Die Aufregung in München steigt: Nur noch einmal schlafen – dann heißt es wieder: "O'zapft is!" und Millionen von Menschen aus aller Welt strömen auf die Wiesn. Die Münchner Brauereien machen ein Millionengeschäft. Denn ihr Bier ist beliebt – gebraut nach traditionellem Verfahren streng nach dem Münchner Reinheitsgebot. Dafür brauchen die Brauereien das jahrtausendalte, besonders reine Tiefengrundwasser. Die Brauereien haben sogar eigene Brunnen hierfür.
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Verwenden des Tiefengrundwassers zum Reinigen nicht zulässig
Dass die Brauereien das Tiefengrundwasser auch zur Reinigung von Tanks, Leitungen, Fässern und Flaschen nutzten, stößt auf Kritik. Denn das wertvolle Wasser gilt als eiserne Reserve in besonderen Krisenlagen. Es soll besonders geschont werden. Die Erschließung dieses Tiefengrundwassers ist nach dem Bayerischen Landesentwicklungsprogramm (LEP) nur "für Zwecke, für die eine besondere Reinheit erforderlich ist", möglich.
In einem Merkblatt des Landesamtes für Umwelt heißt es: "Eine Verwendung zu Spül- und Reinigungszwecken ist grundsätzlich nicht zulässig, da hierfür die Verwendung von Wasser mit Trinkwasserqualität ausreichend ist."
Verein Münchener Brauereien: Tiefengrundwasser dient der Qualität und dem Geschmack des Bieres
Für einen Liter Bier braucht eine Brauerei im Schnitt drei bis vier Liter Wasser, teilt der Verein Münchener Brauereien auf BR24-Anfrage mit. Ein Großteil wird für die Reinigung genutzt. Das hat etwas mit Qualitätssicherung zu tun. "Für uns Brauer ist es wichtig, dass das Wasser, das mit dem Produkt Bier direkt in Berührung kommt, auch ein Wasser ist, das wir aus unseren eigenen Brunnen haben, um auch die Qualität im Griff zu haben", erklärt Martin Leibhard vom Augustiner-Bräu und Vorsitzender des Vereins Münchener Brauereien.
Das normale Trinkwasser reiche dafür nicht. "Wenn irgendwelche Vorkommnisse im Leitungsnetz sind, dann muss das Wasser chloriert werden. Wenn wir das nicht rechtzeitig mitbekommen, dann hat es wirklich auch Auswirkungen auf den Geschmack und auch die Qualität des Bieres."
Entnahme des Tiefengrundwassers steigt
19 Tiefbrunnen stehen in München, 16 davon gehören den Brauereien. Nach Vorgaben der Staatsregierung dürfen die Münchner Brauereien im Jahr nur eine bestimmte Menge Tiefengrundwasser entnehmen. Bisher lagen sie immer darunter. Laut städtischen Daten von 2024 waren das knapp vier Millionen Kubikmeter.
Aber Zahlen des Wasserwirtschaftsamtes und der Stadt München zeigen: Die entnommene Menge Tiefengrundwasser ist in den vergangenen knapp 20 Jahren um rund ein Drittel gestiegen. Noch aber wird das jahrtausendalte, besonders reine Wasser nicht weniger, heißt es: Das Wasser, das entnommen wird, bildet sich nach.
Krause fordert: Nutzung des Tiefengrundwassers der Brauereien muss geprüft werden
Dennoch: Im Sommer musste die Landeshauptstadt erstmals die Wasser-Notbremse ziehen. Deswegen fordert Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Bündnis 90/Die Grünen): Die Nutzung des Tiefengrundwassers müsse überdacht werden. Gespräche mit den Brauereien laufen dazu. "Diese Praxis muss angesichts der zunehmenden Trockenheit und Wasserknappheit überprüft werden."
Man sei in der Stadt bisher davon ausgegangen, dass es genügend Trinkwasser für die Versorgung gibt, sagt Krause im BR24-Interview. "Wir haben dieses Jahr festgestellt: Die Prämisse stimmt nicht und wir müssen da ganz dringend umsteuern. Das stellt uns vor große Herausforderungen." Er wundere sich, dass das Wasserproblem nicht schon früher in der Stadt aufgefallen sei. Nun müsse man sich umso schneller vorbereiten für die nächsten Jahre.
Brauereien haben den Wasserverbrauch bereits stark reduziert
Auch das Wasserwirtschaftsamt München sieht den Umgang der Brauereien mit dem Tiefengrundwasser kritisch, stellt aber auch fest, dass die Münchnerinnen und Münchner viel mehr Wasser verbrauchen als die Brauereien. Dabei handelt es sich allerdings um das normale Trinkwasser. Die Stadt München verbraucht pro Sekunde 4.000 Liter Wasser, so das Wasserwirtschaftsamt.
Martin Leibhard vom Verein Münchner Brauereien versteht die Aufregung nicht – zumal Gemeinden rund um München wie Karlsfeld das Tiefengrundwasser zum Toilettenspülen und Duschen nutzen. Außerdem gehen die Brauereien schon lange mit der Ressource Wasser sparsam um, so Martin Leibhard. "Jede der Brauereien hat Programme, um Wasser zu sparen, um Energie zu sparen. Der Wasserverbrauch wird immer geringer. Uns liegt ganz besonders daran, dass wir dieses Wasser auf alle Zukunft erhalten."
Ein Gutachten soll bis Ende des Jahres nun klären, ob das wertvolle Tiefengrundwasser in München in Gefahr ist.
Im Video: Oktoberfest - Aufregung um Wasserverbrauch der Brauereien
6,5 Millionen Maß haben die durstigen Wiesngänger letztes Jahr getrunken. Das Münchner Bier verwendet das besonders wertvolle Tiefengrundwasser.
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