Bierflasche vor einem Lenkrad.
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Alkohol am Steuer (Symbolbild)
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Männer, Maidult, Mitternacht: Wer wo betrunken am Steuer sitzt

Männer, Maidult, Mitternacht: Wer wo betrunken am Steuer sitzt

Tausende Trunkenheitsfahrten registriert die Polizei in Bayern jährlich. Eine Datenanalyse zeigt, wann Alkoholunfälle besonders häufig sind und wo die meisten Fahrer erwischt werden: Rosenheim liegt bei Unfällen vorn, Niederbayern bei Alkoholfahrten.

Über dieses Thema berichtet: BR24 vor Ort am .

Während auf der Passauer Maidult gefeiert wird, zieht Hauptkommissar Markus Küblböck am Abend des 2. Mai Autos aus dem Verkehr. Gemeinsam mit seinem Team kontrolliert er an der B12 Richtung Bayerischer Wald Fahrerinnen und Fahrer – Schwerpunkt: Alkohol am Steuer. Die Maidult zählt zu den ersten großen Volksfesten des Jahres in Ostbayern, hunderttausende Besucher kommen jedes Jahr, viele mit dem Auto aus dem Umland.

Video: Zwischen Kontrolle und Kontrollverlust - Alkohol am Steuer

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Alkohol am Steuer (Symbolbild)

Dass die Polizei gerade dort verstärkt kontrolliert, ist kein Zufall. Rund um den 1. Mai und den Vatertag häufen sich in Bayern Alkoholunfälle. Allein am Vatertag 2025 registrierte die Polizei 51 solcher Unfälle. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr mehr als 4.800 Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss im Freistaat – mindestens zwei pro Tag. Die Unfalldaten lassen sich bisher noch nicht in Unfälle mit Sach- oder Personenschaden aufteilen. In den vergangenen Jahren hielten sich die Werte in etwa die Waage.

Grafik: So haben sich die Alkoholunfälle entwickelt

So wurden 2024 in Bayern jeweils knapp 2.400 Verkehrsunfälle im Zusammenhang mit Alkohol mit Sach- und Personenschaden erfasst – 33 Menschen starben laut Angaben des bayerischen Landesamtes für Statistik.

In Rosenheim gab es 2024 die meisten schweren Alkoholunfälle je Einwohner

Bei Alkoholunfällen fallen Rosenheim (3,4 Alkoholunfälle mit Personenschaden pro 10.000 Einwohner), Schweinfurt (3,3) und Ingolstadt (3,3) sowie die Landkreise Altötting (3,3) und Forchheim (3,1) auf. Dort gab es 2024 jeweils mehr als drei Alkoholunfälle mit Personenschaden pro 10.000 Einwohner.

Bayernkarte: Alkoholunfälle je Landkreis

Seit Einführung der 0,5-Promille-Grenze im Jahr 2001 ist die Zahl der Alkoholunfälle zwar gesunken, seit etwa zehn Jahren stagnieren die Werte jedoch. "Wer wiederholt betrunken fährt und damit durchkommt, denkt irgendwann kaum noch über Alternativen für den Heimweg nach", sagt Diplompsychologe Thomas Wicke von TÜV Süd Pluspunkt, der jahrelang die Vorbereitungskurse zur medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) betreut hat.

Hinzu komme der Alkohol selbst: "Da funktionieren Vorsicht, Risiko und Vernunft nicht mehr." Hinzu kommt laut Wicke: "Wer wegen Alkohol im Straßenverkehr auffällt, trinkt häufig auch in anderen Situationen über das gesellschaftlich übliche Maß hinaus."

So ging es auch Andreas K. (Name von der Redaktion geändert). Vor knapp 30 Jahren prallte er betrunken gegen ein parkendes Auto und wurde dabei schwer verletzt. Trotzdem fuhr er berauscht weiter. Erst zehn Jahre später, nach einer Polizeikontrolle mit 2,7 Promille, fiel der Groschen. Er verlor erneut seinen Führerschein, musste in die Selbsthilfegruppe. Seit 20 Jahren ist er trocken.

Rund 90 Prozent der Beteiligten sind Männer

Auffällig ist auch, wer alkoholisiert fährt: 87 Prozent der Beteiligten an Alkoholunfällen waren 2024 Männer. Frauen tränken meist weniger und überlegten sich vorher, ob sie fahren müssen oder nicht, sagt Wicke.

Besonders häufig betroffen sind 25 bis 45-Jährige. Junge Fahrerinnen und Fahrer bis 20 fallen dagegen seltener auf. Wicke führt das auch auf die Null-Promille-Grenze für Fahranfänger zurück. Zudem machten junge Menschen in Städten immer seltener einen Führerschein.

Grafik: So unterscheiden sich Alkoholunfälle nach Geschlecht und Alter

Alkoholunfälle meist am späten Abend und am Wochenende

Ab dem späten Nachmittag häufen sich schwere Alkoholunfälle. Besonders häufig passieren sie in den Abendstunden und an Wochenenden. "Dann wenn man eben Zeit zu trinken hat" und "im Sommer geht man schon am Nachmittag in den Biergarten, im Winter eher später in die Kneipe", sagt Wicke.

Grafik: Alkoholunfälle nach Wochentag und Uhrzeit

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Niederbayern bei Alkoholfahrten vorn

Nach Angaben des Innenministeriums verhinderte die Polizei 2025 mehr als 4.100 Fahrten alkoholisierter Fahrerinnen und Fahrer. Gleichzeitig registrierten Beamte über 18.600 Trunkenheitsfahrten ohne Unfall. Etwa die Hälfte davon betraf Menschen mit mindestens 1,1 Promille – sie galten also als absolut fahruntüchtig. Die tatsächliche Zahl der Trunkenheitsfahrten dürfte deutlich höher liegen, sagt Wicke.

Besonders häufig registrierte die Polizei Alkoholfahrten in Niederbayern – gemessen an der Einwohnerzahl. Das könnte auch an der Kontrolldichte liegen, die je nach Region unterschiedlich ausfällt, etwa wegen Großveranstaltungen wie der Passauer Maidult. Dennoch liegt Niederbayern seit Jahren vorn.

Betrunken Autofahren gerade im ländlichen Raum ein Problem

Das bedeutet nicht unbedingt, dass dort mehr Alkohol getrunken wird, erklärt Verkehrspsychologe Wicke. Entscheidend sei oft der Nahverkehr. "Auf dem Land gibt es nachts deutlich weniger Möglichkeiten, nach Hause zu kommen." Gerade dort fahren viele zum Feiern in die Städte – und später wieder zurück.

Auf der Maidult kennt man das Problem. "Beim Fußballverein wird jede Woche getrunken und dann heimgefahren", erzählt ein junger Besucher. Kurz nach Mitternacht endet auch die Kontrolle an der B12. Die Bilanz nach knapp vier Stunden: Für einen Dult-Samstag blieb es ruhig. Acht Alkoholdelikte registrierte die Passauer Polizei an diesem langen Wochenende.

BR24 auf TikTok: Alkohol am Steuer - unterschätzte Gefahr

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