Schon wieder glühte Bayerns Himmel. Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr gab es für viele die Gelegenheit, faszinierende Polarlichter zu sehen. Diesmal, am späten Abend des 19. Januar, waren sie sogar noch deutlich intensiver als in der Nacht zum 11. Januar.
Stärkster Sonnensturm seit 20 Jahren, der die Erde trifft
Überhaupt konnten wir in unseren Breiten in den letzten Monaten schon öfter die Nordlichter erleben. Das liegt daran, dass die Sonne sich etwa seit 2024 in einer sehr aktiven Phase befindet und seitdem mehrfach sogenannte Sonnenstürme in Richtung Erde gesandt hat.
Dabei ist der aktuelle Sonnensturm vom 19. Januar der stärkste, der die Erde seit etwa 20 Jahren getroffen hat. Aufgrund dessen konnten wir in vielen Regionen von Bayern diesmal das rote, grüne und violette Entstehen und Vergehen der Polarlichter erleben. Zumal auch das Wetter mitspielte, und der Himmel über weiten Teilen des Bundeslandes klar war.
Polarlichterlichter über Birgland östlich von Nürnberg
Die Sonne erscheint uns am Himmel als beständige und konstante Begleiterin. In Wirklichkeit strahlt sie jedoch nicht ganz "stabil", ihre Aktivität weist deutliche Schwankungen auf, was mit den Vorgängen im heißen Plasma der Sonne zusammenhängt. Geladene Teilchen, der sogenannte Sonnenwind, machen sich in alle Richtungen ins All auf und treffen eben auch auf die Erde. Man beobachtet dabei eine zyklische Veränderung der Sonnenaktivität, die grob etwa elf Jahre beträgt. Dann sind die Plasmaeruptionen und mit ihnen auch die Teilchenschauer des Sonnenwindes deutlich intensiver als in den Zeiträumen dazwischen.
Aber auch die Intensitäten der solaren Maxima unterliegen ihrerseits Schwankungen. Nach sehr kräftigen Fällen in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts (mit einem fantastischen Polarlicht über ganz Deutschland am Abend des 13. März 1989) wurde es danach um die Sonne deutlich "ruhiger".
Polarlichter seit zwei Jahren häufiger
Seit etwa 2008 jedoch kehrte sich dieser Trend allmählich wieder um, und die Sonnenaktivität wurde erneut intensiver. Das aktuelle solare Maximum (seit 2024) weist dabei wieder Intensitäten auf, die mit denen von Mitte/Ende des 20. Jahrhunderts vergleichbar sind. Daher sind Polarlichter seit etwa zwei Jahren auch deutlich häufiger als in früheren Jahrzehnten. Denn die von der Sonne ausgestoßenen energiereichen Teilchen des Sonnenwindes wirken sich auch auf der Erde aus. Sie bringen die Luftmoleküle in großer Höhe zum Leuchten: Sauerstoff erscheint grün und rot, Stickstoff violett.
Haben wir es dann noch mit einem sogenannten Geomagnetischen Sturm zu tun – also mit einer quasi explosionsartig ansteigenden Intensität des Sonnenwindes, ein Sonnensturm wie am 19. Januar – so reagiert die Atmosphäre sogar bis in Mittlere oder gar Niedere Breiten der Erde mit dem Auftreten von Polarlichtern.
Polarlichterlichter über dem unterfränkischen Hohenroth
Auswirkungen auf Satelliten, Handyverbindung und Stromnetze
Das Nordlicht ist aber nur die – salopp gesagt – schöne Seite eines geomagnetischen Sturms. Der Sonnenwind hat – je nach Intensität – auch weitreichende Folgen auf das Magnetfeld, das die Erde umgibt. Je stärker ein Sonnensturm ist, umso größer sind die elektromagnetischen Vorgänge in der Atmosphäre, und umso größer sind daher auch die Auswirkungen zum Beispiel auf Satelliten- und Flugverkehr, auf Handyverbindungen und Stromnetze.
Bei sehr intensiven geomagnetischen Stürmen kann es bisweilen zu einem Blackout dieser Netze kommen. Der Sturm vom 19. Januar war dabei der stärkste seit etwa 2003, der die Erde traf. Nach jetzigem Stand halten sich die Auswirkungen bisher noch in Grenzen. Beim letzten ähnlichen Sonnensturm im November 2003 gab es hingegen massive Folgen. Man vermutet, dass damals der japanische Erdbeobachtungssatellit ADEOS-2 in diesem Sturm verloren ging.
Vielleicht nicht das letzte Polarlicht in diesem Jahr
Auch wenn die Aktivität in den nächsten Monaten allmählich wieder zurückgeht: Für Überraschungen ist unsere Sonne weiterhin gut, und vielleicht war es daher nicht das letzte Polarlicht, das wir in diesem Jahr über Bayern sehen konnten. Und wenn das nächste Mal der Himmel wieder klar sein sollte, gibt es am späten Abend erneut ein Farbenspektakel in Rot, Grün und Violett.
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