Ein Schild mit der Aufschrift "Bundesagentur für Arbeit" steht einem vollen Wartezimmer im Jobcenter.
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Die Zahl der Arbeitslosen in Bayern ist im Januar auf den höchsten Wert in diesem Monat seit 16 Jahren gestiegen. (Symbolbild)
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Die Zahl der Arbeitslosen in Bayern ist im Januar auf den höchsten Wert in diesem Monat seit 16 Jahren gestiegen. (Symbolbild)

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Weiter keine Trendwende auf bayerischem Arbeitsmarkt in Sicht

Weiter keine Trendwende auf bayerischem Arbeitsmarkt in Sicht

Der Abwärtstrend auf dem bayerischen Arbeitsmarkt verlangsamt sich, aber eine Trendwende ist nicht in Sicht. Auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sinkt leicht. Daran ist aber nicht nur die wirtschaftliche Lage schuld.

Über dieses Thema berichtet: Bayern-2-Nachrichten am .

Die Zahl der Arbeitslosen in Bayern ist im Januar auf den höchsten Wert in diesem Monat seit 16 Jahren gestiegen. Das teilt die Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit in ihrem aktuellen Monatsbericht mit. Mehr Arbeitslose in einem Januar hat es demnach zuletzt im Jahr 2010 gegeben.

Abwärtstrend am Arbeitsmarkt verlangsamt sich

Die Zahl der Arbeitslosen betrug im Januar 344.777, das sind 33.982 mehr als im Dezember. Die Quote stieg um 0,4 Prozentpunkte auf jetzt 4,4 Prozent. Dieser Anstieg ist saisonüblich, da sich viele Arbeitskräfte aus der Baubranche sowie der Land- und Forstwirtschaft im Winter vorübergehend arbeitslos melden. Die Arbeitslosenquote ist aber auch im Vergleich zum Januar vor einem Jahr gestiegen, um 0,2 Prozentpunkte.

Auch wenn sich der Abwärtstrend am bayerischen Arbeitsmarkt verlangsame, entspanne sich die Lage bisher nicht, sagt der stellvertretende Chef der bayerischen Arbeitsagenturen, Peter Michel. Die Chancen für Arbeitslose, einen neuen Job zu finden, seien im Januar weiter gesunken, so Michel weiter.

Beschäftigung sinkt leicht – nicht in allen Branchen

Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, die sich lange trotz steigender Arbeitslosenzahlen positiv entwickelt hatte, sinkt inzwischen ebenfalls, wenn auch nur leicht. Zum Stichtag im vergangenen November waren in Bayern 6,01 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das sind 4.700 oder 0,1 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Als Grund für den Rückgang nennt der stellvertretende Chef der bayerischen Arbeitsagenturen, Michel, nicht nur die momentan schwierige wirtschaftliche Lage. Auch der demographische Wandel trage zum Beschäftigungsabbau bei. Die so genannten Baby-Boomer gehen in Rente. In den einzelnen Branchen ist die Situation unterschiedlich. Vor allem in der Zeitarbeit und im verarbeitenden Gewerbe geht Beschäftigung verloren. Im Gesundheits- und Sozialwesen wächst die Zahl der Beschäftigten dagegen weiter.

Schwaben bleibt Spitzenreiter – Stellenaufbau in der Rüstung

Im Vergleich der bayerischen Regierungsbezirke nimmt Schwaben weiterhin den ersten Platz ein. Es ist der einzige Regierungsbezirk mit einer Arbeitslosenquote unter vier Prozent. Die Quote dort liegt aktuell bei 3,9 Prozent. Neben einem guten Mix aus mittelständischen Unternehmen profitiert Schwaben nach Michels Worten auch vom momentanen Stellenaufbau in der Rüstungsindustrie. In Schwaben gebe es mehrere große Firmen, die auf der Suche nach Arbeitskräften seien, so Michel weiter.

Den zweiten Platz unter den Regierungsbezirken teilen sich die Oberpfalz und Unterfranken mit einer Quote von jeweils 4,3 Prozent. Das Schlusslicht Mittelfranken weist im Januar als einziger Regierungsbezirk eine Arbeitslosenquote mit einer fünf vor dem Komma auf, nämlich 5,0 Prozent.

In vielen fränkischen Städten ist die Quote hoch

Verantwortlich für die schlechte Quote in Mittelfranken ist vor allem die Situation in der Stadt Nürnberg. Der Strukturwandel, also der Abbau von Industriearbeitsplätzen, wirke in Nürnberg immer noch nach, so der stellvertretende Vorsitzende der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit, Peter Michel. Und auch der ebenfalls starke Dienstleistungssektor in Nürnberg leide unter der wirtschaftlichen Schwäche.

Die Stadt Nürnberg verzeichnet im Januar eine Arbeitslosenquote von 7,6 Prozent. Das ist aber nicht die höchste Quote in Bayern. Die weist im Januar die Stadt Hof mit 8,3 Prozent auf. In Hof haben laut Michel vor allem Firmen im Versandhandel Arbeitsplätze abgebaut. In dieser Branche arbeiten viele Geringqualifizierte, die es in der momentanen Situation besonders schwer haben, einen neuen Job zu finden.

Ebenfalls hoch sind die Quoten beispielsweise in der Stadt Aschaffenburg mit 7,8 Prozent, in der Stadt Schweinfurt mit 7,6 Prozent oder in der Stadt Coburg mit 7,7 Prozent. Auch Weiden in der Oberpfalz weist eine Quote von über sieben Prozent auf, nämlich 7,1 Prozent. Die Landeshauptstadt München steht mit einer Quote von 5,7 Prozent im bundesweiten Vergleich der Großstädte gut da.

Vier Landkreise mit Arbeitslosenquote unter drei Prozent

Die niedrigste Arbeitslosenquote weist im Januar der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen auf, mit 2,5 Prozent. Danach folgen die Landkreise Unterallgäu und Roth mit jeweils 2,6 Prozent und der Landkreis Donau-Ries mit 2,7 Prozent. Eine Arbeitslosenquote unter drei Prozent entspricht nach Definition der Arbeitsagenturen Vollbeschäftigung.

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