Cem Özdemir (Grüne) tut es, Markus Söder (CSU) auch: Der eine punktet mit seiner schwäbischen Mundart, der andere betont seine Herkunft aus Franken. Für Menschen, die ebenfalls Dialekt sprechen, ist das wichtig: Sie möchten in der Politik gerne von Abgeordneten vertreten werden, die ebenfalls Dialekt sprechen – und zwar über Parteigrenzen hinweg. Das ist das Ergebnis einer Studie der Politikwissenschaftler Martin Gross (LMU München) und Constantin Wurthmann (Universität Mainz).
Dialektsprecher fühlen sich häufig schlecht repräsentiert
Das Problem – und das ist das zweite Ergebnis der Studie: Bundesweit fühlen sich Dialektsprecher im politischen Betrieb deutlich schlechter repräsentiert als Menschen, die keinen Dialekt sprechen. Das aber kann in gewisser Weise auch der Demokratie schaden, erläutert Professor Wurthmann: "Wenn bestimmte Bevölkerungsgruppen der Ansicht sind, dass Menschen wie sie im Politischen nicht stattfinden – und das kann sich ausdrücken durch regionale Mundart –, dann führt das erst mal zu einer Entfremdung von politischen Institutionen und von ihren politischen Vertreterinnen und Vertretern." Umgekehrt sei Dialekt ein Instrument, um Bürgernähe herzustellen.
In Bayern hat Dialekt eine größere Bedeutung
Allerdings sieht das Ergebnis der Studie für Bayern anders aus: Zum einen wird Dialekt hier stärker geschätzt als im übrigen Bundesgebiet. Zugleich fühlen sich bayerische Befragte, die Dialekt sprechen, im Vergleich zu denen, die keinen sprechen, politisch nicht schlechter repräsentiert. Was mit Traditionen und einem stärkeren Selbstbewusstsein zu tun haben dürfte, sagt der Landtagsabgeordnete Josef Lausch (Freie Wähler): Egal, ob Altbayern, Schwaben oder Franken – hier sei man stolz auf den eigenen Dialekt. Das sei vermutlich in anderen Bundesländern so nicht der Fall.
Politiker sehen Dialekt als Vorteil
Seinen eigenen Dialekt sieht der Rosenheimer Abgeordnete als Vorteil: Wenn er in seiner Heimat bairisch rede, sei das authentisch und wirke sympathisch: "Man braucht sich nicht zu verstellen", so Lausch. Ähnlich sieht das der Niederbayer Toni Schuberl (Grüne): "Wenn man so redet, wie die Bevölkerung auch redet, dann erreicht man die Leute besser, dann kann man sie auch besser vertreten."
Dazu kommt, so Schuberl: Dialekt könne auch vor einer zu abgehobenen Sprache bewahren. Politiker seien oft versucht, viele Fremdwörter zu benutzen: "Wir reden von ÖPNV statt von Bus und Bahn oder reden von Sustainibility" – wenn man das auf Bairisch sage, würden die Bürger die Politiker auch besser verstehen.
Aber: Dialekt kann auch ausgrenzen
Freilich: Dialekt kann auch polarisieren. Wo sich die einen zugehörig fühlen, fühlen sich andere ausgegrenzt. Manche Mundarten haben außerhalb der eigenen Region sogar ein schlechtes Image. Das könnte einer der Gründe sein, warum Dialekt bundesweit weniger Bedeutung hat als in Bayern, sagt der Politikwissenschaftler Wurthmann: "Wenn man bundesweite Ambitionen hat, kann es an der einen oder anderen Stelle relevant sein, wenn man sich sprachlich etwas mäßigt."
Das lässt sich an Spitzenpolitikern wie Söder oder Özdemir zeigen, die in Berlin stärker Hochdeutsch reden als in ihrer Heimat in Bayern oder Baden-Württemberg. Aber es gilt schon im Bayerischen Landtag: Im Plenum, so sagt es Josef Lausch, spreche er ein "gepflegtes Mittelhochbairisch" – er wolle ja auch von Kollegen aus Aschaffenburg verstanden werden. Und der Niederbayer Toni Schuberl unterlegt seine Social-Media-Videos im Netz zum besseren Verständnis schon mal mit Untertiteln.
Zum Video: Dialekt im Bayerischen Landtag
Mundart ist ein entscheidender Faktor dafür, ob sich Menschen von der Politik repräsentiert fühlen oder nicht.
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