Symbolbild: Stau im Münchner Berufsverkehr
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Streik im Nahverkehr sorgt für längere Staus – auch in Bayern

Streik im Nahverkehr sorgt für längere Staus – auch in Bayern

Weil Busse und Bahnen bestreikt werden, steigen viele aufs Auto um. Im morgendlichen Berufsverkehr gab es deshalb teils deutlich längere Staus. Besonders langsam ging es unter anderem in Nürnberg, Augsburg und München voran.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Der Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr hat in den großen deutschen Städten zu starken Staus im morgendlichen Berufsverkehr geführt. Das zeigt eine Schnellauswertung des Verkehrsdatenspezialisten TomTom für die dpa. Die höchsten Belastungen traten dabei etwa von 8 bis 9 Uhr auf. 

Der höchste Wert der 29 untersuchten Städte wurde in Nürnberg gemessen. Dort stieg der Staulevel um 8 Uhr auf 84 Prozent – also fast das Dreifache des Jahresdurchschnitts für diese Uhrzeit. Der Staulevel gibt dabei an, wie viel länger eine durchschnittliche Fahrt im Vergleich zu einer Situation ohne Behinderungen durch anderen Verkehr dauert.

Spitzenwerte von Hamburg bis Augsburg

In Augsburg wurden um 8 Uhr 77 Prozent erreicht. Das war der zweithöchste Wert der 29 untersuchten Städte. Jahresschnitt um diese Uhrzeit sind dort 25 Prozent. Werte zwischen 71 und 73 Prozent meldeten um 8 Uhr auch Hamburg, Wiesbaden, Dresden und Leipzig. Das war überall mehr als doppelt so viel wie der Jahresschnitt 2025 zur selben Uhrzeit.

Spitzenwert in Berlin waren 66 Prozent um 8 Uhr – im Vergleich zum Normalwert von 26 Prozent. München kam um 8 Uhr auf 65 Prozent statt 27, Köln auf 60 statt 21 Prozent.

Warnstreiks in Bayern

In Bayern sind die fünf größten Städte München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg und Ingolstadt betroffen; zudem Fürth, Bamberg, Passau, Landshut, Schwabach, Bayreuth, Schweinfurt und Dachau. Die Aktionen sind Teil einer bundesweiten Aktion der Gewerkschaft Verdi in der aktuellen Tarifrunde, auch in den meisten anderen Bundesländern wird gestreikt. Verdi hatte dazu aufgerufen – bereits zum zweiten Mal in diesem Monat. Eine Lösung im Tarifkonflikt mit den kommunalen Arbeitgebern ist nicht in Sicht.

Im Video: Stillstand - Streik beim ÖPNV

Die Gewerkschaft Verdi macht am Freitag und Samstag auch in 13 bayerischen Städten wieder Druck mit Warnstreiks.
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Die Gewerkschaft Verdi macht am Freitag und Samstag auch in 13 bayerischen Städten wieder Druck mit Warnstreiks.

Busfahrer: Wenig Geld, aber mehr Stress

Viele haderten mit dem erneuten Streik, andere äußerten Zustimmung. So warb der Schweinfurter Busfahrer Jakob König um Verständnis: "Wir haben schon seit über einem Jahr keine Lohnerhöhung, und die Inflation steigt, aber wir bekommen davon nichts." Der 55-Jährige beklagte, dass der Stress, aber auch verbale Angriffe immer mehr zunähmen. Das bestätigt auch die unterfränkische Verdi-Beauftragte Michelle Rohleder. "Man merkt schon, dass die Stimmung aggressiver wird. Und wir wollen alle keine übermüdeten Busfahrer, die dann auch noch angegangen werden", so Rohleder.

Taxis in Nürnberg im Dauereinsatz

In Nürnberg war die Stimmung unter den Fahrgästen schlecht. Viele beklagten, dass Busse verspätet seien oder ausgefallen seien. Die Taxis waren im Dauereinsatz, an der Sammelstelle bildete sich zum Berufsverkehr eine lange Schlange. Die Nürnberger Messe hatte Servicepersonal zum Bahnhof geschickt, die die Besucher zu den messeeigenen Shuttles lotsten.

Kompletten Stillstand bedeutete der Streik aber nicht: Wie schon in den vorhergehenden Streiks sind S-Bahnen, Regionalbahnen und Regionalbusse nicht betroffen, da sie von anderen Unternehmen betrieben werden. Dies gilt häufig auch für einen Teil des Stadtbusnetzes – von Ort zu Ort aber in unterschiedlichem Maß. 

Verdi fordert mehr Geld und eine Reduzierung der Arbeitszeit

Verdi fordert für die etwa 9.000 Beschäftigten in mehr als 20 Unternehmen, für die der Tarifvertrag gilt, unter anderem eine Entgeltsteigerung um 668,75 Euro sowie eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit. Bisher kam es in den Verhandlungen zu keiner entscheidenden Annäherung. Die Arbeitgeber weisen die Forderung als nicht erfüllbar zurück. Die nächste Verhandlungsrunde steht am 9. März an.

Auch die Wirtschaft kritisierte die Warnstreiks zuletzt. So verwies die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft auf die Belastungen für Pendler und Betriebe. Der Handelsverband Bayern beklagte, dass dem Einzelhandel Umsätze in zweistelliger Millionenhöhe verloren gehen dürften.

Mit Informationen von dpa

Zum Audio: Warnstreik in vielen Städten

Demo vor dem Gewerkschaftshaus am Kornmarkt in Nürnberg
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Demo vor dem Gewerkschaftshaus am Kornmarkt in Nürnberg

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