Joseph von Fraunhofer als KI Avatar.
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Joseph von Fraunhofer führt als sprechender KI-Avatar durchs Museum
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Von der Glashütte ins All: Fraunhofers Vermächtnis lebt weiter

Von der Glashütte ins All: Fraunhofers Vermächtnis lebt weiter

Joseph von Fraunhofer ist wieder da – zumindest virtuell: In der historischen Glashütte in Benediktbeuern begrüßt er zur Wiedereröffnung als KI-Avatar die Besucher. Hier forschte der Optiker und Wissenschaftler vor rund 200 Jahren an Glas und Licht.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Oberbayern am .

Die Tür geht auf – und zwischen den historischen Glasöfen steht plötzlich Fraunhofer. Der Avatar spricht die Besucher an, beantwortet Fragen und erklärt die alten Glasöfen. Die neue Ausstellung in der historischen Glashütte in Benediktbeuern verbindet moderne Technik mit der Geschichte des frühen 19. Jahrhunderts.

Nach dem Hagelsturm zurück zu den Wurzeln

Die Glashütte war durch ein schweres Hagelunwetter im August 2023 stark beschädigt worden. Dach und Fassade mussten saniert werden, auch die historischen Öfen waren gefährdet. Die Ausstellung überstand den Schaden vergleichsweise gut und wurde deshalb erhalten und neu gestaltet.

Nach drei Jahren Arbeit ist die Glashütte jetzt wieder geöffnet und sie ist deutlich digitaler als zuvor. Der Avatar wurde anhand von Fraunhofers Totenmaske modelliert. Seine Antworten basieren auf historischen Informationen. Besucher können Fragen stellen; die Antworten lassen sich an Kinder oder Fachleute anpassen, auch mehrere Sprachen sind möglich. Ein digitales Teleskop zeigt außerdem den Weg von Fraunhofers historischen Instrumenten zu modernen Weltraumteleskopen wie Hubble, James Webb und Euclid.

Vom Handwerker zum Forscher

Joseph von Fraunhofer kam ohne akademische Ausbildung zur Wissenschaft. Als er Lehrling bei einem Glasmacher war, stürzte das Haus ein, in dem er arbeitete. Fraunhofer wurde erst nach Stunden aus den Trümmern geborgen. Der damalige Kurfürst unterstützte ihn und ermöglichte ihm, sich aus seiner bisherigen Ausbildung freizukaufen.

Später erkannte der Unternehmer Joseph von Utzschneider Fraunhofers Talent. In Benediktbeuern konnte er sich intensiv mit der Herstellung von Glas beschäftigen. Fraunhofer bildete sich selbst in Mathematik und Optik weiter und begann, die Glasproduktion systematisch zu untersuchen.

Warum Benediktbeuern?

Der Standort auf dem Klostergelände bot wichtige Voraussetzungen für die Glasherstellung: Holz stand als Brennstoff zur Verfügung, Wasser war vorhanden und Quarzsand kam aus der nahegelegenen Region um Bichl. Auch das Kloster selbst war wichtig. Dort gab es Bücher zu Mathematik und Optik – Wissen, das Fraunhofer für seine Arbeit nutzen konnte.

Andreas Bräu, der Fraunhofer bei Eröffnungsveranstaltungen verkörpert und ein Buch über Fraunhofer geschrieben hat, sieht Benediktbeuern als zentralen Ort für dessen Lebenswerk. Fern von der Konkurrenz in München habe Fraunhofer hier die Glasherstellung perfektionieren können.

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Die unscheinbare Glashütte beim Kloster Benediktbeuern - hier wurde Physikgeschichte geschrieben.

Besseres Glas – bessere Sicht auf die Sterne

Fraunhofers Ziel waren bessere optische Instrumente. Dafür musste zunächst das Glas besser werden. Der Physiker und Wissenschaftshistoriker Timo Mappes beschreibt Fraunhofers Vorgehen als systematische Optimierung: Er untersuchte die Eigenschaften des Glases, veränderte gezielt die Herstellungsbedingungen und entwickelte daraus das passende Material. Besonders wichtig waren seine achromatischen Linsen. Sie reduzierten störende Farbränder und ermöglichten bessere astronomische Beobachtungen. Fraunhofer entwickelte dafür sowohl die optische Konstruktion als auch das geeignete Glas.

Bei der Untersuchung des Sonnenlichts entdeckte Fraunhofer zudem dunkle Linien im Spektrum. Ihre Bedeutung konnte er damals noch nicht vollständig erklären. Später wurden die sogenannten Fraunhofer-Linien zu einer Grundlage der Spektroskopie – der Analyse von Licht. Damit lässt sich etwa bestimmen, aus welchen Stoffen Himmelskörper bestehen.

Forscher und Unternehmer

Fraunhofer beließ es nicht bei seinen Erkenntnissen. Seine hochwertigen optischen Gläser und Instrumente fanden Abnehmer bei wissenschaftlichen Einrichtungen. Er verband Forschung mit wirtschaftlicher Anwendung – ein Prinzip, das die heutige Fraunhofer-Gesellschaft bis heute prägt.

Präsident Holger Hanselka sagte bei der Wiedereröffnung der historischen Glashütte gegenüber BR24: "Unser Anspruch bis zum heutigen Tag ist angewandte Forschung. Alle unsere 31.000 Beschäftigten sollen diesen Geist des Josef von Fraunhofer in sich tragen: Wir machen selber, wir krempeln die Ärmel hoch, wir sind neugierig, wir wollen verstehen, was wir tun."

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Das Fraunhofer Teleskop eröffnete ganz neue Einblicke in die Welt und das All.

Von Benediktbeuern ins All - preisgekrönt

Fraunhofers Forschung reicht bis in die Gegenwart – und sogar bis zum Planeten Merkur: Auf einer aktuellen ESA-Mission ist ein Spektrograph des Fraunhofer-Instituts im Einsatz, um die Oberfläche des Himmelskörpers zu untersuchen. Was hier in Benediktbeuern mit der Suche nach besserem Glas begann, reicht heute bis in den Weltraum. Die European Physical Society hat die Glashütte deshalb zur Wiedereröffnung als "Historical Site" der Physik ausgezeichnet. Aus der alten Glashütte ist ein Ort geworden, an dem sichtbar wird: Fraunhofers Forschungsgeschichte ist noch lange nicht zu Ende.

Die Glashütte hat ab Oktober täglich von 9 bis 16 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.

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