Schon gestern sind in den größeren Städten Bayerns kaum Busse oder Trambahnen gefahren – heute geht der Warnstreik der Gewerkschaft Verdi weiter. Die Fahrgäste müssen sich bis zum Dienstende in der Nacht von Samstag auf Sonntag auf starke Einschränkungen einstellen. Kompletten Stillstand bedeutet der Streik aber nicht.
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U3/U6 in München verkehrt stark eingeschränkt
In München beispielsweise sind einzelne Verbindungen aktiv. Wie die Stadtwerke München mitteilten, verkehrt auf der Linie U3/U6 zwischen den Haltestellen Fürstenried West und Fröttmaning im Zehn-Minuten-Takt eine U-Bahn. Die Strecke gilt als wichtige Nord-Süd-Route durch die bayerische Landeshauptstadt. Auch die Tramlinien 20 und 25 werden demnach bedient, genauso wie die Linie 14 nach ihrer Inbetriebnahme am Mittag.
Ab der feierlichen Inbetriebnahme der Tram 14 auf dem ersten Teilstück der Trambahnwesttangente mit einem großen Bürgerfest gegen Mittag sind die Dienste der neuen Linie durch Fahrer besetzt, die sich im Vorfeld dafür bereit erklärt haben.
MVG hofft auf Entgegenkommen der Beschäftigten
"Wenn sich zusätzliche Fahrerinnen und Fahrer zum Dienst melden, wird der Betrieb bei U-Bahn und Tram gegebenenfalls auf zusätzliche Abschnitte und Linien ausgeweitet", heißt es in der Mitteilung der Stadtwerke. Bei den Bussen sind laut Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) die Hälfte der Fahrzeuge auf allen Linien im Einsatz. Zudem fahren die S-Bahnen erneut ganz regulär, da sie Teil der Deutschen Bahn sind und damit nicht bestreikt werden, ebenso wie die Regionalzüge und die Regionalbuslinien im Münchner Verkehrsverbund.
Betroffen von dem Warnstreik sind neben München auch die vier anderen größten bayerischen Städte Nürnberg, Augsburg, Regensburg und Ingolstadt. Zudem gibt es Behinderungen in Fürth, Bamberg, Passau, Landshut, Schwabach, Bayreuth, Schweinfurt und Dachau. In diesen Städten gibt es lediglich einen deutlich ausgedünnten Fahrplan.
Busse im Stundentakt in Nürnberg
In Nürnberg werden auf Basis des sogenannten "NightLiner-Netzes" seit dem Morgen um 05.00 Uhr insgesamt 16 Linien befahren. Die Busse würden stündlich vom Hauptbahnhof aus sternförmig in alle Richtungen fahren, heißt es von der Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg (VAG). Die letzten Fahrten ab dem Hauptbahnhof starten um 01.00 Uhr.
Zusätzlich fährt heute die Buslinie E U3 vom Hauptbahnhof über Plärrer und Rothenburger Straße bis zur Gustav-Adolf-Straße und über die genannten Haltestellen wieder zurück. Nach Jahresfahrplan sind die Buslinien 82 (Koppenhof – Reichelsdorf) und 83 (Koppenhof Wende – Katzwang Süd Wende) auf den Straßen im Einsatz. U-Bahnen und Straßenbahnen in Nürnberg sind nicht aktiv.
Augsburger Stadtwerke setzen unter anderem auf kostenlose Leihräder
Besonders knapp ist das ÖPNV-Angebot in Augsburg. Hier sind nach Angaben der Stadtwerke (swa) am Samstag erneut gar keine Fahrzeuge des kommunalen Betreibers ausgerückt. Lediglich einzelne, an private Unternehmen vergebene Busse sind unterwegs: die Linie 21 im Bärenkeller, die Linien 24/25 in Haunstetten sowie die Linie 38 in Göggingen, Inningen und Bergheim.
Die Stadtwerke weisen jedoch darauf hin, dass an den Streiktagen 940 swabi-Leihräder kostenlos per App zur Verfügung stehen. Auch swa Carsharing und das Ridesharing-Angebot swaxi können genutzt werden, letzteres bereits ab 9 Uhr.
Verdi fordert kürzere Arbeitszeiten und mehr Lohn in Bayern
Der aktuelle Warnstreik ist eine Reaktion auf die stockenden Tarifverhandlungen, die in allen 16 Bundesländern meist mit den Kommunalen Arbeitgeberverbänden geführt werden. Der Arbeitskampf erstreckt sich dabei über zahlreiche Städte im ganzen Bundesgebiet. Niedersachsen und Baden-Württemberg waren die einzigen beiden Bundesländer, die vom Warnstreik ausgenommen waren.
Die Gewerkschaft Verdi fordert insbesondere deutlich bessere Arbeitsbedingungen – etwa durch kürzere Wochenarbeitszeiten und Schichtzeiten, längere Ruhezeiten, aber auch durch höhere Zuschläge für Arbeit in der Nacht und am Wochenende. In Bayern wird zusätzlich über höhere Löhne und Gehälter verhandelt. Hier drängt Verdi für die etwa 9.000 Beschäftigten in mehr als 20 Unternehmen, für die der Tarifvertrag gilt, unter anderem auf eine Entgeltsteigerung um fast 670 Euro.
Morgen soll der Verkehr wieder normal rollen
Bisher kam es in den Verhandlungen zu keiner entscheidenden Annäherung. Die Arbeitgeber weisen die Forderung als nicht erfüllbar zurück. Der Warnstreik hatte bereits am Freitag zu einem deutlich eingeschränkten ÖPNV-Angebot geführt. Am Sonntag soll der öffentliche Personennahverkehr wieder wie gewohnt laufen.
Mit Informationen von dpa
Im Video: Verdi-Streik in Bayern
Auch heute ist der öffentliche Nahverkehr in vielen bayerischen Städten durch den Verdi-Warnstreik weitgehend lahmgelegt.
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