Bad Kissingen, Dittelbrunn, Babenhausen: In diesen bayerischen Orten wurden öffentliche Bäder dichtgemacht, weil sie hätten saniert werden müssen. In Bad Kissingen war unter anderem ein einsturzgefährdetes Dach das Problem. Doch es fehlte am Geld zur Sanierung.
Laut Staatsregierung ist in Bayern mehr als jedes zweite öffentliche Schwimmbad sanierungsbedürftig. Den Sanierungsstau bestätigt auch Max Deisenhofer, sportpolitischer Sprecher der Landtagsgrünen: "Wir haben eigentlich in jedem Landkreis in Bayern mindestens ein sanierungsbedürftiges Schwimmbad." Im Rest Deutschlands sieht es nicht besser aus.
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Kommunen fehlt das Geld
Eine Befragung der Deutschen Gesellschaft, die heute veröffentlicht werden soll und dem BR vorab vorliegt, zeigt: Mehr als vier Fünftel der befragten Bäder müssen saniert werden. Die Umfrage ist nicht repräsentativ, teilgenommen haben 354 Bäder. Eine BR-Abfrage bei Ministerien sowie Städte- und Gemeindetagen in allen Bundesländern legt nahe: Sanierungsdruck gibt es überall. Im Saarland etwa muss nach Angaben des Gemeindetags fast jedes Bad saniert werden, wenn auch mit unterschiedlichem Aufwand.
Johann Kronauer vom Bayerischen Städtetag sieht die Kommunen am Limit: "Aufgrund der aktuellen Finanzlage, die sehr dramatisch ist, müssen die Kommunen noch stärker priorisieren. Bäder an sich sind eine freiwillige Aufgabe." Das heißt, Kommunen müssen Schwimmbäder nicht betreiben und auch nicht sanieren. Wenn das Geld knapp wird, stehen Bäder in Konkurrenz zu Pflichtaufgaben wie Schulen, Kitas, Straßen oder Sozialausgaben.
"Dieser Teil des Haushalts dehnt sich immer weiter aus", sagt Thomas Karmasin, Landrat von Fürstenfeldbruck und Präsident des Bayerischen Landkreistags. Sparen könnten Kommunen daher oft nur bei freiwilligen Leistungen: "Das sind Einrichtungen der Kultur, Einrichtungen des Sports, eben auch Freibäder, Schwimmbäder, sozusagen all die schönen Dinge in den Kommunen."
Weniger Bäder, weniger Schwimmkurse
Der Sanierungsstau hat Folgen für Schwimmkurse. In der Region Schweinfurt mussten laut Tobias Steinmetz von den Stadtwerken kleinere Bäder bereits schließen. Schwimmkurse konzentrierten sich seither "immer weiter auf die verbleibenden Bäder, und das wird zunehmend bei uns zum Kapazitätsproblem". Auch bundesweit wird das Problem sichtbar. In Baden-Württemberg konnte nach Angaben des dortigen Gemeindetags im Schuljahr 2023/24 etwa jede fünfte Grundschule keinen Schwimmunterricht anbieten, unter anderem wegen fehlender oder nicht verfügbarer Schwimmbäder.
Für Bayern gibt es dazu keine vergleichbare offizielle Zahl. Die DLRG warnt allerdings schon länger, dass Kinder schlechter schwimmen: Rund 20 Prozent der Kinder zwischen sechs und zehn Jahren könnten nicht schwimmen.
Opposition fordert mehr Geld vom Freistaat
Zuletzt ist in Bayern laut DLRG auch die Zahl der Badetoten um 16 Prozent gestiegen. Landtags-Grüne und SPD sehen einen Zusammenhang zwischen sanierungsbedürftigen Bädern, weniger Schwimmkursen und schlechterer Schwimmfähigkeit. "Ohne Bad kein Schwimmen, ganz einfach", sagt Harry Scheuenstuhl von der SPD.
Der Freistaat unterstützt die Sanierung kommunaler Bäder über das Sonderprogramm Schwimmbadförderung. Dafür stehen derzeit 20 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. Laut Opposition reicht das nicht. "Wir Grüne wollen, dass das verdoppelt wird auf 40 Millionen Euro", sagt Max Deisenhofer. "Das wird immer noch nicht alles abdecken, aber wäre ein wichtiges Zeichen."
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