Wie kann High-Tech Unfallopfern helfen – das wird in der BG Unfallklinik Murnau erprobt. Dort sollen Virtual Reality, Simulatoren und digitale Bewegungsanalysen die Heilung der Patienten unterstützen. Denn der Weg zurück in den Alltag ist oft lang und schwierig.
Simuliertes Skifahren als Therapie
Vincent liegt waagrecht in einer futuristisch wirkenden Maschine. Unter ihm ist kein Schnee – und doch fährt er Ski. Vor seinen Augen zieht eine virtuelle Piste vorbei, jede Gewichtsverlagerung lenkt seinen Avatar durch den Hang. Es sieht aus wie ein Spiel, ist aber harte Reha-Arbeit.
Vor drei Jahren verlor der 29-jährige Vincent bei einem schweren Unfall auf einer Baustelle sein rechtes Bein. Ein Lkw raste in den abgesicherten Bereich. Heute kämpft er sich zurück – Schritt für Schritt, Bewegung für Bewegung. "Das ist schon cool, wenn man mal wieder durch den Schnee fährt", sagt er. Was hier trainiert wird, sind nicht nur Muskeln, sondern auch Vertrauen in den eigenen Körper.
Digitale Therapie für die Rehabilitation
Was wie Unterhaltung wirkt, ist Teil eines umfassenden Konzepts: In der BG Unfallklinik Murnau werden digitale Anwendungen gezielt in die Therapie integriert. Virtual Reality, Simulatoren und digitale Bewegungsanalysen sind längst fester Bestandteil moderner Rehabilitation und helfen dabei, Patientinnen und Patienten gezielt auf Alltag und Beruf vorzubereiten.
Im sogenannten "Digital Zentrum" bündelt die Klinik diese Technologien. Dort entstehen Trainingssituationen, die möglichst nah an der Realität sind. Denn wer in eine virtuelle Welt eintaucht, trainiert intensiver und oft auch motivierter, berichten die Therapeutinnen und Therapeuten.
Mit dem Baggersimulator können sich Patienten auf die Rückkehr in den Beruf vorbereiten.
Mit dem Simulator zurück ins echte Leben
Nicht nur auf der virtuellen Skipiste wird geübt. In Murnau trainieren Patienten auch an Fahrsimulatoren für Pkw oder Arbeitsmaschinen wie Bagger. Gerade für Menschen, die beruflich Fahrzeuge steuern, ist das entscheidend, um wieder in den Job zurückzukehren.
Ein zentrales Element ist ein neues Reha-Fahrzeug: Ein speziell umgebauter BMW X1, ausgestattet mit moderner Simulationstechnik. Drei große Bildschirme erzeugen eine täuschend echte Fahrumgebung – mit Stadtverkehr, Landstraße oder Autobahn, bei Regen, Schnee oder Dunkelheit. Gesteuert werden kann das Fahrzeug sowohl klassisch über die Pedale als auch über Handgas. Dabei geht es nicht nur um das Fahren selbst. Auch das Ein- und Aussteigen, der Transfer aus dem Rollstuhl und alltägliche Abläufe werden gezielt trainiert – und zwar in einem geschützten Rahmen.
Zurück in die Selbstständigkeit ist auch Kopfsache
Für viele Patienten ist genau das der entscheidende Schritt zurück ins Leben. Nach schweren Verletzungen, etwa einer Querschnittlähmung, verlieren viele ein großes Stück ihrer Selbstständigkeit. Mobilität bedeutet deshalb weit mehr als Fortbewegung – sie steht für Freiheit und Teilhabe.
Die Fahrsimulation ist dabei ein wichtiger Baustein. Sie hilft, Fähigkeiten neu zu erlernen und Sicherheit zurückzugewinnen. Gleichzeitig wirkt sich der Fortschritt auch auf die Psyche aus. Chefarzt Matthias Vogel bringt es auf den Punkt: Wer wieder aktiv am Alltag teilnehmen kann, wird psychisch stabiler und bekommt neue Chancen.
Ein Ziel vor Augen
Vincent trainiert mit seiner Beinprothese weiter – immer wieder, mit Geduld und Ehrgeiz. Sein Ziel ist klar: er will wieder richtig Skifahren im Schnee. Die Technik ersetzt nicht den eigenen Willen. Aber sie hilft ihm, seinem Ziel jeden Tag ein Stück näherzukommen.
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