Die Wiesn-Wirte und die Stadt München warnen: Schon lange vor dem Oktoberfest tauchen im Netz immer wieder dubiose Angebote für Tischreservierungen auf.
Misstrauisch sollte man spätestens dann werden, wenn die Kosten für einen Oktoberfesttisch in den vierstelligen Bereich gehen. Tischreservierungen an sich sind – wie der Eintritt in die Festzelte – kostenlos. Zwar muss man dazu Wertgutscheine kaufen. Meistens sind das zwei Maß Bier und ein halbes Hendl pro Person. Dafür können aber je 50 Euro schon ausreichen.
Tischwucher war bereits vor Gericht
Selbst bei einem Zehn-Personen-Tisch kommt man dann nicht annähernd auf die 1.730 Euro, die eine Event-Agentur in der Vergangenheit für gerade einmal sechs Plätze inklusive Verzehr in einem großen Zelt verlangt hatte. Der Fall landete damals am Landgericht München, das ein Machtwort sprach: Den Käufern sei vorgespiegelt worden, dass sie nach dem Kauf einen Anspruch auf die Plätze hätten. Das sei aber nicht der Fall.
Reservierungen nicht übertragbar
Denn die meisten Wirte regeln in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) ausdrücklich, dass Reservierungen nicht übertragbar sind und deshalb storniert werden, wenn sie nicht direkt bei ihnen selbst vorgenommen wurden. Dann haben die Betroffenen bei einem externen Anbieter zwar viel bezahlt, kommen am Ende aber trotzdem nicht ins Zelt.
Löwenbräu-Wirtin Steffi Spendler sagt zum Beispiel auch dem Servicepersonal, dass es etwa darauf achten soll, ob die Namen auf den Tischschildern mit denen der Gäste übereinstimmen. Manche verraten sich aber auch selbst: Es hätten sich schon mal Gäste beschwert, weil sie für 1.800 Euro nur einen Tisch an der Tür bekommen hätten, erinnert sich die Wirtin: "Dann fragt die Bedienung natürlich, warum sie denn so viel bezahlt haben.“
Webcrawler gegen dubiose Anbieter
Die Wirte beschäftigen inzwischen auch Anwaltskanzleien, die das Internet per Webcrawler durchsuchen lassen. Das sind automatisierte Computerprogramme, die dubiose Angebote herausfiltern. Auch komplette Fake-Angebote von Betrügern, die völlig ohne Gegenleistung abkassieren, hat es schon gegeben. Im Nachhinein ist es dann für die getäuschten Käufer kaum möglich, das Geld vom angeblichen Verkäufer wiederzubekommen.
Der geballte Kampf gegen den Tischreservierungswucher zeigt laut Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) aber Erfolg. Wenn man früher bei Google nach Tischangeboten gesucht habe, sei "eine ganze Latte“ unseriöser Angebote erschienen. Jetzt sei das nicht mehr in diesem Ausmaß der Fall.
Sicher reservieren mit Wirten und Portal
Geraten wird jedenfalls, nur über die Wiesn-Wirte zu buchen oder das offizielle Buchungs- und Wiederverkaufsportal oktoberfest-booking.com [externer Link] zu nutzen: Wer einen Wiesn-Tisch reserviert und die entsprechenden Gutscheine gekauft hat, dann aber verhindert ist, kann Tisch und "Markerl" dort ganz legal anbieten. Interessenten, die noch auf der Suche sind, können sie übernehmen – im Tausch oder zum Originalpreis. Vergangenes Jahr wurden mehr als 750 Transaktionen abgewickelt.
Wer drei Wochen vor der Wiesn noch regulär reservieren will und einen absoluten Wunschtermin – gerade abends am Wochenende – hat, braucht natürlich auch Glück. Wirte-Sprecher Peter Inselkammer rät, regelmäßig auch auf die Internetseiten der Zelte zu schauen. Immer wieder würden Reservierungen storniert und die entsprechenden Tische wieder ins System gegeben, sagt Inselkammer, der selbst das Armbrustschützenzelt betreibt: "Dann kann auch abends durchaus noch mal eine Reservierung dabei sein.“
Oktoberfest ganz ohne Tischreservierung
Übrigens: Selbst ganz ohne Reservierung hat man durchaus Chancen auf freie Tische – schon deshalb, weil ein bestimmter Anteil der Plätze sowieso nicht reserviert werden kann und bewusst auch für spontane Besucher freigehalten wird. Bei schönem Wetter sind außerdem die Biergärten eine Option, in denen Reservierungen nie möglich sind.
Statt Reise: Urlaub im Festzelt
Ein ganz billiger Spaß ist das Oktoberfest freilich auch ohne Reservierungswucher nicht. Aber eingefleischten Fans ist es das wert, und manche kommen sogar jeden Tag. "Dann machen wir halt einen Urlaub weniger", erzählt ein älterer Mann lachend, während er gerade einen Stapel Verzehrgutscheine für die Tischreservierung beim "Löwenbräu" abholt: "Wir sind eben zwei Wochen beim Zelteln."
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