Haus mit Photovoltaik-Anlage
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Wer genug Strom selbst verbraucht, für den wird sich Photovoltaik auf dem eigenen Haus weiter lohnen.
Bildrechte: BR/ Michael Böhm
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Wer genug Strom selbst verbraucht, für den wird sich Photovoltaik auf dem eigenen Haus weiter lohnen.

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Wie sich Photovoltaik weiter lohnt - trotz Reiches Kürzungsplan

Wie sich Photovoltaik weiter lohnt - trotz Reiches Kürzungsplan

In Bayern ist mehr Photovoltaik installiert als in jedem anderen Bundesland – auch und gerade auf privaten Hausdächern. Doch Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums von Katherina Reiche (CDU) könnten den Ausbau von Sonnenenergie auf Dächern bremsen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Matthias Gemeinhardt verdient sein Geld mit Photovoltaik und Wärmepumpen. Der Unternehmer aus Oberkotzau bei Hof war entgeistert, als von den Plänen der CDU-Bundeswirtschaftsministerin Reiche hörte: "Die Straße von Hormus ist gesperrt, die Energiepreise steigen – also jedem ist klar, dass fossile Energie keine Zukunftstechnologie ist. Und dann kommt so ein Referentenentwurf vom Wirtschaftsministerium."

Ministerin findet Einspeisevergütung überflüssig

Katherina Reiche, die von der Eon-Tochter Westenergie ins Bundeskabinett gekommen war, sieht die Einspeisevergütung für private Dachanlagen als überflüssig an: "Wer sich heutzutage eine Solaranlage aufs Haus schraubt, braucht vielleicht nicht mehr zwingend eine Förderung. Das ist jetzt schon wirtschaftlich und kosteneffizient."

Inzwischen ist auch ein Gesetzentwurf aus ihrem Ministerium bekannt geworden, der den Stopp der garantierten Einspeisevergütung bei kleinen Anlagen vorsieht.

Wer eine Wärmepumpe hat, kann auch ohne Einspeisevergütung

Dass der Eigenverbrauch von Solarstrom inzwischen die wichtigste Motivation für Privatleute ist, um sich eine Photovoltaikanlage zu beschaffen, bestätigt Solarunternehmer Gemeinhardt. Zumindest wer eine Wärmepumpe oder ein Elektroauto hat, verbraucht einen so hohen Anteil des Stroms vom eigenen Dach selbst, dass die Einspeisevergütung wenig ins Gewicht fällt. Eine Eigenverbrauchsquote zwischen 70 und 90 Prozent sei inzwischen bei Gemeinhardts Kunden keine Seltenheit mehr. In solchen Fällen wird sich die Investition auch nach einer möglichen Gesetzesänderung weiter lohnen.

Dass künftig Dachflächen nicht mehr ganz ausgenutzt werden, weil Kunden den zusätzlichen Strom nicht selbst verbrauchen können, erwartet der Solarunternehmer nicht: Inzwischen koste ein Solarmodul im Einkauf nur noch 60 bis 70 Euro – da fielen ein paar mehr bei den Gesamtkosten kaum noch ins Gewicht.

Wenig Informierte werden abgeschreckt

Wer sich über Sonnenenergie schon informiert habe, wisse das. Das Problem ist nach Einschätzung Gemeinhardts jedoch die politische Botschaft der geplanten Reiche-Reform an die breite Öffentlichkeit. Das deckt sich mit der Einschätzung der Energieagentur Oberfranken, die Kommunen und Privatleute bei der Energiewende berät.

Durch Reiches Art, über Photovoltaik zu sprechen, würden mögliche Interessenten von vornherein entmutigt, meint Markus Ruckdeschel von der Energieagentur: "Das lässt viele denken, vielleicht ist es dann gar nicht mehr wirtschaftlich für mich. Und das wäre das Fatalste, was passieren kann." Denn schon in den vergangenen beiden Jahren ist der Zubau von Photovoltaik im Heimsegment zurückgegangen.

Grafik: Neue Photovoltaik im Heimsegment

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Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine boomte Photovoltaik auf Privatdächern, doch zuletzt ging der Ausbau zurück.

Pflicht zur Direktvermarktung wäre großes Problem

Markus Mötzinger aus Bindlach bei Bayreuth hat sich vor kurzem eine Photovoltaikanlage samt Wärmepumpe zugelegt. Er würde es wieder machen, selbst wenn es keine Einspeisevergütung gäbe. Aber was ihn irritiert, ist die vom Reiche-Ministerium geplante Vorschrift, dass auch Kleinanlagen ihren Strom selbst vermarkten müssen: "Das wird dann nur noch komplizierter", fürchtet Mötzinger. Die nötigen Anmeldungen für seine Anlage fand er ohnehin schon bürokratisch.

Die geplante Direktvermarktungspflicht für kleine Photovoltaikanlagen könnte zu einem großen Problem werden, bestätigt auch Verena Fluri vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE). Sie hat dazu eine Studie durchgeführt [externer Link], mit dem Ergebnis: Die Zeit ist noch nicht reif dafür. Weil intelligente Stromzähler fehlen und der Datenaustausch noch zu kompliziert ist. Jetzt schon kleine Photovoltaik in die Direktvermarktung zu zwingen, wäre ihrer Ansicht nach "sehr schwierig" und würde viele Anlagen unwirtschaftlich machen.

Reiche-Pläne könnten Photovoltaik ausbremsen

Der mögliche Gewinn bei der Direktvermarktung von kleinen Dachanlagen sei so gering im Vergleich zum hohen Aufwand, dass selbst bestehende Anbieter solcher Modelle bezweifeln, ob es sich jemals lohnen wird. Sinnvoller wäre es laut Fluri, die Strommengen der kleinen Anlagen gebündelt zu vermarkten – so wie es bisher nach den Regeln des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) über die Netzbetreiber geschieht.

Nach Einschätzung des Fraunhofer ISE bergen die Pläne aus dem Hause Reiche die Gefahr, den Ausbau von Photovoltaik auf Hausdächern weiter zu bremsen.

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