Etwa jedes zehnte Neugeborene in Deutschland ist ein Frühchen. In der mit jährlich rund 3.300 Geburten größten Entbindungsklinik in Bayern ist man darauf vorbereitet: Im Augsburger Josefinum werden sie stabilisiert und unterstützt.
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Etwa jedes zehnte Neugeborene in Deutschland ist ein Frühchen.

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Wenn der Start ins Leben auf der Intensivstation beginnt

Wenn der Start ins Leben auf der Intensivstation beginnt

Auf der Intensivstation des Augsburger Josefinums kämpfen Ärzte- und Pflegeteams manchmal Wochen um das Leben von Frühgeboren. Viele der ehemaligen Frühchen kommen später mit ihren Familien einmal im Jahr ans Josefinum zurück – um zu feiern.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Schwaben am .

Im Garten des Josefinums in Augsburg drehen Kinder ihre Runden auf dem Karussell, lassen sich schminken oder stehen geduldig vor dem Kasperltheater an. Dass viele von ihnen einmal um ihren Start ins Leben kämpfen mussten, ist kaum zu erkennen. Beim Sommerfest der Klinik treffen sich Familien, deren Kinder als Frühchen geboren wurden. Für viele ist es ein Wiedersehen mit dem Team, das sie in einer der schwierigsten Phasen ihres Lebens begleitet hat.

Rückkehr ans Josefinum: Wiederbegegnung und Kennenlernen

Für eine junge Familie mit den Zwillingen ist das Sommerfest die erste Rückkehr an den Ort, an dem ihre Kinder mehrere Wochen lang behandelt wurden – zeitweise auf der Frühgeborenen-Intensivstation. Heute geht es vor allem darum, andere Eltern kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und den Ärztinnen, Ärzten sowie Pflegekräften wieder zu begegnen.

Wochen zwischen Hoffen und Bangen

Ähnliche Erinnerungen haben Maria Zipperer aus Monheim und Sonja Rothbauer aus Wörnitzostheim. Zipperers zwei Töchter kamen ebenfalls zu früh zur Welt. Heute sind sie gesund, die ältere trainiert sogar Akrobatik. Rothbauers Tochter Amelie wurde 16 Wochen vor dem errechneten Termin geboren und verbrachte zunächst drei Monate im Inkubator. "Sein Kind nicht auf die Brust gelegt zu bekommen, sondern im Glaskasten liegen zu haben – das ist schon schwer", sagt sie.

Frühgeburten sind keine Seltenheit

Julia Bader und Maurice Landherr aus Augsburg sind quasi von einer Minute auf die andere Eltern geworden – gefühlt zumindest. Das junge Paar saß beim Vorsorgetermin, und dort stellte sich heraus, dass bei Julia, schwanger mit Zwillingen, der Muttermund schon deutlich geöffnet war. Der Arzt schickte sie deshalb umgehend in die Klinik. "Wir waren in der 30. Schwangerschaftswoche und noch gar nicht richtig vorbereitet. Wir hatten noch nicht einmal eine Krankenhaustasche gepackt", erinnert sich Papa Maurice Landherr.

Drei Stunden später waren die Buben da. Sie mussten noch mehrere Wochen unter anderem im Brutkasten betreut werden. Heute sind Kian und Elija fast vier Monate alt, fit und wohlauf. "Der eine ist eher Modell Rebell, der andere eher Typ Diva", so beschreibt der Vater sie mit einem Schmunzeln. Er freue sich über sein erstes "Frühchenfest", weil er da Familien sehe, die in der gleichen Situation wie er und seine Frau gewesen seien: "Weil die Leute da das auch wirklich nachempfinden können, wie das ist, so plötzlich komplett überrumpelt zu werden, vom Leben, wenn die Babys zu früh kommen".

In Deutschland kommt etwa jedes 11. bis 12. Neugeborene zu früh auf die Welt – die Frühgeburtenrate liegt aktuell bei rund sechs bis acht Prozent, je nach Datenquelle und Jahr. Die Techniker Krankenkasse (TK) berichtet für das Jahr 2024 sogar von nur 6 Prozent, dem niedrigsten Stand seit 2017.

Weltweit variiert die Rate stark: Besonders hoch ist sie in Teilen Afrikas und den USA, besonders niedrig in einigen osteuropäischen Ländern. Künstliche Befruchtung kann das Risiko für eine Frühgeburt erhöhen. Auch Zwillingsschwangerschaften spielen laut Experten eine Rolle: Mehrlinge kommen häufiger als Frühchen zur Welt als Einlinge.

Moderne Medizin verbessert die Chancen

Das Josefinum ist mit rund 3.300 Geburten im Jahr nach eigenen Angaben Bayerns größte Geburtsklinik. Auf der neonatologischen Intensivstation mit 16 Behandlungsplätzen werden jährlich mehr als 350 Frühgeborene sowie rund 1.000 Neugeborene versorgt. Bei Bedarf können dort sogar Babys mit einem Geburtsgewicht von weniger als 750 Gramm operiert werden.

Neonatologe Alexander Praus erlebt täglich, wie entscheidend die ersten Stunden und Tage nach einer Frühgeburt sind. Die Überlebenschancen hätten sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, sagt er auf dem Frühchenfest in Augsburg: "Das macht einen einfach zufrieden, weil da auch Kinder dabei sind, für die man gekämpft hat." Auch für Praus und sein Team sei das Sommerfest deshalb etwas Besonderes.

Dieser Artikel ist erstmals am 28. Juli 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel aktualisiert und erneut publiziert.

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