Windräder in der Dämmerung ( Symbolbild)
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Windpark Altötting: Streit um Boden, Wasser und Wald

Windpark Altötting: Streit um Boden, Wasser und Wald

Der Windpark Altötting bleibt umstritten: Beim Erörterungstermin haben Projektierer, Behörden und Einwender die Kritik öffentlich durchgearbeitet. Nach zwei Tagen sind die Einwendungen und Fragen kritischer geworden – Antworten stehen noch aus.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Oberbayern am .

Die Diskussionen um den Windpark Altötting bleiben angespannt. "Dieses Projekt kann nur gelingen, wenn wir ihr Vertrauen haben". Das sagte Heike von der Heyden, Geschäftsführerin Qair Deutschland, zur Eröffnung des Erörterungstermins zum geplanten Windpark im Landkreis Altötting. Die Diskussionsrunde ist Teil des Genehmigungsverfahrens: Einwendungen werden besprochen, offene Fragen geklärt. Das Landratsamt Altötting kann daraus Auflagen ableiten oder Nachbesserungen am Antrag verlangen. Im Verlauf des Termins zeigte sich jedoch: Das Vertrauen ist bei vielen Anwohnern in Misstrauen umgeschlagen.

Windräder fast so hoch wie der Eiffelturm

Für viele Beteiligte war es ein emotionaler Termin: ein Kampf für ihre Heimat, die massiv verändert werden soll. Geplant sind 27 Windräder mit einer Gesamthöhe von jeweils über 285 Metern, also fast so hoch wie der Eiffelturm. Mitten im Staatswald, verteilt entlang von Forstwegen und Lichtungen – teils im Wasserschutzgebiet, aus dem viele Menschen ihr Trinkwasser bekommen. Es gab 124 Einwendungen, aufgeteilt in verschiedene Schwerpunkte, wie Verfahrensrügen, Wirtschaftlichkeit des Windparks, Trinkwasser- und Bodenschutz oder auch Natur- und Lärmschutz.

Geschwärzte Unterlagen untergraben das Vertrauen

Ein zentraler Vorwurf seitens der Interessensgemeinschaften bezieht sich auf die Unterlagen. Die seien nicht vollständig, nicht präzise genug oder an den wichtigen Stellen geschwärzt. "Im Nachhinein wurden die Spielregeln verändert, das ist nicht richtig", sagt Andrea Hecht der IG Schützing, einem Ortsteil der Gemeinde Marktl, die vom Windpark besonders betroffen ist. Projektleiter Peter Reidelbach der Firma Qair hielt dem entgegen, dass bestimmte Kriterien freiwillig eingeführt worden seien, die im Gespräch mit den Bürgern festgelegt wurden. Dabei bezieht sich Reidelbach beispielsweise auf die 1200 Meter Abstand zu Wohnungsbebauungen. "Wir hätten noch näher ranrücken können", sagte Reidelbach. Dimitri Zimmerling der IG Gegenwind warf dem Projektierer vor, der Antrag sei an entscheidenden Stellen nicht konkret genug. Gerade bei Boden- und Wasserschutz müsse vorher klar feststehen, was genau gebaut und wie gearbeitet werde – sonst werde später "im Wald improvisiert".

Die Knackpunkte sind Wasser, Boden und Wald

Kann man so ein Großprojekt in einem so sensiblen Gebiet verantworten? Das war die zentrale Frage im Saal. Die größten Sorgen kreisten um Wasserschutz. Viele Einwender befürchten: Wenn im Wald etwas schiefgeht, landet es am Ende im Boden und vielleicht im Wasser. Gleich danach kam das Thema, das in der Region ohnehin wie ein Dauerrauschen mitschwingt: die krebserregende Chemikalie PFOA. Gerade weil hier Böden und Grundwasser belastet sind, müsse jeder zusätzliche Eingriff doppelt kritisch geprüft werden, sagten viele Bürger.

Der dritte große Block war der Wald selbst – für viele Interessensgemeinschaften nicht "irgendeine Fläche", sondern Schutzraum für Naherholung, Waldinnenklima und für manche Orte ein grüner Puffer Richtung Industrie. Rodungen, breitere Wege für Schwertransporte, Zerschneidung – das ist die Befürchtung. Dazu kommt die Frage: Was bleibt vom "Erholungswald", wenn darin 27 Windräder stehen?

Nachbesserungen bei zentralen Kritikpunkten versprochen

Die Betreiberfirma Qair setzte im Termin auf zwei Linien: Respekt zeigen und gleichzeitig erklären, wie das Projekt "sicher" laufen solle. Geschäftsführerin Heike von der Heyden sagte, man wisse, dass es um die Heimat vieler Menschen gehe, und man wolle Fragen so verständlich wie möglich beantworten. Qair verwies außerdem auf den langen Vorlauf mit Gutachten und persönlichen Info-Terminen. Außerdem sei die Planung von ursprünglich 40 auf 27 Anlagen reduziert worden, auch wegen freiwillig größerer Abstände zur Wohnbebauung.

Bei den heiklen Punkten sagte Qair mehrfach sinngemäß: Man nehme die Kritik mit und werde nachschärfen. Beim Boden- und Trinkwasserschutz kündigte der Projektierer an, Details – etwa zu Entwässerung/Drainage, Baustellenabläufen und Varianten beim Bodenmanagement – im Verfahren zu ergänzen. Zur PFOA-Belastung betonte Qair: Die Altlast komme nicht vom Windpark, man müsse beim Bauen aber besonders sorgfältig damit umgehen.

Qair hofft auf einen Baustart 2027

Als Nächstes wertet das Landratsamt den Erörterungstermin aus und prüft, welche Einwände genehmigungsrelevant sind. Qair muss den Antrag an den Stellen nachbessern oder ergänzen, wo es Nachforderungen gibt. Danach entscheidet die Behörde über den Bescheid: Möglich ist auch, dass es noch einmal einen weiteren Termin gibt, wenn sich Unterlagen oder Planung deutlich ändern. Wenn der Bescheid erteilt wird, können Betroffene dagegen klagen. Qair selbst hofft auf einen zügigen Ablauf und im Optimalfall im nächsten Jahr mit den ersten Bauarbeiten starten zu können.

Im Video: Altötting: Erörterungstermin zu geplantem Windpark

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