Unter Tränen hatte er am ersten Prozesstag seine Reue bekundet und auf einen Neuanfang gehofft – heute nun wird der 40-jährige Ex-Bauhofmitarbeiter aus Kempten voraussichtlich das Urteil erhalten. Laut Gerichtssprecher Ferdinand Siebert sind keine weiteren Zeugen geladen. Die Plädoyers sollen noch am Vormittag gehalten werden, ein Urteil könnte im Anschluss fallen.
Mitarbeiter gelangte an Schlüssel für die Geldkassetten
Dem Mann und seiner 39-jährigen Frau, von der er inzwischen getrennt ist, wirft die Staatsanwaltschaft Kempten gewerbsmäßigen Diebstahl in über 800 Fällen vor. Beide hatten die Taten am ersten Prozesstag vollumfänglich gestanden. Mehr als 500 Fälle sind allerdings bereits verjährt. Für das Gericht relevant sind noch 335 Taten.
Als Mitarbeiter des städtischen Bauhofs war der 40-Jährige dafür zuständig, die Parkscheinautomaten zu leeren und zu warten. Auf bisher ungeklärte Weise gelangte er an einen Schlüssel für die Geldkassetten. Wenn er allein an den Automaten war, leerte er die Kassetten, füllte das Münzgeld in Säcke und entsorgte die Quittungen.
Luxusleben mit Pferden, Autos, Designer-Kleidung
Über zehn Jahre soll so ein Betrag von fast zwei Millionen Euro zusammengekommen sein. Laut Kriminalpolizei hat das Paar insgesamt 13 Tonnen Münzgeld zur Bank gebracht. Dort zahlte das Ehepaar das Geld ein oder tauschte es an Automaten in Supermärkten gegen Wertmarken. Wie die beiden vor Gericht zugaben, finanzierten sie mit dem gestohlenen Geld ihr luxuriöses Leben: Pferde, teure Autos und Designer-Kleidung. Sie hätten alles ausgegeben, erklärte der Angeklagte vor Gericht. Ob die Stadt Kempten das Geld zurückbekommt, ist fraglich.
Kollegen schildern vor Gericht laxe Kontrollen
Fraglich ist weiter, wie der Diebstahl aus den Parkscheinautomaten überhaupt möglich war. Ehemalige Kollegen des 40-Jährigen schilderten aber vor Gericht einen laxen Umgang mit Automatenschlüsseln und der Dokumentation der Leerungsvorgänge im Bauhof der Stadt. Zum Beispiel seien fortlaufende Nummern der Quittungen nicht erfasst worden.
Aufgeflogen war das Paar im November 2025, nachdem eine Bank wegen hoher Bargeldeinzahlungen den Verdacht der Geldwäsche gemeldet hatte. Seither sitzen beide in Untersuchungshaft. Den beiden Angeklagten drohen lange Haftstrafen.
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