Viele Wege im Schulsystem
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Das Schulsystem - viele Anforderungen

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Weg vom Verlierer-Image: Mittelschule in Franken engagiert sich

Weg vom Verlierer-Image: Mittelschule in Franken engagiert sich

Mittelschulen in Bayern haben mit einem schlechten Image zu kämpfen. Eine Mittelschule im mittelfränkischen Eckental will das nicht hinnehmen, folgt dem Motto: "Jammern hilft nicht" - und handelt.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Franken am .

Derzeit gibt es in Bayern 937 Mittelschulen mit rund 207.200 Schülerinnen und Schülern. Im Vergleich zum vorherigen Schuljahr sind das etwa 5.000 mehr. Doch auf lange Sicht ist die Entwicklung eine andere: Während die Schülerzahlen in den Gymnasien stetig steigen, sinken sie in Bayerns Mittelschulen. Im Jahr 2000, als sie noch Hauptschulen hießen, zählten diese Schulen im Freistaat noch mehr als 300.000 Schülerinnen und Schüler (externer Link).

"Verlierer-Image passt nicht"

Die Mittelschule Eckental im Landkreis Erlangen-Höchstadt ist in einem modernen, eckigen rot-weißem Gebäude untergebracht. Die Aula ist hell, mit beweglichen Tischen, an denen sich Schülerinnen und Schüler auf Bänke setzen können. Hier treffen sich drei Schüler und eine Schülerin aus der 10. Klasse und sprechen über das Image von Mittelschulen. In ihrem Freundeskreis würden keine abfälligen Bemerkungen darüber gemacht, berichten sie, in den sozialen Medien dagegen schon. Die 16-jährige Marisa spricht vom "Verlierer-Image". Doch das treffe nicht zu.

Werkstattgespräche mit Politikern und Unternehmerinnen

"Jammern hilft nicht", dachten sich die langjährige Mittelschullehrerin Barbara Maier und die frühere Elternbeiratsvorsitzende Astrid Marschall. Und starteten 2022 die Werkstattgespräche, zu denen sich Politikerinnen und Politiker, ehemalige Schüler, Männer und Frauen aus Unternehmen treffen sollen. Einmal im Jahr kommen sie in der Mittelschule Eckental zusammen. "Uns ist es ein Anliegen, dass die gesellschaftlichen Gruppen ins Gespräch kommen und auf Probleme aufmerksam werden", sagt Barbara Maier.

"Wörter wie Kaugummi" – Hilfe für Enya

Durch ein solches Werkstattgespräch konnte auch der 14-jährigen Enya geholfen werden. Sie hat eine Lese-Rechtschreibschwäche, Legasthenie. Manchmal habe sie eine Blockade, Wörter erschienen wie Kaugummi, erzählt die Schülerin. Die Lehrerinnen und Lehrer an der Mittelschule Eckental haben sie unterstützt, ihr Texte vorgelesen. Doch das durften sie laut Jugendamt ab der 7. Klasse nicht mehr. Bei einem Werkstattgespräch wurde ihr Fall diskutiert und eine Lösung gefunden. Nun darf Enya einen Vorlesestift in der Schule benutzen. Wie mit einem Textmarker fährt sie damit über einzelne Zeilen. Über Kopfhörer hört sie die Texte.

Imagefilm als Rundgang durch die Schule

In Mittelschulen steht die Berufs- und Praxisorientierung im Vordergrund. Für das Werkstattgespräch vor zwei Jahren produzierten Schülerinnen und Schüler einen Imagefilm über ihre Schule und zeigten, was sie hier lernen: etwa Feilen und Sägen in der Schreinerwerkstatt, professionelles Tippen mit zehn Fingern oder Kochen in der geräumigen Küche. Es gibt eine Schülerband und eine Technikgruppe. Außerdem begleiten durch das Klassenlehrerprinzip die Lehrkräfte ihre Schüler über längere Zeit. Der 16-jährige Bjarne engagiert sich ehrenamtlich an seiner Schule und kommt gerne hierher: "Ich finds toll hier".

Unterschiede zwischen Stadt und Land

Die Mittelschule Eckental hat 310 Schülerinnen und Schüler, die Stadt hat gut 14.500 Einwohner. Auf dem Land haben Mittelschulen einen anderen Stellenwert als in Städten. In Landkreisen wechseln mehr Grundschüler auf die Mittelschulen als in den Städten. Zudem setzen sich die Klassen anders zusammen, auch das prägt eine Schule. Beispielsweise brauchen Kinder mit Sprachbarrieren mehr Unterstützung. In Städten ist beispielsweise der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund höher als in ländlichen Gebieten.

Personal fehlt auch an Mittelschulen

Den Mittelschulen fehlt das Personal. Die Bedarfsprognose hat für das aktuelle Schuljahr eine Lücke von 800 Vollzeitkräften in Bayern errechnet. Immer weniger studieren Lehramt für die Mittelschule. Der Verdienst an der Mittelschule sollte mit dem für Lehrkräfte an Gymnasien vergleichbar sein, sagt Gerhard Mayer, Rektor der Mittelschule Eckental. Inzwischen schickt das Bayerische Kultusministerium Lehramtsbotschafter an Gymnasien und Hochschulen, um für das Lehramt-Studium für die Mittelschule zu werben. Doch Geld sei nicht alles, sagt Mayer. Im Gespräch zeigt sich: Er ist überzeugt von seinem Beruf und wirbt für Mittelschulen, nicht nur für seine eigene. Es sei eine sinnvolle Arbeit, Kindern zu helfen, um ihnen eine gute Zukunft zu ermöglichen.

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