Bouldern bedeutet Klettern in Absprunghöhe, meist an Hallenwänden, und ist seit Jahren bei Kindern und Erwachsenen beliebt. Doch viele nutzen Boulderhallen wie einen Funpark und kennen weder Regeln noch Sicherheitsaspekte, beobachtet Torsten Silberhorn, Betriebsleiter der Kletterhalle des Alpenvereins Erlangen: "Deswegen gibt es jetzt den Indoor-Boulder-Check 1 und 2 für Menschen, die zum ersten Mal in eine Boulderhalle kommen, vor allem für Kinder und deren Eltern." Als Mitglied im DAV-Bundeslehrteam Sportklettern hat er an dem zweistufigen Konzept mitgearbeitet.
Kurse wichtig für Kinder und Erwachsene
Das Schulungsheft wurde Ende 2025 vom DAV offiziell vorgestellt. Nun sollen die Kurse in den nächsten Monaten bei den Alpenvereinssektionen angeboten werden, beispielsweise im oberfränkischen Bayreuth und im oberbayerischen Wasserburg.
Der Indoor-Boulder-Check 1 umfasst ungefähr eine Kursstunde und funktioniert, ähnlich wie eine Halleneinweisung, am besten beim ersten Besuch. Kinder bis zehn Jahre und deren Eltern lernen dabei unter anderem, wie wichtig es ist, den sogenannten Sturzraum freizuhalten. In dem Bereich, in dem jemand beim Bouldern herunterfallen kann, setzt sich niemand auf die Matte und haben auch Gegenstände nichts zu suchen.
Checkliste als Prüfung – mehr Sicherheit
Außerdem werden Eltern dafür sensibilisiert, wie sie die ersten Boulder-Schritte der Kleinen am sichersten begleiten können. Und dass es beispielsweise weniger verletzungsanfällig ist, wenn man die sogenannten Downclimber, also die Abstiegsgriffe, nutzt, statt von oben herunterzuspringen.
Der Indoor-Boulder-Check 2 richtet sich an Kinder ab 10 Jahren sowie an Erwachsene und geht über zwei mal zwei Kursstunden. Am Ende wird das Wissen getestet. "Dazu schauen die Prüfer den Teilnehmenden beim selbständigen Bouldern zu und achten anhand einer Checkliste darauf, dass alle Regeln eingehalten werden", erklärt Torsten Silberhorn.
Das Schulungsheft zum DAV-Boulderschein erklärt alles Wichtige für Boulder-Neulinge.
Teilnahme an den Kursen ist freiwillig
Die Absolventen erhalten einen Ausweis sowie eine ausführliche Broschüre mit den Inhalten der Ausbildung. Diese Boulderscheine sind laut DAV eine Aktion mit freiwilliger Teilnahme ohne rechtliche Konsequenzen, vergleichbar mit Sport-Leistungsabzeichen anderer Verbände.
Der DAV will mit dem neuen Angebot sowohl Verletzungen vorbeugen als auch für einen ungestörten Hallenbetrieb sorgen. Denn beim Bouldern passieren deutlich mehr Unfälle als beim Seilklettern. Viele verletzen sich beim Sturz auf die Matte oder überstrapazieren den Oberkörper, insbesondere die Schulter.
Unfälle beim Bouldern sollen mit Angebot verhindert werden
Als Fachverband zieht der DAV mit dem Kurs nun nach, was einige kommerzielle Boulderhallen bereits anbieten. So gibt es beispielsweise bei den Blockhelden im mittelfränkischen Bubenreuth das sogenannte Block-Pferdchen, in Anlehnung an das Seepferdchen beim Schwimmen, erklärt Kira Krischke: "Wir bieten damit eine Art Boulder-Führerschein mit einem Theorie- und Praxis-Teil an. So lernen beispielsweise die Kinder, wie sie sich im Boulderbereich der Erwachsenen richtig verhalten. Das hatte früher zu Problemen geführt und war auch gefährlich." Mittlerweile funktioniere das Miteinander dank des Block-Pferdchens sehr gut.
Über allem steht: Rücksicht nehmen auf andere und sich selber nicht gefährden. Die zehn- und elfjährigen Boulderinnen Emma, Lene und Jette haben den Kurs bei den Blockhelden schon absolviert und kennen sich nun bestens aus. Stolz zählen die Mädchen ihr Wissen auf, beispielsweise dass in einer Route immer nur eine Person bouldern darf, nicht zwei übereinander.
Darüber hinaus sind Einsteiger-Kurse, Fall-Schule und Techniktraining sinnvoll für alle, die ernsthaft mit Bouldern beginnen wollen. Das empfehlen auch die drei jungen Boulderinnen, denn sie wissen, wie viel Spaß dieser Sport alleine, mit Gleichgesinnten oder in einer Gruppe machen kann, und dass er den ganzen Körper fit hält.
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