Ein Vierfachwasserhahn in einem Schrebergarten.
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Wassermangel: Was tun bayerische Städte und Gemeinden?

Wassermangel: Was tun bayerische Städte und Gemeinden?

München geht derzeit hart gegen den Wassermangel vor - mit strikten Verboten und möglichen Bußgeldern. Doch ist das die beste Lösung? Welche Maßnahmen treffen andere Kommunen und was können langfristige Strategien sein?

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio Bayern am .

Die Wasserampel im unterfränkischen Markt Goldbach steht aktuell auf "gelb". Das bedeutet: Der Trinkwasserverbrauch liegt auf einem hohen Niveau, Bürgerinnen und Bürger werden zu einem sparsamen Verbrauch aufgerufen.

Wasserampel: Gemeinde setzt auf freiwilliges Umdenken

Über den aktuellen Wasserstand informiert nicht nur die Homepage des Marktes, sondern auch Ampelplakate am Ortseingang und am Rathaus. Außerdem wird der aktuelle Stand der Ampel auch regelmäßig auf Social Media veröffentlicht.

Ob und wie viele Liter Wasser dadurch bisher schon eingespart wurden, lässt sich noch nicht eindeutig sagen, erklärt Sandra Rußmann, die 1. Bürgermeisterin des Marktes Goldbach. Aber eines zeigt sich schon jetzt: "Was wir absolut mit der Ampel erreichen, ist die Diskussion in der Bevölkerung. Also einfach das Nachdenken über einen moderaten Wasserverbrauch".

Sieben Kommunen im Aschafftal haben die Wasserampel im vergangenen Jahr eingeführt. Sie hat vor allem einen Charakter der Bitte und will die Menschen dafür sensibilisieren, mit Wasser bewusster umzugehen.

"Wollten nicht das Denunziantentum fördern"

Die unterfränkischen Kommunen haben sich bewusst gegen eine strikte Allgemeinverfügung mit möglichen Bußgeldern entschieden, so wie es aktuell in München der Fall ist, erklärt Sandra Rußmann: "Wir haben lange hin und her überlegt, aber wir würden dadurch das Denunziantentum fördern. Der Nachbar würde seinen Nachbarn ankreiden: 'Der hat aber Auto gewaschen, der hat seinen Rasen bewässert'".

Und dann sei auch unklar gewesen, wie die Einhaltung der Regeln von Privathaushalten überhaupt kontrolliert werden sollte. "Der eine oder andere Jurist hat uns tatsächlich auch davor gewarnt. Wenn wir es ganz scharf sanktionierten, dass auch mit Klagen zu rechnen wäre", so die Bürgermeisterin.

Hydrologe: Maßnahmen zu einseitig auf Privathaushalte fokussiert

Für Harald Kunstmann, Professor für Klima und Hydrologie an der Uni Augsburg, sind solche transparenten Modelle über den aktuellen Wasserstatus ein guter Ansatz, um die Menschen zum Wassersparen zu motivieren.

Dem Experten sind einige der aktuellen Maßnahmen aber zu einseitig auf die Privathaushalte fokussiert, denn die Einsparmöglichkeiten seien dabei begrenzt: "Diese Einsparung, die wir privat erreichen können, die müssen probiert werden. Das ist selbstverständlich, dass wir keine Pools mehr füllen. Doch mir ist es zusätzlich wichtig, die Verhältnisse darzustellen", so der Hydrologe und er fordert: "Wir müssen zusätzlich zu den Privathaushalten auch Gewerbe, Landwirtschaft oder Industrie mit berücksichtigen und auch hier den Appell zum Wassersparen anbringen".

Es braucht langfristige Lösungen

Gärtnereien und die Landwirtschaft brauchen das Wasser im Moment, das steht außer Frage. Andere Gewerbe hingegen könnten leichter Wasser sparen: Indem in Hotels beispielsweise weniger häufig Handtücher gewechselt werden oder in Gaststätten Spülmaschinen nur voll beladen laufen.

Auch öffentliche Brunnen brauchen durch Verdunstung permanent Wasser. Vor allem wenn sie - wie viele historische Brunnen - direkt am städtischen Frischwassernetz hängen. Die Landeshauptstadt München hat deshalb als Wassersparmaßnahme bereits Ende Juni mehrere wasserintensive Zierbrunnen abgeschaltet.

Der Hydrologe Harald Kunstmann fordert, langfristig umzudenken. Indem Regenwasser statt Trinkwasser für die Bewässerung genutzt wird und Städte und Gemeinden dafür sorgen, dass mehr Grundwasser vorhanden ist. Eine wichtige Maßnahme dafür sei, möglichst viele Flächen zu entsiegeln und sogenannte "Schwammstädte" zu entwickeln. "Auf der anderen Seite gilt es natürlich den Verbrauch von Trinkwasser zu reduzieren", sagt er. Es müssten alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, Wasser aufzufangen.

Lösungsansätze: Zisternen, Moore, renaturierte Flussauen

Wegen der zunehmenden Trockenperioden gewinnen in Bayern auch Zisternen an Bedeutung. In Nürnberg wurden in den vergangenen Jahren Regenauffangbecken unter zentralen Plätzen verbaut, auch in anderen Städten in Bayern. Das Regenwasser wird dann nicht über die Kanalisation sofort abgeleitet, sondern gespeichert und für die Bewässerung von Bäumen oder Grünflächen benutzt.

Auch außerhalb der Städte wird in Bayern mittlerweile vielerorts in den Wasserrückhalt investiert, um das Sinken der Grundwasserspiegel und das Austrocken der Böden zu verhindern. So werden auch trockengelegte Moore wieder vernässt oder Flussauen renaturiert.

Wassermangel ist Thema bei "Sonntags um elf" im BR24 Radio. Diskutieren Sie mit uns ab 11 Uhr unter der kostenfreien Nummer 0800 80 80 789 - die Telefone sind ab 10 Uhr geschaltet.

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