Alexander Brumme und Café-Gründer Steven Henze (v.l.) besprechen in der Küche die anstehenden Aufgaben.
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Wie Inklusion im Berufsleben erfolgreich funktionieren kann, zeigt jetzt ein mutiger Unternehmer aus Würzburg.
Bildrechte: BR/ Carolin Hasenauer
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Wenn Inklusion funktioniert: Vom Café zum Millionenprojekt

Wenn Inklusion funktioniert: Vom Café zum Millionenprojekt

Barrierefreiheit heißt für einen Würzburger Gründer nicht nur Rampenbauen, sondern einen Job mit Sozialversicherung anbieten. Denn für Menschen mit Behinderung ist der Weg in den regulären Arbeitsmarkt oft schwierig. Jetzt hat er nochmal investiert.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

50 Panini muss Alexander Brumme heute noch belegen. Tomate-Mozzarella, Grillgemüse und mediterran. Die Rezepte kann er längst auswendig. Er arbeitet seit gut zwei Jahren im Café Senza Limiti in der Würzburger Innenstadt. Als einer von acht Menschen mit Behinderung.

Senza Limiti – ein Café, in dem nicht nur italienisches Lebensgefühl im Business-Konzept steht, sondern auch Inklusion. Für Menschen mit Behinderung ist der Weg in den regulären Arbeitsmarkt oft schwierig. Viele arbeiten in Werkstätten. Nicht allen gefällt das. Café-Betreiber Steven Henze war deshalb von Anfang an klar: Barrierefreiheit heißt auch, einen echten Job anzubieten.

Lohnkosten werden staatlich gefördert

Rund 30 Menschen, acht von ihnen mit Schwerbehinderung, arbeiten hier mittlerweile im Team zusammen. Das rechnet sich auch wirtschaftlich. Unter anderem, weil Henze als Arbeitgeber einen finanziellen Lohnkostenzuschuss vom Inklusionsamt bekommt. "Die Menschen mit Behinderung werden zum Teil individuell geprüft und so die Minderleistung festgestellt. Danach richtet sich ein Teil der Förderhöhe", erklärt Henze. Das Café ist somit offiziell ein Inklusionsbetrieb, in dem mehr als 30 Prozent der Mitarbeitenden eine Behinderung haben.

Zur Einordnung: Die meisten beschäftigungspflichtigen Unternehmen (mehr als 20 Arbeitsplätze) in Deutschland beschäftigen weniger als fünf Prozent Menschen mit Schwerbehinderung. Sie müssen dafür eine Ausgleichsabgabe zahlen, die wiederum über das Inklusionsamt in den Lohnkostenzuschuss für Henzes Mitarbeiter fließt.

"Ich hab dran geglaubt"

Als Sozialpädagoge hat der 36-Jährige schon vor der Gründung mit Menschen mit Behinderung gearbeitet. Die Idee zum Café kam ihm während seiner Zeit in Italien. Und dann brauchte es Mut und Geduld: 2021 hatte er nach zwei Jahren Konzept-Phase sein Spendenziel erreicht. "Ich hab halt dran geglaubt." Dass das Café inklusiv ist, dass hier mittlerweile acht Menschen mit Behinderung arbeiten, ist für Gäste gar nicht unbedingt sichtbar – und das soll auch so sein, sagt Henze.

Große Pläne für gelebte Inklusion

Jetzt will der Vater von zwei Kindern noch eins draufsetzen: Für rund eine Million Euro hat er ein gut ein Hektar großes Areal samt ehemaligem Forsthaus gekauft. Die Sanierung wird nochmal gut das Dreifache kosten, schätzt er. Das Projekt soll hauptsächlich über Spenden und Darlehen von Stiftungen, Privatpersonen und Firmen realisiert werden.

Zufällig planen auch Stadt und Landkreis Würzburg aktuell, das Areal drumherum wiederzubeleben und eine "erlebnispädagogische Wald-, Wiesen- und Wasserwelt" zu schaffen. Das Gelände war schon früher ein beliebtes Ausflugsziel: Biergarten, Minigolf, Walderlebnisspielplatz. Seit einigen Jahren wird die Gastronomie hier nicht mehr betrieben – das Areal ist verwahrlost und überwuchert. "Es ist viel Arbeit, klar. Mit dem Café und meiner Familie noch dazu. Aber es ist das, was ich wirklich möchte", sagt Henze.

Ein Job mitten in der Gesellschaft

Geplant ist der Aufbau einer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung und einer inklusiven tiergestützten therapeutischen Einrichtung. Außerdem die Modernisierung des gastronomischen Areals mit Biergarten und Minigolfanlage – hier plant Henze wieder, Menschen mit Behinderung sozialversicherungspflichtig anzustellen. Ein Forst für alle, nennt er das Projekt.

Er weiß, wofür sich die Arbeit lohnt. Für Menschen wie Alexander Brumme etwa. Es war sein erster richtiger Job. Arbeiten bedeutet für Alexander, "dass man seine Rechnungen bezahlen kann. Dass man sich auf eigenen Füßen bewegen kann. Dass man sich was ermöglichen und aufbauen kann und den Alltag zu meistern. Und es ist natürlich auch schön, hier zu sein, unter Menschen."

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Steven Henze mit einem seiner Mitarbeiter, der eigentlich in der Küche arbeitet, aber auch mal im Service aushilft.

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