Filiale – Trauer und Schock über Tat
Beim Blick in das Büro, wo der Angriff wohl stattgefunden haben soll, sieht man immer noch eine braune Ledertasche auf dem Boden stehen. Eine Sichtschutzwand ist sichtlich demoliert, eine Aluminiumjalousie hängt schief.
Die Menschen, die hier Kerzen anzünden und trauern, sind schockiert von der Tat. Eine Frau, die Blumen niederlegt, findet es unvorstellbar, dass so etwas in Regensburg passiere. "Ein unschuldiger Mensch, der nichts dafür kann", sagt sie. Als es passiert sei, sei sie ganz in der Nähe mit Kindern auf einem Spielplatz gewesen. "Da bekommt man doch schon ein bisschen Angst."
Auch weitere Personen, die am Tag danach am Rennplatz unterwegs sind, zum Einkaufen oder zu einem Arzttermin, berührt das Geschehene: "Furchtbar, man hat keine Worte", formuliert eine Passantin. "Ich war fix und fertig gestern, wie ich das gehört habe", berichtet ein Mann.
Drei Stunden im Laden ausgeharrt
Hautnah miterlebt hat gestern Savas Olucak den Polizeieinsatz am Rennplatz in Regensburg. Er betreibt seit 13 Monaten einen Spielwarenladen im selben Gebäudekomplex. Kurz nach 15 Uhr sieht er Polizisten, die ihre Waffen auf die Bankfiliale richten. Die Beamten bitten ihn, seine Kunden nach Hause zu schicken. Er selbst bleibt im Gebäude. Drei Stunden muss er im Laden ausharren. Er beschäftigt sich mit Regale-Umräumen, verfolgt die Geschehnisse im Radio.
"Traurig, dass jemand sterben musste"
Er habe gemischte Gefühle gehabt. "Angst war auch dabei", sagt er, da er die Erste-Hilfe-Maßnahmen für den später Verstorbenen miterlebt hatte und im Laufe des Abends auch vom Tod des Bankmitarbeiters erfahren hat. Freunde und Bekannte melden sich sorgenvoll und fragen, ob es ihm gut gehe. Dann am Abend gibt die Polizei Entwarnung und er kann das Geschäft verlassen. Heute muss er wieder aufsperren. Er sei einfach nur traurig, dass jemand sterben musste, sagt Olucak.
Der Tatverdächtige wurde am Freitag dem Haftrichter vorgeführt
Großaufgebot und Spezialkräfte
Nach der Gewalttat am Donnerstagnachmittag rückte die Polizei mit einem Großaufgebot an. Zunächst war auch von einer Geiselnahme oder einem Banküberfall die Rede. Letztlich stellte sich heraus, dass der Täter im Kundenbereich – offenbar gezielt – einen Mitarbeiter der Bank angegriffen und niedergestochen hatte. Danach flüchtete er in die hinteren Räume der Filiale. Er war mit einem Messer bewaffnet und hatte laut Polizei einen Zettel dabei, auf dem etwas von einem Überfall und einem Bankraub gestanden habe. Die Polizei ermittelt "wegen eines vollendeten Tötungsdelikts sowie des Verdachts eines Raubüberfalls".
Als die Einsatzkräfte eintrafen, sahen sie an einem Fenster der Bankfiliale den Schwerverletzten, das Ehepaar mit Kleinkind und den Kundenberater. Die Polizisten halfen der Gruppe, das Gebäude über das Fenster zu verlassen und kümmerten sich um das Opfer der Messerattacke. Zwei weitere Bankmitarbeiter hatten sich in einem Büro verschanzt. Sie hielten per Telefon und durch eine Glasscheibe Kontakt mit der Polizei.
Spezialeinsatzkräfte brachten die beiden Personen schließlich auch in Sicherheit. Gegen 18.00 Uhr führten Spezialkräfte den polizeibekannten Verdächtigen aus dem Gebäude. Die Bank bestätigte dem BR, dass es sich bei dem später verstorbenen Schwerverletzten um einen Mitarbeiter handle, und zeigte sich "zutiefst bestürzt".
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