Nahaufnahme eines Hundes mit braunen Augen.
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Samson verlor erst sein Frauchen, dann wurden auch die Soldaten getötet, die sich um ihn gekümmert haben.
Bildrechte: BR/Ulla Küffner
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Samson verlor erst sein Frauchen, dann wurden auch die Soldaten getötet, die sich um ihn gekümmert haben.

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Wie ein Tierschutzverein Hunde aus dem Kriegsgebiet rettet

Wie ein Tierschutzverein Hunde aus dem Kriegsgebiet rettet

Der Ukrainekrieg zerstört nicht nur das Leben vieler Menschen – auch Tiere leiden, werden verletzt, sterben. Doch es gibt Hoffnung, denn der Verein "Pro Animale" rettet seit Jahren immer wieder vor allem Hunde aus dem Kriegsgebiet.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Samson, ein großer, stattlicher Hund mit freundlichen braunen Augen, liegt entspannt mit dem Kopf auf Natascha Wothkes Schoß. Hier in der Tierherberge im oberfränkischen Uetzing bei Bad Staffelstein sind er und gut ein Dutzend weiterer Hunde aus dem Kriegsgebiet der Ukraine jetzt in Sicherheit. Doch Samson hat Schlimmes erlebt, erzählt die 2. Vorsitzende des Vereins "Pro Animale für Tiere in Not e.V." (externer Link) im BR24-Interview.

"Seine Besitzerin musste aus der Ukraine fliehen, konnte ihn nicht mitnehmen. Soldaten haben sich dann um Samson gekümmert, nahmen ihn mit an die Front, sogar bis hinein in den Schützengraben", sagt Wothke.

Doch die Soldaten kamen im Kriegsgeschehen ums Leben. Wieder waren Samsons Bezugsmenschen einfach weg. Kameraden der Gefallenen nahmen den Hund mit nach Cherson – übergaben ihn an Vitaly. Er ist Mitarbeiter eines mittlerweile zerbombten Tierheims. "Vitaly harrt noch vor Ort aus, wirft sein Leben in die Waagschale für die Tiere," erzählt Natascha Wothke sichtlich gerührt, denn jeder Tag könnte für Vitaly und seine Hunde der letzte sein.

Ex-Tierheimmitarbeiter versorgt Tiere in umkämpften Gebieten

Vitaly ist der Kontaktmann vor Ort für den Verein "Pro Animale". Er versorgt die Tiere, sammelt sie sozusagen, bis der Transport organisiert ist. Im Dezember schickt er 54 Hunde auf die Reise, der Transport ist eine echte Herausforderung, das geht nur mit direkten Vor-Ort-Kenntnissen, sagt Natascha Wothke. Die Tiere kommen nach Polen, dort durchlaufen sie eine zweimonatige Quarantäne. Erst wenn sicher ist, dass sie keine ansteckenden Krankheiten haben, werden sie auf verschiedene Standorte des Vereins verteilt.

Den Verein für den Schutz, die Rettung und Obdachschaffung von Tieren gibt es bereits seit 1985, gegründet von Johanna Wothke, Nataschas Mutter. Mittlerweile unterhält "Pro Animale" 30 Tierschutzeinrichtungen in fünf europäischen Ländern sowie der Türkei.

Tiere im Krieg: Schreckliche Schicksale, unendliches Leid

Seit Kriegsbeginn hat der Verein bereits mehr als 470 Hunde, 65 Katzen, Pferde und auch andere Nutztiere aus den schwer umkämpften Gebieten in der Ukraine gerettet. Manche Vierbeiner sind verletzt, andere traumatisiert. "Was mit den meisten von ihnen und auch mit ihren Besitzern geschehen ist, werden wir nie erfahren", sagt Natascha Wothke nachdenklich.

Bei einigen ist das Schicksal aber auch offensichtlich, so wie bei einer der geretteten Hündinnen: "Der wurden beide Hinterläufe weggeschossen. Sie ist jetzt zwar schwerbehindert, hat aber einen Rollstuhl und noch ganz viel Lebensmut. Sie ist bei Berlin untergebracht. Eine andere Hündin ist in einen Luftschutzkeller geflüchtet und hat dort ihre Welpen geboren."

Hunde-Vermittlung und Spenden helfen Verein

Wenn die Tiere gesund sind und es auch ihr Gemütszustand – oder wie Natascha Wothke sagt: ihre "psychische Stabilität" – zulässt, werden sie zur Adoption freigegeben. "Wir wünschen uns, dass sie ein schönes Zuhause mit Familienanschluss finden." Dann ist auch wieder Platz für weitere Hunde aus dem Kriegsgebiet.

Manche Tiere bleiben aber auch ihr gesamtes Leben in der Obhut des Vereins. Das kostet die Helfer viel Zeit, Kraft und auch Geld. Deshalb ist "Pro Animale" auf Spenden angewiesen, um auch weiterhin Tieren in Not helfen zu können.

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