Die Sonne geht gerade erst auf, als sich an der Günz gespannte Blicke aufs Wasser richten. Nebel liegt über dem Fluss, das Ufer ist still. Doch unter der Oberfläche beginnt ein seltenes Naturschauspiel: Die Nasen ziehen zu ihren Laichplätzen. Für die Mitarbeiter des Schwäbischen Fischereihofs in Salgen zählt jetzt jede Minute. "Wir dürfen den Moment auf keinen Fall verpassen", sagt einer aus dem Team. Denn nur wenige Stunden im Jahr sammeln sich die Tiere hier zum Laichen.
Ein Wettlauf am Flussufer
Dann plötzlich Bewegung im Wasser. Die ersten Fische nähern sich dem Kiesbett. Mit Strom werden sie kurz betäubt, vorsichtig aus dem Wasser gehoben und in Wannen gesetzt.
"Ein Weibchen war mit dabei – kannst du die zurücksetzen ?", ruft jemand über das Rauschen des Flusses hinweg. Direkt am Ufer beginnt die eigentliche Arbeit. Isabell Schwegel und Mattis Schumann streifen den Weibchen behutsam die Fischeier ab. "Hervorragend, wunderbar – ja, echt ein Traum", sagt einer der Fischereiexperten, während sich die orangefarbenen Eier in der Schüssel sammeln.
Kurz darauf folgt die Befruchtung. "Dann geben wir jetzt die Milch dazu – die sind tatsächlich sehr ergiebig und sehr schön", heißt es zufrieden. Danach dürfen die Nasen zurück in die Günz.
Hoffnung im Bruthaus
Wochen später herrscht im Bruthaus des Fischereihofs erneut Spannung. In Glasgefäßen schwimmen winzige Brütlinge, kaum größer als ein Zentimeter. "Wir haben hier die sogenannten Augenpunkt-Eier im letzten Stadium und die schlüpfenden Brütlinge", erklärt Fischereifachberater Oliver Born. Zwischen leeren Eihüllen zucken die jungen Fische durchs Wasser.
Die Nase gehört zu den am stärksten gefährdeten Fischarten Bayerns. Dabei ist sie wichtig für das gesamte Ökosystem. Mit ihrem Rüsselmaul entfernt sie Algen vom Kies – und schafft damit Bedingungen, damit andere Fischarten dort ihre Eier ablegen können.
"Wir müssen Lebensräume herstellen"
Die künstliche Nachzucht allein werde aber nicht reichen, sagt Born. "Wir müssen für diese Fische Lebensräume in den Gewässern herstellen, damit sie sich draußen wieder selbst vermehren können." Denn viele Flüsse und Bäche in Bayern sind heute begradigt, kanalisiert oder durch Wehre und Wasserkraftwerke unterbrochen. Wanderwege fehlen, Kiesflächen verschwinden. Auch Stefan Zott vom schwäbischen Fischereiverband fordert mehr politischen Einsatz: "Mehr Investitionen in den Rückbau zerstörter Gewässer und mehr Wille zum Erhalt der Natur." Damit das Wasser vielleicht irgendwann wieder an vielen Orten so brodelt wie Anfang April an der Günz.
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