Die junge Frau ist vermutlich von anderen auf der Skipiste geschnitten worden und gestürzt - ein Fall für die Skiwacht und die Polizei
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Skiwacht versorgt verletzte Snowboarderin am Fellhorn
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Skiwacht versorgt verletzte Snowboarderin am Fellhorn

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Unfallflucht auf der Skipiste - Polizei immer öfter im Einsatz

Unfallflucht auf der Skipiste - Polizei immer öfter im Einsatz

Es kann ganz schnell gehen auf der Skipiste: Man touchiert versehentlich andere oder fährt über deren Ski. Dann einfach weiterfahren, ohne sich um die Gestürzten zu kümmern, hat Folgen. In vielen Fällen kommt die Polizei ins Spiel.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Instagram am .

Ein Mann touchiert beim Skifahren ein kleines Kind und bleibt trotz Sturz des Kindes nicht stehen. Eine Frau fährt einem gestürzten Snowboarder mit Skiern über die Hand und kümmert sich nicht darum. Zwei Skifahrerinnen prallen zusammen, die eine bleibt verletzt liegen und wird mit dem Rettungshubschrauber in die Klinik geflogen – von der anderen fehlt jede Spur. Das sind nur drei von vielen Unfällen der vergangenen Tage. In allen dreien ermittelt die Polizei wegen Unfallflucht.

Internationale Verhaltensregeln für Skifahrer

Eine Art Straßenverkehrsordnung für die Skipiste gibt es zwar nicht, aber es gelten die FIS-Verhaltensregeln des internationalen Skiverbands (FIS). Und die sind nicht nur für die Polizei der Maßstab, sondern werden bei den Ermittlungen nach einem Unfall auch herangezogen, um das Verhalten der beteiligten Skifahrer zu beurteilen.

Es geht darin nicht nur um grundlegende Dinge wie gegenseitige Rücksichtnahme, und dass jeder auf Skiern oder Snowboard seinem Können entsprechend unterwegs sein sollte, also Geschwindigkeit und Fahrweise kontrollieren können muss. Es geht in den FIS-Regeln auch um Hilfeleistung und eine Ausweispflicht: So soll die Unfallstelle abgesichert und dem Verletzten geholfen werden. Außerdem sind Personalien auszutauschen oder anzugeben.

Unfälle oft wegen Überschätzung

Die Mitglieder der Skiwacht am Fellhorn im Allgäu berichten aus eigener Erfahrung, dass sich viele überschätzen und es deshalb zum Unfall kommt. Lenny Blackall ist sogar im Einsatz an einer Unfallstelle beinahe umgefahren worden: Ein Snowboarder habe nicht mehr rechtzeitig bremsen können und sei in die Absicherung gerauscht. Statt sich zu entschuldigen, habe er Blackall noch beschimpft und sei dann einfach weitergefahren.

Unfallbeteiligt, ohne es zu merken

Es kommt aber auch immer wieder vor, dass die Leute gar nicht bemerken, wenn sie in einen Unfall verwickelt sind. Weil sie womöglich andere geschnitten oder ihre Ski berührt haben und schon längst weiter sind, wenn der andere anschließend stürzt. Genauso erging es der 17-jährigen Josephine aus Sachsen, die an einem sonnigen Montag am Fellhorn die Hilfe der Skiwacht benötigte. Sie kann zudem die Skifahrerinnen, die sie mutmaßlich geschnitten hatten, gar nicht richtig beschreiben. Dennoch wird der Fall von Bergretter Sebastian Cato aufgenommen und an die Polizei gemeldet.

Auf Instagram: Unfallflucht auf der Skipiste wird zu einem wachsenden Problem

Ermittlungen der Alpinen Einsatzgruppe

Dann schalten sich die Beamten der Alpinen Einsatzgruppe (AEG) der Bayerischen Polizei ein. Bisher sind die Mitglieder der AEG nebenamtlich unterwegs, also eigentlich mit anderen Aufgaben betraut. In Oberbayern läuft jedoch noch bis Mitte des Jahres ein Pilotprojekt, in dem die Beamten der AEG hauptamtlich tätig sind.

Der Vorteil: Sie können sofort bei einer Unfallmeldung losfahren und sind schnell vor Ort. Das beschleunigt auch die Aufklärung. So konnte unter anderem ein 32-jähriger Snowboarder im Skigebiet am Spitzing gefasst werden, der zuvor eine 39-jährige Frau umgefahren und verletzt hatte. Die Fahndung sei sofort angelaufen und der Mann kurze Zeit später aufgegriffen worden, heißt es bei der Polizei.

Es drohen teils empfindliche Strafen

Für Unfallflucht auf der Piste droht in Bayern eine Geldstrafe. Ist jemand verletzt, wird wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt und das Strafgesetzbuch kommt ins Spiel.

Die klare Empfehlung der Skiwacht und der Polizei ist daher: Lieber langsamer und rücksichtsvoller fahren, als einen Unfall und weiteren Ärger zu riskieren. Dann haben auch alle Spaß auf der Piste.

Im Video: Pilotprojekt – Alpin-Polizei in den Skigebieten

In Oberbayern gibt es jetzt eine Pistenpolizei auf Probe.
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In Oberbayern gibt es jetzt eine Pistenpolizei auf Probe.

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