Eine Schneekanone steht vor einer Kunstschnee-Piste auf der eine Frau mit Kind fahren, daneben braun-grüne Wiesen.
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Fast schon weihnachtliche Tradition: Skifahren bei Tauwetter, wie hier am Tegelberg in den Ammergauer Alpen.
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Fast schon weihnachtliche Tradition: Skifahren bei Tauwetter, wie hier am Tegelberg in den Ammergauer Alpen.

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Skifahren mit Kunstschnee: Bayerns Alpen im Klimastress

Skifahren mit Kunstschnee: Bayerns Alpen im Klimastress

Ohne Schneekanonen läuft nichts mehr: Eine exklusive Analyse von BR Data zeigt, wie stark die Klimaerwärmung die Wintersportbedingungen in den Alpen verändert und warum besonders bayerische Skigebiete unter Druck geraten.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Minusgrade in der Nacht, brummende Schneekanonen am Morgen. Wenn es kalt genug ist, zählt im Skigebiet Fellhorn-Kanzelwand jede Stunde, denn Naturschnee ist längst keine verlässliche Größe mehr. Nur mit technisch erzeugtem Schnee könnten Gäste im Oberallgäu darauf vertrauen, auch rund um Weihnachten Ski fahren zu können. "Das ist für uns in der Hauptsaison wirklich die Lebensversicherung", sagt Henrik Volpert, Vorstand der Bergbahnen Oberstdorf-Kleinwalsertal.

Für eine effiziente Beschneiung brauche man heute etwa 70 bis 80 Stunden ausreichend kalte Temperaturen, erklärt Volpert. In diesem Winter half ein Kälteeinbruch Ende November, früh mit der Schneeproduktion zu beginnen. Nach dem milden, vorweihnachtlichen Wetter profitierte das Skigebiet im deutsch-österreichischen Grenzgebiet zum Saisonstart von diesen Reserven.

BR Data hat auf Basis von Klimaprojektionen des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) berechnet, wie sich die durchschnittliche winterliche Nullgradgrenze verändert. Zwischen 1961 und 1990 lag sie in den Alpen bei rund 1.100 Metern. Bei einer globalen Erwärmung von zwei Grad steigt sie auf etwa 1.500 Meter, bei drei Grad sogar auf rund 1.700 Meter. Den  Vereinten Nationen zufolge steuert die Erde bis zum Ende des Jahrhunderts auf eine Erwärmung von 2,8 Grad zu. 

Im Video: Skisaison - Bayerns Alpen im Klimastress

Skisaison: Bayerns Alpen im Klimastress
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Skisaison: Bayerns Alpen im Klimastress

Immer mehr Pisten unter der Nullgradgrenze

In Österreichs Skigebieten wird künftig voraussichtlich etwa die Hälfte der Pisten oberhalb der Nullgradgrenze liegen. Für die deutschen Skigebiete in den Alpen sind die Folgen bei einer Erderwärmung von drei Grad gravierender: Dann werden nur noch etwa zehn Prozent der Skipisten oberhalb der Nullgradgrenze liegen.

Die Nullgradgrenze ist ein langfristiger Durchschnittswert und nicht mit der Schneefallgrenze gleichzusetzen. Technische Beschneiung ist unter bestimmten Bedingungen auch bei Temperaturen über null Grad möglich und wird gezielt in kurzen Kältephasen genutzt.

Die BR-Datenanalyse zeigt: Auch wenn man nur von zwei Grad Temperaturanstieg ausgeht, steigt die Nullgradgrenze auf rund 1.500 Meter – und rückt damit im Skigebiet Fellhorn-Kanzelwand bedrohlich nahe an die Mittelstation heran.

Fellhorn: Pläne für neuen Speichersee

Mit Blick auf die künftige Klimaerwärmung erklärt Henrik Volpert, Vorstand der Bergbahnen Oberstdorf-Kleinwalsertal, dass das Gebiet Fellhorn-Kanzelwand nicht nur mit einem Skiangebot, sondern auch als Ganzjahresanbieter mit Wander- und Freizeitmöglichkeiten erfolgreich sein müsse. Für den Winter investiere man in moderne Beschneiungstechnik, die deutlich effizienter arbeite – Volpert zufolge eine "mehrgleisige" Strategie.

Um die Beschneiung künftig weiter zu verbessern, planen die Bergbahnen Oberstdorf-Kleinwalsertal den Bau eines neuen Speichersees: laut Planungsunterlagen mit einem Volumen von 170.000 Kubikmetern – das entspricht rund 68 Olympia-Schwimmbecken. Mit dem zusätzlichen Wassersspeicher könnte das Skigebiet in Kältephasen noch effizienter zu beschneien.

Simon Eisele vom Deutschen Alpenverein (DAV) hinterfragt die Nachhaltigkeit solcher Neubauprojekte, "weil die Energiekosten und baulichen Aufwendungen enorm hoch seien". Im Falle eines neuen Speicherbeckens stünde dies nicht mehr im Verhältnis zu den ökologischen Konsequenzen, die ein baulicher Eingriff in den Alpen mit sich bringe. Der Bauantrag für den Speicherteich soll 2026 beim Landratsamt Oberallgäu eingereicht werden, wie aus Unterlagen hervorgeht, die dem BR vorliegen.

Förderung für Beschneiungsanlagen fällt weg

Mit dem neuen Jahr ändert sich die staatliche Förderung für solche Anlagen. Ab Januar werden Schneekanonen nicht mehr über die Seilbahnförderung des Freistaats Bayern unterstützt. Bisher konnten Skigebiete unter bestimmten Bedingungen damit auch Beschneiungsanlagen fördern lassen, in der neuen Version der Förderrichtlinie fällt dies nun weg. Auf Anfrage begründet das zuständige bayerische Landwirtschaftsministerium die Entscheidung unter anderem damit, dass es in den vergangenen zwei Jahren keinen Antrag für Beschneiunganlagen über die Seilbahnförderung gegeben habe.

Die Branche sei einfach schon weiter gewesen als die Staatsregierung, kommentiert Christian Zwanziger, Tourismus-Sprecher der Grünen im Landtag. Es hätte Fördergelder für Investitionen gegeben, "die man privatwirtschaftlich betrachtet gar nicht mehr tätigen sollte", gerade angesichts der immer milderen Winter.

Andere Fördertöpfe bleiben

Staatliche Unterstützung für technische Beschneiung ist aber weiterhin über die bayerische Regionalförderung oder die Spitzensportförderung des Bundes möglich – bislang liegen dafür aber keine Anträge bei den zuständigen Ministerien vor. Das Landwirtschaftsministerium betont, der Einsatz von Schneekanonen könne "nach wie vor wirtschaftlich sinnvoll" sein.

Im Video: Warum Sölden weltweiten Pistenrekord will

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