Zwei Frauen wollten im Landkreis Bamberg Katzenbabys retten - und traten damit ein kleines Drama los. Wie das Landratsamt Bamberg am heutigen Freitag mitteilte, stöberten die Hunde der Frauen bei einem Spaziergang im Wald bei Priegendorf drei grau-getigerte Katzenbabys auf; die Frauen hielten die Kätzchen für ausgesetzte Hauskatzen und nahmen sie mit. Dass dies ein Fehler war, sollte sich bald darauf herausstellen.
- Zum Audio: Tier des Jahres 2018 – die Wildkatze
Keine verwilderten Hauskatzen, sondern echte Wildkatzen
Denn laut Landratsamt Bamberg landeten die Kätzchen wenige Tage später und nach Umwegen im Tierheim. Und dort wurde klar: In der Box saßen keine verwilderten Hauskatzen, sondern Wildkatzen. Auch Experten des BUND Naturschutz Bayern wurden hinzugezogen, um ganz sicher zu gehen. Die seltenen Tiere sind in einigen regionalen Waldgebieten wieder heimisch geworden – was die beiden Finderinnen nicht wussten.
Auch die untere Naturschutzbehörde des Landratsamts wurde eingeschaltet. Der Transport der Kätzchen in eine Wildtierauffangstation stand zur Debatte. Doch Bernhard Struck, Fachreferent für Naturschutz, wollte einen Versuch wagen und die drei Wildkatzenbabys an den Fundort im Wald zurücksetzen.
Würde die Mutter ihre Babys wieder annehmen? Ist sie weitergezogen? Diese Fragen stellten sich die Experten. Im Vorfeld, so Struck, war klar: "Ohne Kontakt zur Mutter müssen wir die Kätzchen wieder mitnehmen und in eine Auffangstation bringen.". Zum Glück waren die Wildkätzchen in der Quarantänestation des Tierheims untergebracht, die Voraussetzungen standen also nicht schlecht.
Der Wald ist ihr Zuhause
An einem Dienstagabend startete der Versuch. In einer getarnten Transportbox mit Laubstreu aus dem Umfeld des Fundortes wurden die drei Kätzchen nur wenige Meter von dem hohlen Baumstumpf entfernt abgesetzt. Die Experten der unteren Naturschutzbehörde überwachten die Box mit Wildkameras, die ihre Bilder direkt auf ihre Handys übertragen. Schon kurze Zeit später wirkten die Tiere deutlich entspannter, stellte Naturschutzwächter Thomas Stahl fest: "Sie fühlen sich hier wie zuhause."
Die Mutter kommt zurück
Dann begann das Warten. Kurz vor drei Uhr morgens zeigte sich eine Bewegung auf den Kamerabildern: Eine erwachsene Wildkatze erschien direkt an der Transportbox. Sie zeigte großes Interesse an den Jungtieren und ließ sich offensichtlich nicht von den fremden Gerüchen abschrecken. Um 03.20 Uhr öffneten die Naturschützer die Box. Als sie am Morgen erneut nachsahen, war die Box leer. Von den Kätzchen fehlte jede Spur. Für Bernhard Struck ein gutes Zeichen: "Wir sind uns sicher, dass es sich bei dem adulten Tier um die Mutter der drei Kätzchen handelt und die Kleinen – wie es richtig ist – in der Natur aufwachsen können. Wir sind sehr froh, dass das geklappt hat."
Hunde an der Leine lassen
Besonders den Finderinnen sei ein Stein vom Herzen gefallen, heißt es - schließlich hatten sie die Ereignisse unwissentlich ausgelöst. Damit solche Dramen künftig nicht mehr vorkommen, appelliert Bernhard Struck an Spaziergänger, zum Schutz der seltenen Tiere ihre Hunde im Wald nicht stöbern zu lassen. Er fügt an: "Wer im Wald grau-getigerte Kätzchen entdeckt, sollte diese nicht mitnehmen, sondern zunächst Kontakt mit den Naturschutzbehörden oder dem BUND Naturschutz aufnehmen."
Nähere Informationen zu Wildkatzen gibt es auf den Seiten des BUND Naturschutz (externer Link).
Video zu Wildkatzen-Nachwuchs im Zoo:
Nashorn, Zebra & Co. (Kurzfassung)
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