Der Augsburger AfD-Landtagsabgeordnete Andreas Jurca hat bestätigt, dass er in seinem Augsburger Büro einen Mitarbeiter beschäftigt, der wegen Vergewaltigung rechtskräftig verurteilt ist. Zuerst hatte die Augsburger Allgemeine berichtet. Nach Recherchen der Zeitung [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt] hatte die Staatsanwaltschaft dem Mitarbeiter vorgeworfen, seine damalige Partnerin 2022 in zwei Fällen vergewaltigt zu haben.
AfD-Büromitarbeiter saß mehrere Monate in U-Haft
Nach siebenmonatiger Untersuchungshaft sei er 2023 vom Amtsgericht Augsburg zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Dem Urteil war eine Verfahrensabsprache zwischen Verteidigung, Gericht und Staatsanwaltschaft vorausgegangen, im Prozess habe der Mann gestanden. Eine Polizistin bezeugte laut Zeitung die Glaubwürdigkeit des Opfers, Chat-Protokolle stützten dessen Aussagen. Die Bewährungszeit sei inzwischen abgelaufen.
Jurca: "Würde keinen Vergewaltiger einstellen"
Jurca sagte dem BR, er stehe zu seinem Mitarbeiter. Dieser sei von der damaligen Partnerin angezeigt worden, sei aber "kein Vergewaltiger", so Jurca. Es habe sich nicht um eine Vergewaltigung gehandelt, vielmehr sei seinem Mitarbeiter "übel mitgespielt" worden. "Ich würde gar keinen Vergewaltiger einstellen und schützen", sagte Jurca zum BR. Der Mann sei bei Gericht einen Deal eingegangen, weil er freikommen habe wollen. Jurca wirft stattdessen der Augsburger Staatsanwaltschaft "Justizfehler" vor. Die Staatsanwaltschaft sei für ihn "keine Instanz", sondern "eine Katastrophe".
Bayerischer Landtag: Rechtlich zulässig
Rechtlich ist die Beschäftigung laut Bayerischem Landtag zulässig: Die Pressestelle teilte auf Anfrage des BR mit, dass ein sauberes Führungszeugnis für Beschäftigte von Landtagsabgeordneten nicht vorgeschrieben sei. "Die Beschäftigung von persönlichen Mitarbeitenden erfolgt grundsätzlich eigenverantwortlich durch das jeweilige Mitglied des Landtags als Arbeitgeber. Das Mitglied des Landtags ist in der Ausgestaltung und Durchführung des Beschäftigungsverhältnisses grundsätzlich frei und trägt zugleich die Verantwortung dafür, dass von den eingesetzten Personen keine Gefährdung für die Sicherheit und Integrität des Parlaments ausgeht."
Ermittlungen gegen Jurca - Überfall auf ihn ungeklärt
Im November 2025 war bekannt geworden, dass gegen Jurca wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs ermittelt wird. Wie die Staatsanwaltschaft Augsburg mitteilte, sollen im Zeitraum von 2022 bis 2023 - Jurca war damals AfD-Vorsitzender im Augsburger Stadtrat - Gelder zweckentfremdet worden sein, die von der Stadt Augsburg für Fraktionsarbeit bereitgestellt wurden. Anschließend sollen die Beschuldigten die Gelder im Rechenschaftsbericht "bewusst wahrheitswidrig falsch deklariert" haben, so die Staatsanwaltschaft weiter.
2023 ermittelte die Staatsanwaltschaft Augsburg nach einem mutmaßlichen Angriff auf Jurca. Gegen zwei zunächst Verdächtige gab es jedoch keine Beweise, die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen ein.
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