Die Vergabe der Wiesnzelte erfolgt heuer unter schwierigen Bedingungen: Zwar hat der Stadtrat am Montag dazu die erwarteten Beschlüsse gefasst. Diese stehen aber unter Vorbehalt, weil die bisher gängige Vergabepraxis auf Betreiben eines Gastronomen-Paars gerade juristisch überprüft wird. Konkret geht es dabei momentan um das Paulaner und das Schottenhamel-Zelt.
Zeltvergabe historisch gewachsen
Das Schottenhamel-Zelt, in dem auch immer das offizielle Anzapfen stattfindet, gehört der Familie Schottenhamel und wird von dieser auch seit fast 160 Jahren geführt. Sie muss sich für das Oktoberfest aber trotzdem jedes Jahr neu bewerben und wird dann nach einem Punktesystem der Stadt bewertet. Auch heuer soll sie zum Zug kommen. Das Paulaner-Festzelt wiederum ist in der Hand der Brauerei und damit "gesetzt". Über den Wirt entscheidet die Brauerei selbst. Nach dem Rückzug von Arabella Schörghuber soll nun Lorenz Stiftl ihr Nachfolger werden.
Die Art der Vergabe an Brauereien und Wirte ist historisch gewachsen. Die Kriterien seien aber nicht nachvollziehbar, findet der Gastronom Alexander Egger. Das Ehepaar Wickenhäuser-Egger betreibt auf der Wiesn das kleine "Münchner Stubn"-Zelt, hätte gerne ein größeres Zelt, wurde außen vor gelassen und stellt nun die bisherige Vergabe-Praxis in Frage – am Beispiel des Paulaner- und des Schottenhamel-Zelts.
Giesinger Bräu will auf die Wiesn
Die Stadt müsse sich nach europäischem Vergaberecht richten, so die Argumentation. Das würde eine EU-weite Ausschreibung der Plätze bedeuten. Die Angelegenheit wird derzeit noch von der Vergabekammer Südbayern geprüft. Lorenz Stiftl teilt auf Anfrage von BR24 aber mit: "Unsere Planungen gehen normal weiter."
Das Volkssängerzelt "Schützenlisl" auf der Oidn Wiesn ist von dem Streit um Standplätze auf dem klassischen Oktoberfest nicht betroffen. Michael Bietsch, Florian Fendt und Manfred Kneifel dürfen es nach dem Beschluss des Stadtrats übernehmen, nachdem Lorenz Stiftl es wegen des Wechsels auf die klassische Wiesn aufgegeben hat. Bietsch galt schon länger als Favorit für die Nachfolge. Er betreibt seit 2019 die historische Kegelbahn neben der "Schützenlisl".
Einen Platz auf dem Oktoberfest hätte gerne auch das Giesinger Bräu als siebte Münchner Brauerei – allerdings noch nicht heuer. Derzeit läuft ein Bürgerbegehren. Der neue Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) sagte im BR24-Interview vor kurzem, dass einer Bewerbung grundsätzlich nichts im Wege stehe. Der Ball liege nun bei Giesinger.
Maßnahmen gegen Überfüllung
Bei den Sicherheitsmaßnahmen hat der Stadtrat nachgeschärft. Auf keinen Fall soll es mehr zu einer kritischen Überfüllung des Geländes kommen. Neu geplant sind etwa ein Koordinierungs- und Beobachtungszentrum im bisherigen Fundbüro sowie eine Videoüberwachung zur "Früherkennung von neuralgischen Punkten innerhalb von Teilbereichen auf dem Festgelände".
Um den Besuch der Wiesn auch unter der Woche für internationale Gäste attraktiver zu machen, soll die Musik in den Zelten eine Stunde früher beginnen dürfen. Das soll Überfüllungen vor allem am Wochenende vorbeugen.
Champagnerduschen verboten
Beschlossen wurde auch, dass es keine "Schampus-Duschen" mehr geben darf. Berichte über ausgelassenes Champagner-Spritzen hatte es zuletzt vor allem aus zwei Zelten gegeben. Die Stadträte empfinden solches Verhalten nicht nur als Lebensmittelverschwendung, es entspreche auch nicht "der Tradition und Strahlkraft des Oktoberfests", hieß es in der Vorlage für die Sitzung.
Erlaubt bleiben soll dagegen – trotz Sorgen nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana – das Abbrennen von Wunderkerzen am letzten Wiesnabend.
Mit Informationen von dpa
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