Die Energiewende: In den Augen vieler Menschen wohl eine gute Sache. Damit der Strom nicht nur erzeugt wird, sondern auch transportiert und abgenommen werden kann, braucht es Umspannwerke. Viele Umspannwerke. Die Suche nach einem passenden Standort gestaltet sich – wie zwei Beispiele aus Franken zeigen – teils schwierig, teils pragmatisch.
Logistikprobleme kommen Umspannwerks-Gegnern "zu Hilfe"
Ein Umspannwerk auf 30 Hektar Fläche direkt neben ihrem Pferdehof? Für Tina Kirsch aus dem Karlstadter Ortsteil Gambach war das eine Horrorvorstellung. Sie fürchtete, dass Kundinnen und Kunden mit ihren Pferden in "schönere Ställe und schönere Gegenden" ausweichen. Bedenken gibt es auch darüber hinaus. In Gambach hat sich eine Bürgerinitiative gegründet. Mittlerweile sind die Umspannwerks-Pläne hier aber Geschichte.
Gescheitert sind sie nicht am Widerstand der Kritiker, sondern an der Logistik. Für den Transport der 70 Meter langen und 700 Tonnen schweren Transformatoren hätten Bäume gefällt und sogar ein Haus abgerissen werden müssen. "Das ist natürlich eine extrem hohe Hürde, die wir nach aktuellem Stand nicht überspringen werden", sagt Markus Lieberknecht, Sprecher des Netzbetreibers Tennet. Stattdessen soll nun westlich des Mains nach einem Standort für das Umspannwerk gesucht werden. Doch auch hier ist der Widerstand groß.
Forchheim: Schneller Bau, kaum Widerstände
"Für einen Nicht-Elektriker ist so ein Umspannwerk nicht gerade eine Augenweide", räumt der Forchheimer Stadtwerke-Geschäftsführer Christian Sponsel ein. Trotzdem sei die Akzeptanz hier "sehr groß" gewesen. Nach dem Spatenstich im Februar 2025 sind nun wesentliche Elemente des Umspannwerks fertiggestellt, hieß es am Montag bei einer Baustellenbesichtigung. Schalthaus, Mittelspannungstechnik und Hochspannungsteil seien fertig.
Ende des Jahres soll die Anlage komplett in Betrieb gehen. Auch naturschutzrechtliche Herausforderungen haben das Umspannwerk im Forchheimer Südwesten nicht gebremst: Knoblauchkröten wurden umgesiedelt und alternative Nistmöglichkeiten für Fledermäuse geschaffen.
Damit Strom nicht nur erzeugt wird, sondern auch transportiert und abgenommen werden kann, braucht es Umspannwerke.
Umweltminister Glauber appelliert für mehr Akzeptanz
Nicht nur mit Blick auf die geopolitische Lage und die Energiewende appelliert Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) für mehr Akzeptanz für Strom-Infrastrukturprojekte. Erneuerbare Energien würden dem Freistaat helfen, sich ein Stück weit unabhängiger zu machen von Öl- und Gasimporten, sagt Glauber. Der erneuerbare Strom – egal ob von Biogas- oder PV-Anlagen und Windrädern müsse ins Netz.
Lange habe man die Energiewende nur "vom Produktionsstandort her gedacht und weniger vom Verteilen". Da gelte es nun, einen "Gleichklang" wiederherzustellen, sagt der bayerische Umweltminister. Das ist aber offenbar eine Mammutaufgabe: Während das Bayernwerk als Verteilnetzbetreiber im vergangenen Jahr 15 Umspannwerke gebaut hat, brauche es bis zum Jahr 2030 etwa 250 weitere Anlagen im Freistaat, so Bayernwerk-Vorstand Egon Leo Westphal.
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