Der Wiederaufbau der Bob- und Rodelbahn am Königssee verzögert sich weiter. Deshalb wird auch die Austragung der Rodel-WM 2028 in Schönau immer unwahrscheinlicher. Der deutsche Bob- und Schlittenverband geht davon aus, dass der neue Herrenrodelstart der dortigen Bobbahn frühestens 2029 fertiggestellt sein wird. Bleibt es dabei, würde sich der Wiederaufbau der Bobbahn auf insgesamt acht Jahre summieren.
Zoff um Startturm – Bebauungsplan muss geändert werden
Der obere Teil der Bahn war im Juli 2021 durch ein heftiges Unwetter und Überschwemmungen massiv beschädigt worden. Grund für die erneute Verzögerung beim Wiederaufbau sind Auseinandersetzungen mit dem örtlichen Bund Naturschutz: Eigentlich wollte der Bob- und Schlittenverband einen neuen 23 Meter hohen Startturm für die Herrenrodler bauen.
Der Bund Naturschutz kritisierte, ein solch hoher Turm verschandele die Landschaft und sei für die meisten Wettkampfarten nicht nötig. Der Verein kündigte an, gegen die Pläne zu klagen. Im September 2025 einigte man sich dann auf einen Kompromiss: Der neue Herrenrodelstart soll nun mit maximal 13,5 Metern deutlich niedriger ausfallen und damit zugleich günstiger werden.
Allerdings braucht es deshalb einen geänderten Bebauungsplan. Die neuen Pläne müssen anschließend durch die Fördermittelbehörde genehmigt und öffentlich ausgeschrieben werden – und das kann dauern.
Negative Folgen für Hoteliers und Nachwuchs-Sportler
Schon zuvor hatte sich der Wiederaufbau immer wieder verzögert. Zuletzt hatte eine kaputte Kältemittelleitung den Zeitplan durcheinandergebracht. Eigentlich hätte jetzt, im Januar, die Olympia-Rodel-Generalprobe auf der Eisbahn am Königssee stattfinden sollen. Doch auch diese musste abgesagt werden – mit spürbaren Folgen für Hoteliers und Vermieter in der Region.
Die Freien Wähler in Schönau am Königssee monieren in einem Statement insbesondere die Auswirkungen auf den Sport-Nachwuchs in der Region. Viele junge Athletinnen und Athleten seien gezwungen, auf andere Standorte auszuweichen. Dies führe zu "zusätzlichen Fahrtkosten, höherem Zeitaufwand und erheblichen finanziellen Mehrbelastungen für Eltern und Vereine".
Ähnlich äußert sich auch Franz Rasp, Bürgermeister von Berchtesgaden und CSU-Landratskandidat im Berchtesgadener Land. Die erneute Verzögerung sei ein Debakel "für die Nachwuchsarbeit, das Ansehen unserer Region und auch für uns Steuerzahler", schrieb Rasp auf seinem Instagram-Account.
Rodel-WM könnte 2028 stattdessen in USA stattfinden
Der Bob- und Schlittenverband verhandelt derzeit mit Partnern in Innsbruck und Lake Placid (USA), wo es ebenfalls Eiskanäle gibt, ob die Weltmeisterschaft 2028 dort ausgetragen werden kann. Die Idee ist, die bereits an den Königssee vergebene Rodel-WM auf 2029 zu verschieben. Im Gegenzug könnte die WM 2028 in den USA ausgetragen werden – und die Königssee-Bahn hätte ein weiteres Jahr Zeit, endlich fertig zu werden.
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