Die Geschiebedosiersperre, eine Betonwand mit einem überdimensional großen Rechen, soll Bäume und große Gesteinsbrocken aufhalten.
Die Geschiebedosiersperre, eine Betonwand mit einem überdimensional großen Rechen, soll Bäume und große Gesteinsbrocken aufhalten.
Bild
Die Geschiebedosiersperre, eine Betonwand mit einem überdimensional großen Rechen, soll Bäume und große Gesteinsbrocken aufhalten.
Bildrechte: Landratsamt Berchtesgadener Land
Schlagwörter
Bildrechte: Landratsamt Berchtesgadener Land
Audiobeitrag

Die Geschiebedosiersperre, eine Betonwand mit einem überdimensional großen Rechen, soll Bäume und große Gesteinsbrocken aufhalten.

Audiobeitrag
>

Wie viel Risiko bleibt an der Bobbahn am Königssee?

Wie viel Risiko bleibt an der Bobbahn am Königssee?

Fünf Jahre nach der Flut wird die wiederaufgebaute Bobbahn im Herbst wieder öffnen. Neue Sperren, Fangzäune und ein verlegter Bachlauf sollen sie schützen. Doch Naturschützer zweifeln, ob sich die Natur an diesem Standort technisch beherrschen lässt.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Thema des Tages am .

Gegenüber vom türkisfarbenen Königssee leuchtet der gelbe Eingang der Kunsteisbahn. Dahinter dröhnen Baumaschinen, Arbeiter montieren Leitungen und Sicherheitseinrichtungen. Wo im Herbst wieder Bobs und Rennrodel durch die Kurven schießen sollen, ist die Anlage noch eine Baustelle.

Nur wenige Meter entfernt fließt der Klingerbach. An diesem Tag wirkt er unscheinbar. Im Juli 2021 wurde der schmale Gebirgsbach jedoch innerhalb kürzester Zeit zur zerstörerischen Kraft. Wasser, Schlamm, Baumstämme und Felsbrocken strömten aus den steilen Hängen ins Tal. An einer Engstelle verkeilte sich Material, das Wasser staute sich und brach durch den oberen Teil der Bob- und Rodelbahn.

Mehr als 500 Einsätze im Landkreis

Am Abend des 17. Juli 2021 wurde der Katastrophenfall für das Berchtesgadener Land ausgerufen. Die Behörden registrierten mehr als 500 Einsätze. Eine Person kam ums Leben, 163 Menschen mussten zeitweise evakuiert werden. Straßen, Bahnstrecken und Gebäude wurden beschädigt.

Der heutige Landrat Michael Koller war damals stellvertretender Landrat. Er erinnert sich daran, wie schnell sich die Lage zuspitzte. Auf dem Heimweg sei er bereits durch hohes Wasser gefahren. Besonders der Todesfall sei ihm im Gedächtnis geblieben. Gebäude könnten wieder aufgebaut werden, sagt Koller, „aber ein Menschenleben ist nicht ersetzbar“.

Wiederaufbau mit neuem Schutzsystem

Die Bobbahn soll im Herbst 2026 wieder in Betrieb gehen. Der Wiederaufbau ist mit umfangreichen Schutzmaßnahmen verbunden. "Wir können die Bahn nicht wieder aufbauen, wenn die Schutzmaßnahmen nicht gewährleistet sind", sagt Koller.

Oberhalb der Anlage wurde eine sogenannte Geschiebedosiersperre gebaut. Projektleiter Fabian Amort beschreibt sie als Betonwand mit einem "überdimensional großen Rechen". Der Klingerbach kann hindurchfließen. Bei Starkregen sollen jedoch Baumstämme und große Felsbrocken hängen bleiben. Schlamm und Geröll sammeln sich in einem Rückhalteraum, der nach Unwettern kontrolliert und bei Bedarf ausgebaggert werden muss.

Auch der frühere Flaschenhals wurde beseitigt: Die neue Strecke kreuzt den Klingerbach nicht mehr. Das Bachbett wurde neu geführt, befestigt und teilweise tiefergelegt. So soll das Wasser mehr Platz bekommen und weniger leicht in Richtung Bahn ausbrechen.

Entlang der Strecke wurden zudem Steinschlagschutzzäune verstärkt, erhöht und ergänzt. Auch die ammoniakführenden Kälteleitungen werden durch Betonfundamente, Zäune und Mauern geschützt.

BUND Naturschutz zweifelt am Standort

Rita Poser, Vorsitzende der Kreisgruppe des BUND Naturschutz, hält die Maßnahmen für unzureichend. "Das ist alles viel zu klein dimensioniert", sagt sie. Die Anlagen erreichten aus ihrer Sicht nicht einmal die Ausmaße des Ereignisses von 2021.

Poser verweist auf die steilen Hänge, nachrutschendes Material und den Zustand des Schutzwaldes. Grundsätzlich stellt sie den Standort infrage. Große Felsblöcke könnten ihrer Ansicht nach nicht vollständig durch Fangzäune aufgehalten werden. Auch ein möglicher Austritt von Ammoniak bei einer erneuten Beschädigung der Kälteanlage bereitet dem Verband Sorgen.

Die Projektleitung widerspricht. Geologen und weitere Fachleute hätten das Gelände untersucht, die Planungen seien mit den zuständigen Behörden abgestimmt worden. Bei der Bemessung der Zäune seien auch die Felsbrocken berücksichtigt worden, die 2021 tatsächlich in den alten Anlagen gelandet seien.

Eine Garantie gegen jedes Extremereignis gibt es dennoch nicht. Das neue Schutzsystem soll Wasser, Geröll und Felsen schrittweise abbremsen. Ob es hält, was sich Landkreis und Planer davon versprechen, zeigt sich erst beim nächsten großen Starkregen.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!