Yoga-Lehrerin Luise Starke gibt einen Yoga-Kurs
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Vom Design-Büro ins Yoga-Studio: Luise Starke gibt mehrmals die Woche Yoga-Kurse
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Vom Design-Büro ins Yoga-Studio: Der Jobverlust als Neustart

Vom Design-Büro ins Yoga-Studio: Der Jobverlust als Neustart

Vor allem Industrieunternehmen reduzieren aktuell ihr Personal, überwiegend in der Automobilbranche. Auch fränkische Stifte- oder Spielzeughersteller bauen Stellen ab. Manche nutzen den Jobverlust als Chance und machen sich selbständig.

Über dieses Thema berichtet: Stadt Land Leute am .

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten nimmt der Beratungsbedarf zur Existenzgründung zu. Das sagt Thomas Müller, Teamleiter der Arbeitsvermittlung in der Arbeitsagentur Coburg. Dann würden sich eher Menschen selbständig machen als zu Zeiten, in denen es viele offene Stellen auf dem Arbeitsmarkt gibt. Oft würden sich Menschen, die sich selbständig machen wollen, schon lange darüber Gedanken machen. "Dann kommt irgendwann der Einschnitt der Arbeitslosigkeit, der Kündigung, und dann werden die Pläne konkret", erklärt Müller.

Vom Traumjob in die Arbeitslosigkeit

Genau das war der Weg von Luise Starke. Sie arbeitete zehn Jahre lang als Designerin bei einem oberfränkischen Spielzeughersteller. Ihr Traumjob. Doch als das Unternehmen 2023 ins Straucheln geriet, wurde ihr Job gestrichen. Das sei schmerzhaft und mit Unsicherheit und Ängsten verbunden gewesen, berichtet die 38-jährige Coburgerin. Doch noch während sie angestellt war, machte sie eine Ausbildung zur Yoga-Lehrerin. Anfangs war es ein Hobby, aus dem nach dem Jobverlust mehr wurde.

Erst Design-Büro, jetzt Yoga-Studio

Nach zehn Jahren bei dem Spielzeughersteller kam sie in eine Transfergesellschaft. Das ist eine Art befristeter Arbeitgeber, der bei Personalabbau von Unternehmen gegründet wird, um betroffene Mitarbeiter für neue Jobs zu qualifizieren.

Bei Luise Starke kristallisierte sich heraus, dass sie unter anderem mit Yoga einen neuen Weg einschlagen könnte, und zwar als Selbständige. Etwas, was sie nicht unbedingt wollte. "Ich bin ein auf Sicherheit bedachter Mensch. Ich wollte eigentlich einfach in meinem Angestelltenverhältnis sein", sagt die 38-Jährige. Um sich auf die Selbständigkeit vorzubereiten, musste sie einen Business- und Finanzplan erstellen.

Drei Standbeine für die Selbständigkeit

Inzwischen fährt Luise Starke dreigleisig. Sie gibt Yoga-Kurse, hat sich zudem als Reiki-Meisterin ausbilden lassen und arbeitet weiterhin als Spielzeug-Designerin, nun aber freiberuflich. Unterstützung bei dem Weg in die Selbständigkeit bekam sie von der Agentur für Arbeit in Coburg. Ihr Berater habe sie in die richtige Richtung geführt, die auch nachhaltig sei. "Nicht einfach nur, dass ich schnell irgendwo unterkomme", sagt sie. Sie habe Coachings bekommen, etwa wie sie Einnahmen und Ausgaben kalkuliert. Sie müsse Raummieten bezahlen, Versicherungen und sich um ihre Altersabsicherung kümmern. "Dann ist man sein eigener Einkäufer, sein Buchhalter und sein Marketingexperte, und in alles muss man sich erst einarbeiten." Auch von Freunden und Familie habe sie viel Unterstützung auf ihrem Weg bekommen.

Gründungszuschuss für die Startphase

Die Arbeitsagentur selbst versteht sich als Lotse, sagt Thomas Müller von der Behörde in Coburg. Der Gründungszuschuss stehe aber im Vordergrund. Dieser ist eine Förderung der Bundesagentur für Arbeit für Arbeitslose, die sich selbständig machen wollen, um die Startphase abzusichern. In der ersten Phase werden ein halbes Jahr lang zusätzlich zum Arbeitslosengeld 300 Euro monatlich gezahlt. In der zweiten Phase können noch einmal 300 Euro monatlich für neun Monate beantragt werden.

Der Coburger Arbeitsvermittler rechnet damit, dass der Beratungsbedarf zur Existenzgründung steigen wird. Denn die wirtschaftlich schwierigen Zeiten seien gerade in Coburg mit einer der höchsten Arbeitslosenquoten in Bayern spürbar. Bundesweit sind innerhalb von zwei Jahren die Zahlungen von Gründungszuschüssen gestiegen – von etwa 23.000 auf rund 28.000.

Der richtige Weg – aber nicht für alle

Als Selbständiger brauche man neben dem Fachwissen auch Selbstbewusstsein, um sich auf dem Markt durchsetzen zu können, sagt Müller. Zudem ein hohes Maß an Eigenmotivation und Organisationsfähigkeit.

Luise Starke würde den Schritt in die Selbständigkeit nicht jedem empfehlen. Für sie war es allerdings der richtige. Sie schaut positiv in die Zukunft: "Ich blick' da mit Zuversicht drauf, mit Neugier und auch mit ganz viel Dankbarkeit."

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