Heimat symbolisieren und ein Gefühl von Identität schaffen – das sei der Zweck des Immateriellen Kulturerbes in Bayern, so Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (CSU). Mit 19 neuen Eintragungen umfasst das Bayerische Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes nun insgesamt 103 Einträge.
Ein Theater auf dem Oktoberfest wurde auch gewürdigt, während die Wiesn als Ganzes noch auf den Status wartet. Das läge vor allem daran, dass für das größte Volksfest der Welt bislang keine Bewerbung vorlag, sagt Helmut Groschwitz, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Beratungs- und Forschungsstelle Immaterielles Kulturerbe Bayern.
München: Varieté-Theater auf Oktoberfest
Bereits in das Landesverzeichnis aufgenommen worden sind das Oktoberfest-Landesschießen und das Armbrustschießen. Jetzt kommt noch das historische Varieté-Theater "Auf geht's beim Schichtl" dazu. Das älteste Theater auf dem Münchner Oktoberfest sei "so unerlässlich wie das Bier, der Radi und die Hendl", sagte einmal der frühere Oberbürgermeister Christian Ude über die makabere Gaudi-Show. Das Konzept ist seit den Anfängen im Jahr 1869 gleichgeblieben. Höhepunkt einer jeden Vorstellung ist die "Enthauptung einer lebenden Person auf offener, hell erleuchteter Bühne mittels Guillotine".
Sauerlach: Sankt-Anna-Fest in Staucharting
Ein weiterer Neuzugang in das Bayerische Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes ist das Sankt-Anna-Fest in Staucharting in der Gemeinde Sauerlach. Die drei Kilometer lange Wallfahrt zu Fuß und zu Pferd, existiert seit 1692. Um die 4.000 Menschen kommen zum Umritt und zur Segnung der Pferde, Gespanne und Wagen.
Gerade für weniger bekannte Traditionen könne es, so Groschwitz, gute Werbung sein, Teil des Immateriellen Kulturerbes zu werden. Selten bestehe in Bayern das Risiko, dass durch den Status zu große Menschenmengen angezogen werden.
Pfaffenhofen: Festzug Wolnzach
Eine der Neuaufnahmen hat theoretisch über 1.700 Geehrte. So viele Mitwirkende hat der historische Festzug Wolnzach im Landkreis Pfaffenhofen. Fast die gesamte Geschichte Wolnzachs wird von den Einwohnern in Kostümen aufgeführt. Beginnend bei den Römern, über den Urahn mit dem keltischen Namen Welamot bis zum Anbau des Hopfens, erst als Tee genutzt und etwas später dann für das Bier. Der Festzug Wolnzach soll das nächste Mal im Sommer 2030 durch die Stadt ziehen.
Dachau: 150 Jahre alte Künstlerkolonie
Auch die Stadt Dachau wird in diesem Jahr mit ihrer seit eineinhalb Jahrhunderten existierenden Künstlervereinigung in das Landesverzeichnis aufgenommen. Vor allem für die Freilichtmalerei waren die Künstler über Dachau hinaus bekannt und zogen Studenten in Scharen an. Aber auch gestandene und berühmte Maler kamen nach Dachau, wie Max Liebermann, Lovis Corinth und Franz Marc. Heute bereichern die Mitglieder der Vereinigung laut Finanzministerium das kulturelle Leben Dachaus durch Ausstellungen, Wettbewerbe, Kunst-am-Bau-Aktionen, Schulprojekte, eine Druckwerkstatt und eine eigene Galerie. Zudem setzen sie sich mit Dachau als Ort des ersten Konzentrationslagers auseinander.
"Symbolisches Kapital" durch Immaterielles Kulturerbe
Um in Bayern Teil des Immateriellen Kulturerbes zu werden, können Gruppen oder Einzelpersonen einen Aufnahmeantrag beim Bayerischen Finanzministerium einreichen. Die Bewerbungen werden auf Grundlage des Übereinkommens von einem unabhängigen Expertengremium begutachtet. Auf Basis dieser Empfehlung wird über eine Aufnahme entschieden.
Direkte finanzielle Vorteile entstehen durch einen Eintrag in das Bayerische Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes nicht. "Es gibt keine unmittelbare Förderung. Es gibt keinen Rechtsschutz, aber auch keine Rechtspflicht. Es ist zunächst einmal nur ein symbolisches Kapital", so Groschwitz von der Beratungsstelle Immaterielles Kulturerbe Bayern.
Würdigung der Arbeit der rund 5.600 Schaustellerfamilien und der Bedeutung der seit über 1.200 Jahren gelebten Volksfestkultur in Deutschland.
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