Ein Schale Chips, eine Limonade, mehrere Scheiben Toastbrot: Das alles stand auf dem Tisch, an dem die Gäste der "Münchner Runde" über gesunde Ernährung diskutierten. Die Leckereien sorgten für reichlich Diskussionsstoff.
Die Ernährungsmedizinerin und Professorin Simone Kreth von der LMU München blickte skeptisch auf die angebotenen Lebensmittel: "Ich habe dazu nicht Müll gesagt, aber in die Richtung geht's wahrscheinlich." Das Problem: "Es nährt nicht. Es würde wahrscheinlich eher schaden." Süßigkeiten, Limonaden und Chips könnten mal ein Genussmittel sein, aber nicht dauerhaft. "Die Menschen müssen lernen sich zu nähren und ein Gefühl dafür zu bekommen, was ihnen guttut", forderte die Ärztin.
Ärztin empfiehlt 40 bis 50 Prozent Kohlenhydrate pro Tag
Als ein Beispiel nannte sie die veraltete Ernährungspyramide, wonach man 60 Prozent Kohlenhydrate pro Tag benötige. Das sei zu viel, 40 bis höchstens 50 Prozent empfahl Kreth.
Zur derzeit viel diskutierten Zuckersteuer wollte die Ernährungsmedizinerin kein Votum abgeben. Ihre Aufgabe sei es, die Menschen zu informieren und sich nicht für Regularien auszusprechen.
Wirtschaftsminister Aiwanger lehnt Werberegulierung ab
Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) positionierte sich bei dem Thema jedoch deutlich. Eine Steuer auf zuckerhaltige Lebensmittel hält er für "nicht zielführend". Stattdessen brauche es eine "sehr viel breitere Debatte". Aiwanger forderte einen Bewusstseinswandel hin zur naturbelassenen Ernährung statt zur Tiefkühlpizza. Auch eine Werberegulierung von stark zuckerhaltigen Lebensmitteln für Kinder lehnte Aiwanger ab: "Das ist ein kleiner Baustein. Das wird auch das Kraut nicht fett machen."
Eine solche Werberegulierung hatte zuvor die frühere Bundesernährungsministerin Renate Künast (Bündnis90/Die Grünen) ins Gespräch gebracht.
Die frühere Bundesernährungsministerin Renate Künast (Bündnis90/Die Grünen) kritisierte den hohen Flächenverbrauch der Tierhaltung.
Grünen-Politikern Künast: "Man sollte in der Schule kochen lernen"
Eine Zuckersteuer forderte sie nicht explizit, nannte aber Maßnahmen zur Zuckerreduktion als einen Bestandteil eines ganzen Pakets für gesunde Ernährung. Entscheidend sei auch die Bildung: "Man sollte eigentlich in der Schule kochen lernen", so Künast. Schon im Kindergarten müsse man für eine gesunde Ernährung sensibilisieren.
Industrie-Vertreter: "Wir folgen dem Verbraucher"
Christian von Boetticher, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, erklärte, dass junge Menschen heute viel stärker auf die Ernährung als noch Ende der 80er Jahre achten würden. Sorgen um die Umsätze macht sich seine Branche aber nicht: "Die Ernährungsindustrie ist da total relaxed. Wir folgen dem Verbraucher."
Heftiger Widerspruch kam an dieser Stelle von Renate Künast: "Das ist ein Trick: Sie schalten Werbung und behaupten, Sie folgen dem Verbraucher. Nein. Der Verbraucher folgt Ihrer Werbung und die Kinder und Jugendlichen auch."
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

