Eine Baustelle bei München.
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Zu viele neue Häuser? Ob Bayern sein Flächensparziel schafft

Zu viele neue Häuser? Ob Bayern sein Flächensparziel schafft

Um Hochwasserrisiken und Hitze zu minimieren, Lebensräume für Pflanzen und Tiere zu erhalten oder den CO2-Ausstoß zu senken, hat sich die Bayerische Staatsregierung beim Flächensparen hehre Ziele gesetzt. Doch können diese Ziele erreicht werden?

Über dieses Thema berichtet: Bayern-1-Nachrichten am .

Stammbach ist ein kleiner Ort mit 2.300 Einwohnern im Hofer Land. Da sich die Gemeinde als "Familienparadies" vermarktet, weist die Gemeinde demnächst ein neues Wohngebiet aus. Mit 23 Grundstücken für Mehr- und Einfamilienhäuser. "Weil wir natürlich Familien die Möglichkeit geben möchten, selbst auch zu bauen", erklärt CSU-Bürgermeister Sebastian Tögel.

Fast zehn Hektar werden pro Tag neu "in Anspruch genommen"

Viele ländliche Gemeinden wollen wachsen. Doch haben auch solche Wohnbau-Projekte zur Folge, dass in Bayern viel neue Fläche in Anspruch genommen wird. Derzeit werden insgesamt 9,8 Hektar pro Tag für neue Siedlungs- und Verkehrsflächen verwendet. Also etwa 14 Fußballfelder. Der größte Teil, rund 40 Prozent davon, entfällt dabei auf Wohnbaufläche, 17,9 Prozent für Industrie- und Gewerbefläche und 16,4 Prozent für Freiflächen-Photovoltaikanlagen. Das macht auch deutlich: "in Anspruch nehmen" ist nicht das gleiche wie "versiegeln". Eine Versiegelung ist laut Bayerischer Staatsregierung im Schnitt bei rund der Hälfte der neu in Anspruch genommenen Fläche der Fall [externer Link].

Ziel der Staatsregierung 2030: fünf Hektar pro Tag

9,8 Hektar pro Tag – das ist etwa doppelt so viel Fläche, wie sich die bayerische Staatsregierung selbst als Ziel gesetzt hat. Bis zum Jahr 2030 soll laut Koalitionsvertrag die "Flächenneuinanspruchnahme" auf fünf Hektar pro Tag sinken. Eine Verpflichtung zum Flächensparen gibt es allerdings nicht, dafür aber Informations- und Sensibilisierungsangebote sowie Förderprogramme, so das Wirtschaftsministerium auf BR-Anfrage.

Forderung der Grünen: verbindliches Flächenbudget

Die Grünen im Landtag fordern aber genau das: ein gesetzlich verbindliches Flächensparziel, so der Grünenabgeordnete Christian Zwanziger. Außerdem bräuchte es ein Flächenbudget für Kommunen. Das würde dem Grünen zufolge weiterhin sowohl Handlungsfreiheit vor Ort garantieren und trotzdem das landesweite Ziel konkretisieren. "Man kann die Fläche, die man dann hat, klug verwenden. Man kann aber auch weiter einen ebenerdigen Parkplatz betonieren, wenn man meint", so Zwanziger.

Freiwilligkeit der Kommunen ausreichend?

Auch der Stadtplaner Mario Tvrtković von der Hochschule Coburg glaubt nicht, dass das bayerische Flächensparziel ohne verpflichtende Vorgaben erreicht werden kann. "Die Vorstellung, dass die Kommunen das freiwillig machen, ist, glaube ich, obsolet", argumentiert der Experte. Für die Kommunen seien Flächenausweisungen eine der wenigen Möglichkeiten, mit denen sie - zumindest kurzfristig - selbst Geld einnehmen können. Und weil Kommunen mit Flächen Geld verdienen, stehe dies im Widerspruch zu den übergeordneten Flächensparzielen.

Experte: Einfamilienhäuser als flächenintensivste Wohnform

Der Experte verweist dabei auf den seiner Einschätzung nach größten Hebel: weniger Baugenehmigungen für neue Einfamilienhäuser. Diese seien "die flächenintensivste Wohnform, die wir haben". Er verweist auch auf eine Studie des Instituts für Landes- und Stadtentwicklungsforschung aus dem März dieses Jahres. Die Studie macht in ländlichen Regionen die Ausweisung von Einfamilienhausgebieten als "Kernproblem der Flächeninanspruchnahme für das Wohnen" aus [externer Link]. Stadtplaner Tvrtković argumentiert: Die Zukunft der Kommunen liege beim Bauen im Bestand. "Wir haben eigentlich einen sehr großen Bestand, der modernisiert, umgebaut und weiterentwickelt werden kann", so der Experte. Dort gebe es große Potenziale.

Autonomie der Kommunen versus verbindliche Regeln?

CSU- Bürgermeister Sebastian Tögel aus Stammbach ist jedoch gegen konkrete Regeln für die Kommunen. Diese würden seiner Meinung nach das Leben auf dem Land kaputt machen. Er wolle Anreize schaffen, damit neue Leute in den Ort ziehen. Eben mit dem neu ausgewiesenen Wohngebiet. Gleichzeitig gehe er auch gegen Leerstand im Ortskern vor, um Flächen zu sparen. Der Bürgermeister findet: Die Kommunen sollten weiter selbst über ihre Flächen bestimmen können.

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