Wenn die Temperaturen nachts kaum noch unter 20 Grad sinken, wird das Schlafzimmer schnell zur Sauna. Viele Mieter sehnen sich dann nach einer Klimaanlage. Doch wer eine feste Installation plant, erntet vom Vermieter oft ein klares "Nein". Welche Optionen bleiben Betroffenen in der Sommerhitze?
- Zum Artikel: Was hilft am besten gegen Hitze in der Wohnung?
Mobile Geräte erlaubt, Split-Anlagen genehmigungspflichtig
Die rechtliche Grenze verläuft zwischen mobilen und fest installierten Geräten. "Eine mobile Klimaanlage, die ich transportieren kann, die ich einfach nur hinstelle und deren Schlauch ich aus dem Fenster hänge, kann ich mir als Mieter anschaffen", erklärt Ulrike Kirchhoff, Vorsitzende von Haus + Grund Bayern.
Anders verhält es sich bei den effizienteren Split-Klimaanlagen, die aus einem Innen- und einem Außengerät bestehen. Da hierfür Leitungen verlegt und die Außenwand durchbohrt werden muss, handelt es sich um einen Eingriff in die Bausubstanz. "Das ist eine bauliche Veränderung. Da muss ich den Vermieter fragen, und der kann Nein sagen", so Kirchhoff.
Auch in Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) ist für die Veränderung der Fassade mindestens ein Mehrheitsbeschluss der Eigentümerversammlung nötig. Als baulich leichter umzusetzende Alternative bieten sich mobile Split-Geräte an – doch auch hier muss der Lärmschutz eingehalten werden. Zudem macht die enorme Nachfrage den Kauf derzeit zum Geduldsspiel: Beliebte Modelle sind oft auf Monate ausverkauft.
Warum Vermieter oft bremsen: Lärm und Haftung
Eigentümer lehnen den Einbau selten aus Schikane ab, sondern wegen handfester Risiken. Ein zentraler Punkt ist der Lärm: Das Außengerät darf in reinen Wohngebieten auf dem Nachbargrundstück nachts nicht lauter als 35 Dezibel (dB) sein, tagsüber gelten maximal 50 dB. Gerade preiswertere Geräte halten diese Grenzwerte oft nicht ein, was zu zivilrechtlichen Ansprüchen der Nachbarn führen kann. So droht bei Lärmbeschwerden juristischer Ärger, für den zunächst der Vermieter einstehen muss. Kirchhoff warnt vor einem "unendlichen Hin und Her" und Stress für beide Seiten.
Hinzu kommen finanzielle Faktoren: Die Installation durch Fachpersonal kostet. Zudem schreibt die EU-Verordnung bei größeren Kältemittelmengen eine jährliche Wartung vor. Zwar lässt sich der Einbau über eine Modernisierung auf die Miete umlegen, doch das schreckt wiederum viele Mieter ab.
Experte: Klimaanlagen verstärken Hitzeinseln in der Stadt
Aus ökologischer Sicht bergen Klimaanlagen ohnehin eine gefährliche Paradoxie. Sebastian Koth von der Technischen Universität München (TUM) warnt vor dem sogenannten "Urban Heat Island"-Effekt: "Wenn wir an jedem Fenster ein Split-Gerät hätten, transportieren wir die Wärme einfach in den öffentlichen Straßenraum." Die Stadt heizt sich dadurch weiter auf. Ein Problem vor allem für vulnerable Gruppen wie Ältere oder Kinder.
Zudem ist der weltweite Stromverbrauch von Klimaanlagen enorm. Koth betont, dass in Büros und Haushalten oft aus purem Komfort statt aus gesundheitlicher Notwendigkeit zu stark gekühlt werde.
Experten-Tipps: Kühlen ohne Klimaanlage
Bevor man zur teuren Technik greift, empfiehlt der TUM-Experte passive Maßnahmen: "Ein außenliegender Sonnenschutz bringt viel mehr als alles andere." Rollläden oder Jalousien verhindern, dass die Hitze überhaupt durch die Scheibe dringt. Auch konsequentes Lüften in der Nacht und das Nutzen von Verdunstungskälte (etwa durch feuchte Tücher im Raum) helfen.
Wer keine Klimaanlage hat, kann dem Körper durch einfache Hacks Pausen verschaffen: Viel trinken, die Kleidung leicht anfeuchten und gezielt für 20 Minuten kühle Orte wie den Keller oder die Tiefgarage des Hauses aufsuchen. "Es braucht keine konstant kühle Temperatur für den Körper, sondern Zeiten, in denen er einmal wirklich runterfahren kann", so Koth.
Wer langfristig saniert, sollte zudem über moderne Wärmepumpen nachdenken: Viele Systeme lassen sich im Sommer umkehren und kühlen das Gebäude flächig, ganz ohne störendes Außengerät am Fenster.
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