Nachdem die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten im Nahverkehr für den heutigen Dienstag erneut zum Streik aufgerufen hat, sind Bus- und Bahnpendler in Augsburg von massiven Einschränkungen betroffen. Seit dem Morgen "steht Augsburg so gut wie still", erläutert Michael Meier, der örtliche Streikbeauftragte der Gewerkschaft, im Gespräch mit dem BR. Bis auf zwei Ausnahmen seien keine Busse und Straßenbahnen gefahren. An einer Kundgebung hätten trotz Ferienzeit knapp 80 Beschäftigte teilgenommen, so Meier weiter. Mit dem Ergebnis, einem "fast kompletten Stillstand in der Stadt" sei man "sehr zufrieden". Für Mittwoch rechnet Verdi in Augsburg wieder mit einem regulären Betrieb.
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Stadtwerke raten zu Regionalbahnen oder Leihrädern
Auch die Augsburger Stadtwerke bestätigen, dass das gesamte Stadtgebiet von den Arbeitsniederlegungen betroffen ist. Weil in Augsburg – anders als in anderen Städten – nur wenige Linien an externe Busunternehmen vergeben seien, gebe es kaum Verbindungen, die nicht bestreikt würden.
Fahrgäste sollten auf Regionalbahnen oder auf die Leih-Fahrräder der Stadtwerke ausweichen. Die Räder dürfen am heutigen Dienstag bis zu einer halben Stunde kostenlos genutzt werden.
Auch die Stadt hat bereits reagiert und ihren ursprünglich für heute geplanten Seniorennachmittag auf Schwabens größtem Volksfest, dem Osterplärrer, um eine Woche verschoben. Rund 1.200 Gutscheine waren laut Stadt im Vorfeld bereits verkauft worden. Sie bleiben gültig oder können kostenlos wieder zurückgegeben werden.
Weitere Warnstreiks am Mittwoch in Nürnberg und Landshut
In Nürnberg sind die Beschäftigten der Verkehrsgesellschaft VAG am Dienstag und Mittwoch aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen. Nach Angaben der Gewerkschaft sollen am Dienstag zunächst nur Wartungsarbeiten in Nürnberg betroffen sein, Mittwoch werde es dann größere Auswirkungen geben. Betroffen sind laut Verdi vor allem die U-Bahn, die Straßenbahn und der Busverkehr im gesamten Stadtgebiet, nicht aber die S-Bahn. Deshalb ist das Volksfest am Dutzendteich trotzdem erreichbar. Zudem will die VAG einen Shuttle-Bus im 15-Minuten-Takt einrichten. Wer will, kann aber auch ein Angebot des Schaustellerverbands nutzen. Vom Hauptbahnhof bringt ein rot-weißer Oldtimer-Bus Reisende zum Volksfestplatz und zurück.
Für Mittwoch sind auch in Landshut ganztägige Arbeitsniederlegungen angekündigt. Gegen Ende der Woche seien weitere Streikaufrufe in kleineren bayerischen Städten möglich, so die Gewerkschaft.
Verdi macht Druck vor nächster Verhandlungsrunde
Vor der nächsten Verhandlungsrunde am 15. April hat die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten im Nahverkehr erneut zum Streik aufgerufen. Die Gewerkschaft fordert für die etwa 9.000 Beschäftigten in mehr als 20 Unternehmen deutliche Lohnerhöhungen.
Die Arbeitgeber hatten nach der jüngsten Verhandlungsrunde mitgeteilt, sie hätten ein verbessertes Angebot vorgelegt. Bei einer Laufzeit von 24 Monaten habe man mehr als sechs Prozent Entgeltsteigerung geboten, bei 48 Monaten Laufzeit rund neun Prozent und die Reduzierung der Arbeitszeit um eine Stunde.
Die Gewerkschaft betonte, sie sei den Arbeitgebern deutlich entgegengekommen. Man fordere nun eine Entgelterhöhung von 550 Euro in zwei Stufen bei 24 Monaten Laufzeit. Die ursprüngliche Forderung hatte bei rund 670 Euro bei einem Jahr Laufzeit gelegen. Zudem will Verdi eine Reduzierung der Arbeitszeit. In anderen Bundesländern seien Tarifabschlüsse erzielt worden, die maximale Schichtlängen und bessere Mindestruhezeiten beinhalten.
Die Gewerkschaft Verdi hat Beschäftigte im kommunalen Nahverkehr wieder aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Heute war Augsburg betroffen.
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