Seit dem Ausbruch des Hantavirus auf einem niederländischen Kreuzfahrtschiff fragen sich viele Menschen, wie gefährlich eine Ansteckung sein kann. Besonders dann, wenn man in einer ehemals stark betroffenen Region wohnt, zum Beispiel im Spessart oder im Raum Aschaffenburg. Warum manche Regionen stärker betroffen sind als andere, hängt insbesondere mit dem Vorkommen der Rötelmaus, dem häufigsten Überträger des Virus, zusammen.
Ansteckungsgefahr im Wald höher
In waldreichen Gebieten, in denen Nagetiere wie die Rötelmaus gute Lebensbedingungen vorfinden, könne es in bestimmten Jahren zu höheren Fallzahlen kommen, heißt es aus dem Landratsamt Main-Spessart. Gefährdet seien daher weniger Menschen, die ihren Gartenschuppen reinigten, sondern eher Personen, die im Wald arbeiteten. Dazu gehören in erster Linie Forstarbeiter, Waldarbeiter, Soldaten und Bauern. Für dieses Jahr nennt das Landratsamt jedoch keine bekannten Fälle.
Für 2026 nur drei Fälle in Bayern gemeldet
Auch im Landkreis Aschaffenburg gibt es bislang keine Fälle, so das zuständige Landratsamt. Weitere Gebiete in Bayern, in denen in den vergangenen Jahren verstärkt Infektionen gemeldet wurden, sind der bayerische Teil der Schwäbischen Alb und der Bayerische Wald. Insgesamt gab es laut Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in diesem Jahr nur drei Fälle in Bayern.
Unterschiedliche Virusvarianten
Anders als bei der Virusvariante, die auf dem Kreuzfahrtschiff ausgebrochen ist, handelt es sich bei der in Bayern und Baden-Württemberg vorkommenden Virusvariante überwiegend um das sogenannte Puumala-Ortho-Hantavirus. Diese Viren werden vor allem durch Rötelmäuse auf den Menschen übertragen.
Eine Infektion erfolgt über den Kontakt mit Speichel, Urin oder dem Kot infizierter Tiere. Genauer gesagt, über das Einatmen virushaltiger Partikel, beispielsweise beim Reinigen von Kellern, Schuppen, Dachböden oder Gartenhäusern. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht bekannt.
Gefährliche Virusvariante in Bayern unwahrscheinlich
Auf dem Kreuzfahrtschiff "Hondius" wurde der Andes-Typ des Erregers festgestellt. Der Andes-Stamm ist vor allem in Südamerika vorhanden. Nur beim Andes-Stamm ist eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung überhaupt möglich. Die Krankheit beginnt mit grippeähnlichen Symptomen und kann zu Herz- und Lungenversagen führen. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC enden etwa 40 Prozent der Fälle tödlich.
Die Wahrscheinlichkeit, dass der für die Todesfälle verantwortliche, gefährliche Virus-Stamm aus Südamerika hierzulande auftauche, sei sehr unwahrscheinlich, sagt Frank Hanses, Leiter der Infektiologie am Klinikum Regensburg, im Interview mit BR24.
Grippeähnliche Symptome bei europäischer Variante
Bei der vornehmlich in Europa und Asien vorherrschenden Virusvariante treten dagegen weit weniger gefährliche Symptome auf: plötzliches hohes Fieber, starke Kopf- , Muskel- und Rückenschmerzen, später Nierenbeteiligung bis zum akuten Nierenversagen, teils mit Blutungsneigung. Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) liegt die Sterblichkeit für die in Deutschland vorkommenden Hantavirus-Erkrankungen insgesamt deutlich unter einem Prozent. Dennoch raten Experten dazu ärztlichen Rat einzuholen, sollten diese Symptome auftreten. Eine Impfung gegen Hantaviren gibt es nicht.
Einfache Maßnahmen schützen vor Ansteckung
Dennoch können sich Menschen vor einer Ansteckung schützen, indem sie zum Beispiel die Räume vor der Reinigung gut lüften und Staubentwicklung vermeiden. Den Schrubber in die Hand nehmen und feucht wischen schützt besser als kehren und Staub aufwirbeln. Wer ganz sicher gehen will, benutzt am besten Handschuhe und setzt eine FFP2-Maske auf.
Experten: Keine Panik
Grundsätzlich müssten sich die Menschen wegen der typischen Verunreinigungen durch Mäuse in Haus und Schuppen "wenig Sorgen machen", so Infektiologe Hanses. Das Risiko sei selbst durch Rötelmäuse im Wald "sehr, sehr niedrig", und die Ankunft des südamerikanischen Stammes in Deutschland sei "noch mal unwahrscheinlicher".
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