Wahlunterlagen liegen ausgebreite auf einem Tisch. (Symbolbild)
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Der Ex-Bürgermeister von Wülfershausen wurde jetzt wegen Wahlfälschung angeklagt
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Wülfershausen: Ex-Bürgermeister wegen Wahlfälschung angeklagt

Wülfershausen: Ex-Bürgermeister wegen Wahlfälschung angeklagt

Der Wahlskandal von Wülfershausen landet vor Gericht: Die Staatsanwaltschaft wirft dem Ex-Bürgermeister massive Manipulationen bei der Kommunalwahl vor – darunter geöffnete Briefwahl-Umschläge und gefälschte Stimmen.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Mainfranken am .

Der Wahlfälschungs-Skandal in Wülfershausen an der Saale im Landkreis Rhön-Grabfeld beschäftigt jetzt das Gericht. Die Staatsanwaltschaft Schweinfurt hat gegen den ehemaligen Bürgermeister Wolfgang Seifert (CSU) Anklage erhoben. Dem 69-Jährigen werden 35 Fälle der Wahlfälschung bei den Kommunalwahlen vom 8. März 2026 vorgeworfen. Die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei sind damit abgeschlossen. Nun muss das Amtsgericht Bad Neustadt an der Saale entscheiden, ob die Anklage zugelassen wird und es zu einem Prozess kommt.

Ermittler: Briefwahl-Unterlagen geöffnet und verändert

Seifert war seit 2018 Bürgermeister der Gemeinde und trat bei der Wahl im März erneut an – ohne Gegenkandidaten. Gleichzeitig wollte seine Ehefrau in den Gemeinderat, war aber zuvor nicht für die Wahl nominiert worden. Seifert selbst stand zudem auf der CSU-Liste für die Kreistagswahl.

Nach Überzeugung der Ermittler manipulierte der damalige Bürgermeister Briefwahl-Unterlagen, weil er Sorge hatte, er selbst und seine Frau könnten nicht genügend Stimmen bekommen. Laut Staatsanwaltschaft soll er insgesamt 30 bereits abgegebene Briefwahl-Umschläge geöffnet haben. Die Ermittler werfen ihm vor, auf Gemeinderats-Stimmzetteln handschriftlich den Namen seiner Ehefrau als "wählerbenannte Person" ergänzt zu haben. Auf mindestens 20 Kreistags-Stimmzetteln soll er zusätzliche Stimmen für sich selbst vergeben haben. Außerdem habe er auf mehreren unausgefüllten Bürgermeister-Stimmzetteln seinen eigenen Namen eingetragen. Besonders brisant: In einigen Fällen soll Seifert die Umschläge nach der Manipulation wieder sorgfältig verklebt haben. Wenn das nicht gelang, habe er die Wahlumschläge durch Blanko-Umschläge ersetzt, auf die er im Rathaus Zugriff hatte.

Fünf ältere Menschen sollen ihm freie Hand gelassen haben

Zusätzlich geht es um fünf ältere Wahlberechtigte aus der Gemeinde. Sie sollen Seifert gebeten haben, ihre Briefwahl-Unterlagen auszufüllen. Dabei hätten sie ihm freie Hand gelassen, wie abgestimmt wird. Auch diese Gelegenheit soll der damalige Bürgermeister genutzt haben, um Stimmen zugunsten seiner Ehefrau, seiner Partei und seiner eigenen Kandidatur zu vergeben. Laut Staatsanwaltschaft fehlte dabei der vorgeschriebene Hinweis, dass er als Hilfsperson bei der Stimmabgabe tätig war. Die Identität dieser fünf Personen sei den Ermittlern nicht bekannt.

Geständnis und Rücktritt

Der Fall war bereits Ende März öffentlich geworden. Damals hatte die Staatsanwaltschaft erklärt, Seifert habe die Vorwürfe bei einer Vernehmung "vollumfänglich eingeräumt". Kurz darauf trat er von allen Ämtern zurück. Auch als Vorsitzender des CSU-Ortsverbands legte er seine Funktionen nieder.

Wie BR24 damals berichtete, waren bei der Bürgermeisterwahl insgesamt 1.278 gültige Stimmen abgegeben worden. Seifert erhielt davon 472 Stimmen und wurde zunächst im Amt bestätigt. Nach Bekanntwerden der Manipulationen ordnete das Landratsamt jedoch eine Neuwahl an. Auch Teile der Gemeinderatswahl müssen wiederholt werden.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft erklärte Seifert, allein gehandelt zu haben. Andere Personen hätten nichts von den Taten gewusst. Der Straftatbestand der Wahlfälschung kann mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden. Trotz des Geständnisses gilt weiterhin die Unschuldsvermutung – zumindest bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung des Gerichts.

Neuwahl bereits vorbereitet

Die Folgen des Wahlskandals beschäftigen das 1.500-Einwohner-Dorf weiter. Für die angesetzte Neuwahl des Bürgermeisteramts am 5. Juli steht inzwischen nur eine Kandidatin fest: Die Freie Wählergemeinschaft Wülfershausen schickt die 52-jährige Bankbetriebswirtin Ruth Markert ins Rennen. Sie sitzt seit 18 Jahren im Gemeinderat und hatte bei der ursprünglichen Wahl im März bereits 27 Prozent der Stimmen als sogenannte "wählerbenannte Person" erhalten – obwohl sie offiziell gar nicht kandidierte.

Nicht zugelassen wurde dagegen der Politikstudent Memet Ali Girgin von der neu gegründeten Wählergemeinschaft "Neustart Wülfershausen", da er nicht lange genug im Ort wohnt. Girgin erklärte gegenüber dem BR, nach der Wahlfälschung bewusst "ein Zeichen" gegen Politikverdrossenheit setzen zu wollen.

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