Gewitterwolken über der Nürnberger Altstadt (17.07.2026).
Gewitterwolken über der Nürnberger Altstadt (17.07.2026).
Bild
Gewitterwolken über der Nürnberger Altstadt (17.07.2026).
Bildrechte: picture alliance / Eibner-Pressefoto
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance / Eibner-Pressefoto
Audiobeitrag

Gewitterwolken über der Nürnberger Altstadt (17.07.2026).

Aktualisiert am
Audiobeitrag
Erschien zuerst am
>

Warum manche Hitzetage mit Gewittern enden – und andere nicht

Warum manche Hitzetage mit Gewittern enden – und andere nicht

Woran liegt es, dass manche Hitzetage mit teils heftigen Gewittern enden, andere hingegen nicht? Was hat der Klimawandel damit zu tun und warum schlagen in Bayern besonders viele Blitze ein?

Über dieses Thema berichtet: Bayern-1-Nachrichten am .

Nach Tagen mit Temperaturen deutlich über 30 Grad – in diesem Sommer regional oft sogar weit über 35 Grad – zeigt sich in Bayern häufig das gleiche Wetterbild: Am Nachmittag oder Abend türmen sich dunkle Wolken auf, kurz darauf folgen kräftige Gewitter mit Starkregen, Hagel, Sturmböen. Dass Hitze und Gewitter oft gemeinsam auftreten, ist kein Zufall. Dahinter stecken physikalische Prozesse in der Atmosphäre, die durch den Klimawandel zusätzlich verstärkt werden.

Warme Luft speichert mehr Feuchtigkeit

Der wichtigste Grund für die enge Verbindung zwischen Hitzewellen und Gewittern liegt in einer grundlegenden Eigenschaft warmer Luft: Sie kann deutlich mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte. Meteorologisch gilt die Faustregel: Mit jedem Grad Celsius Erwärmung kann die Atmosphäre rund sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen. Dadurch steht bei Gewittern mehr Feuchtigkeit und damit auch mehr Energie zur Verfügung.

Während einer Hitzewelle verdunstet mehr Wasser aus Böden, Flüssen, Seen und der Vegetation. Hinzu kommt, dass bei einer südwestlichen Höhenströmung häufig feuchtwarme bis heiße Luft aus dem westlichen Mittelmeerraum nach Bayern gelangt. Die Atmosphäre wird dadurch mit zusätzlichem Wasserdampf angereichert – und genau dieser Wasserdampf ist der wichtigste Energielieferant für die Entstehung kräftiger Gewitter.

Gelangt anschließend kühlere Luft nach Bayern oder wird die heiße, feuchte Luft zum Aufsteigen gezwungen, bilden sich innerhalb kurzer Zeit mächtige Quellwolken. Die zuvor gespeicherte Energie wird dabei freigesetzt. Das Ergebnis sind mitunter kräftige Gewitter mit teils heftigem Starkregen, Hagel, Sturmböen bis hin zu orkanartigen Böen oder Orkanböen.

Gewitterland Bayern

Dass Bayern regelmäßig zu den blitzreichsten Regionen Deutschlands zählt, hat auch geografische Gründe. Die Alpen, aber auch die zahlreichen Mittelgebirge wie Bayerischer Wald, Fichtelgebirge oder Rhön begünstigen die Gewitterbildung zusätzlich.

Trifft feuchtwarme oder heiße Luft auf die Gebirge, wird sie zum Aufsteigen gezwungen. Mit zunehmender Höhe kühlt sie sich ab, Wasserdampf kondensiert und Wolken entstehen. Unter den richtigen Bedingungen entwickeln sich daraus kräftige Gewitterzellen, die sich lokal innerhalb kurzer Zeit entladen können.

Klimawandel erhöht Potenzial für Extremwetter

Mit dem Klimawandel werden Hitzewellen häufiger, fallen oft länger und intensiver aus. Dadurch steigt auch das Potenzial für die Bildung kräftiger Gewitter.

Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass es insgesamt häufiger gewittert als früher. Aber man kann beobachten, dass einzelne Gewitter kräftiger und intensiver ausfallen. Weil eine wärmere Atmosphäre mehr Feuchtigkeit speichern kann, steht den Gewittern mehr Energie zur Verfügung. Die Konsequenz sind sehr heftige bis extreme Starkregenereignisse, die innerhalb weniger Minuten ganze Landstriche unter Wasser setzen können. Aber häufig sind die Gewitter nur punktuell – während in einem Ort die Welt untergeht, scheint nur wenige Kilometer entfernt die Sonne.

Hitze führt nicht immer zu Gewittern

Allerdings endet nicht jeder Hitzetag mit Blitz und Donner. Ein Beispiel war die außergewöhnliche Hitzewelle Ende Juni. Damals lag ein stabiles Hochdruckgebiet wie eine Glocke über Mitteleuropa. Die unter dem Hochdruckeinfluss absinkende Luft trocknete so stark ab, dass sich trotz Temperaturen nahe 40 Grad kaum Gewitter bilden konnten.

Erst als der Hochdruckeinfluss nachließ und wieder feuchtere Luft nach Bayern strömte, entwickelten sich teils kräftige Hitzegewitter.

Hitze und Gewitter bleiben ein typisches Sommergespann

Fest steht: Hitzewellen und Gewitter sind meteorologisch eng miteinander verknüpft. Je wärmer und feuchter die Atmosphäre ist, desto größer ist das Potenzial für kräftige Gewitter. Mit der fortschreitenden Erderwärmung nehmen die Voraussetzungen für solche Wetterlagen weiter zu. Heiße Sommertage werden deshalb auch künftig mit teils sehr intensiven Gewittern zu Ende gehen – besonders in einem Gewitterland wie Bayern.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!