Baukräne (Archiv- und Symbolbild)
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Wohnen im Gewerbegebiet bleibt kompliziert

Wohnen im Gewerbegebiet bleibt kompliziert

Wohnraum wird immer knapper. Deutschlandweit fehlen laut Studie 1,4 Millionen Wohnungen. Eine mögliche Lösung könnten Wohnungen in Gewerbegebieten sein. Doch es gibt noch rechtliche Hürden.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Normalerweise bleiben Wohn- und Gewerbegebiete streng voneinander getrennt. Damit die Bewohner geschützt sind vor Lärm und Gerüchen, die Gewerbebetriebe nun mal produzieren. Ausnahmen gibt es bei Betriebswohnungen, wenn etwa die Blumenverkäuferin über dem Blumenladen lebt.

Aufgrund des hohen Bedarfs an Wohnraum versuchen Freistaat, Architekten und Gemeinden auch in Gewerbegebieten Wohnungen zu bauen. Bayernweit gibt es Projekte, aber immer wieder scheitern diese aber an den rechtlichen Hürden, festgelegt in der Baunutzungsverordnung.

Trotz Investor: Wohnprojekt in Abensberg kommt vorerst nicht

Beispiel Abensberg: Neben einem Ärztehaus soll gebaut werden, um betreutes Wohnen anzubieten. Uwe Brandl, Präsident des Bayerischen Gemeindetags, ist frustriert. Denn obwohl es sogar Investoren gäbe, scheitere es daran, "dass das Baurecht aktuell das als nicht genehmigungsfähig klassifiziert".

Die Schwierigkeit bei Wohnen in Gewerbegebieten: Weil der Gesundheitsschutz der Anwohner sehr hoch eingestuft wird, könnten die Gewerbetreibenden bei Beschwerden über Lärm oder Emissionen vor Gericht verlieren.

Angst der Handwerker: Anwohner klagen gegen Gewerbe

Franz-Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstages, betont, es habe schon Fälle gegeben, in denen Wohngebiete nah an Gewerbeflächen herangebaut worden seien und dann gegen die Betriebe geklagt wurde.

Sein Wunsch: ein Umdenken der Gerichte, die schauen sollten, wer zuerst da war. Sonst bestehe die Gefahr für die Handwerksbetriebe, dass "Gewerbeflächen langfristig verloren gehen". Helfen könnte es, zukünftige Anwohner zu warnen, welche Belastungen das Wohnen im Gewerbegebiet mit sich bringt.

Gemeindetagspräsident: Man muss den Menschen mehr zumuten

Gemeindetags-Präsident Brandl fordert die Politik auf, den Mut zu haben, die "individuellen Schutzansprüche runterzufahren". Denn: Man könne den Menschen auch zumuten, "bestimmte Lärmemissionen in einem erträglichen Umfang noch zu tolerieren".

Auf BR24-Anfrage schreibt die Bayerische Staatsregierung, sie habe das Ziel, die bestehenden Regeln zu lockern und eine Mischung aus nicht störendem Gewerbe und Wohnen zu ermöglichen. Das würde es Firmen erleichtern, Wohnraum für ihre Mitarbeiter zu schaffen, und bestehende Gebäude einfacher umzunutzen. Bisher habe der Bund diese Vorschläge aus Bayern allerdings noch nicht umgesetzt.

Wohnen über dem Supermarkt

Dass Gewerbe und Wohnungen zusammengehen können, zeigt ein Projekt aus Wörthsee in Oberbayern. Am Rande der Gemeinde steht ein Supermarkt, moderne Holzarchitektur, oben drauf: fast zwanzig kleine Wohnungen. Auf einer Baustelle neben dem Supermarkt soll bald ein Wohngebiet entstehen. Die Fläche am Ortsrand war ursprünglich nicht für Wohnungen oder Gewerbe vorgesehen, es war sogenannter Außenbereich.

Angestoßen hat den Wohn-Supermarkt-Komplex die Gemeinde Wörthsee, die Planung stammt vom Architektur-Professor Christian Schühle aus München. In Bayern gebe es einen hohen Flächenverbrauch, das "Wohnen auf dem Supermarkt" nutze die Fläche doppelt und sei so "eine gute Option, einfach flächensparender zu bauen", so Schühle.

Gewerbe muss sich einschränken

Damit die Anwohner vom Supermarkt nicht gestört werden, gibt es zum Beispiel feste Lieferzeiten für die Lkw und die Einkaufswägen müssen aus Kunststoff statt Metall sein, damit sie nicht so viel Lärm machen.

Für die Wohnungen, so Schühle, gab es außerdem eine spezielle Schalluntersuchung, an die Fenster und Wände angepasst wurden, um den Bewohnern ausreichend Schutz vor dem Außenlärm zu bieten.

Nicht jede Gewerbehalle eignet sich für Wohnungen

Der Vorteil hier: Der Komplex wurde gemeinsam geplant – wenn in schon bestehenden Gewerbegebieten gebaut wird, gibt es andere Voraussetzungen. So wurde in Wörthsee die Tragfähigkeit der Bauelemente direkt für Wohnungen mitberechnet. Ein Problem könnte sein, "dass bestehende Gewerbehallen von den statischen Voraussetzungen nicht darauf ausgelegt sind", weitere Stockwerke auszuhalten, so Architekt Schühle.

Auch herausfordernd sei, die notwendige Anzahl an Parkplätzen für Wohnungen bereitzustellen – in Wörthsee konnte unter dem Supermarkt eine Tiefgarage gebaut werden.

Dennoch ist es möglich, auch schon bestehendes Gewerbe mit Wohnungen zu ergänzen, was die Wohnungskrise lindern könnte.

Bildrechte: BR/Arnd Frenger
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Supermarkt mit Wohnungen in Wörthsee

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